Leicht und laut

Lamborghini Gallardo Superleggera

Es ist nicht das erste Derivat des Lamborghini Gallardo. Doch der Superleggera zeigt die Zukunft der polarisierenden Marke mit dem Stier im Logo besser als jeder seiner Vorgänger.

Von Stefan Grundhoff

Auf dem Genfer Salon feierte er seine Weltpremiere – in giftigem grün, mit breiten Schlappen, aufdringlichen Spoilern und jeder Menge Kohlefaserkomponenten. Doch das allenthalben ins Auge fallende Leichtbau-Material ist beim Gallardo Superleggera mehr als Schau. Es spart dort Gewicht, wo es bei einem Sportwagen am wichtigsten ist – überall. So will Lamborghini seinen Gallardo noch besser, noch schneller, noch dynamischer machen. Schließlich muss der es noch ein paar Jahre machen.

Hof halten

Die offene Version ist ein Hollywood-Schauspieler; einer der am Ocean Drive von Miami Beach mit spärlich bekleideten Schönheiten Hof hält und die Blicke der verstörten Umgebung auf sich vereinigt. Der wahre Gallardo-Fan dagegen fährt eine geschlossene Version, am besten gleich einen Superleggera. Ebenso laut, aber nicht derart Beifall erheischend wie der Spyder.

Lamborghini Gallardo Superleggera
Der Innenraum des Lambo Lamborghini

Aufmerksamkeit gibt es in einem Lamborghini sowieso immer. Da macht der neue Superleggera keine Ausnahme. Denn der Frühling klopft bereits laut an das Garagentor. Schön, wenn man sich und seinen fahrbaren Untersatz im Winter in Topform gebracht hat. Jedes Kilogramm Übergewicht ist zuviel. "Lamborghini ist nicht nur eine Design- und Performance-Marke", erklärt Manfred Fitzgerald, Direktor für Design und Marketing bei Lamborghini, "wir wollen mehr unsere technische Kompetenz in den Vordergrund stellen. Kohlefaser ist die automobile Zukunft." Den Weg dorthin soll der Superleggera weisen.

Keine neue Idee

Neu ist Idee mit einem Superleggera im Hause Lamborghini nicht. Bereits das erste Modell des 350 GT trug auf seiner Karosserie die Bezeichnung "Superleggera", den Namen eines italienischen Karosseriebauers. Heute ist es kein besonders exklusiver Autoschmied, sondern der Name für eine Modellbezeichnung, bei der der Name Programm ist. Einen Gallardo Superleggera gab es vor drei Jahren bereits schon einmal. Der neue Superleggera ist im Vergleich zur ersten Generation mit 1.340 Kilogramm sogar zehn Kilogramm schwerer als sein indirekter Vorgänger.

Lamborghini Gallardo Superleggera
Blick auf den Motor Lamborghini

Der Grund liegt an den zahlreichen Modifikationen der letzten Jahre. Insbesondere die Umstellung des Triebwerks auf 560 bzw. 570 PS mit Direkteinspritzung und neue Kleinteile kostete wertvolles Gewicht. So ist der neue Superleggera 70 Kilogramm leichter als der gewöhnliche Lamborghini Gallardo LP 560-4. Heißt, jede der 570 Pferdestärken hat es fast schon spielerisch mit gerade einmal 2,35 Kilogramm zu tun.

Die Optik des 4,39 Meter langen Lamborghini ist und bleibt martialisch. Da fallen die noch wuchtigere Frontschürze oder der mächtige Heckflügel zwar ins Auge, doch wirklich ungewöhnlich erscheint das ganze nicht. Schließlich geht es bei der Jagd nach Zehntelsekunden um Alltagsnebensächlichkeiten wie Gewichtsersparnis und mehr Anpressdruck. Fallen schon die kleinen Aerodynamikdetails kaum nennenswert ins Auge, bleibt der Betrachter zumindest am "Superleggera"-Schriftzug hängen. Zudem ziert das Sondermodell ein schmaler Streifen der italienischen Landesfarben, der sich gewohnt knapp über den Asphalt spannt. Der Superleggera ist ein ganz normaler Gallardo; eine sportliche Versuchung auf jeder Rennstrecke. 570 PS stark und von einem unnachgiebigen Zehnzylinder zu ohrenbetäubenden Spitzenleistungen getrieben. Unten herum ist bei dem Allrad-Renner nicht viel zu holen. Er will Drehzahl, dann geht es gewaltig nach vorne.

Mindestens 4500 Touren sollten es sein

Lamborghini Gallardo Superleggera
Schnittig, der Lamborghini Lamborghini

Mindestens 4.500 Touren sollten es sein; besser noch einen tausender mehr, damit das Stakkato dann artgerecht loslegen kann und der Fahrer sich der Vorteile von Rennsitzen, griffigem Steuer und dem tiefen Schwerpunkt des Stieres bewusst wird. Selbstredend auch der Annehmlichkeiten einer grandiosen Bremsanlage. Auch hier gibt es hochfesten Leichtbau: an den Bremsscheiben, doch nur gegen Aufpreis.

325 km/h Spitzengeschwindigkeit können sich die meisten Autofahrer kaum bildlich vorstellen. Dem Gallardo sieht man sie an – im Stand. Gleiches beim Raketenstart 0 auf Tempo 100. Den schafft der laut brüllende Allradler in grandiosen 3,4 Sekunden. Sind bei Vollgas zehn Sekunden verstrichen, wäre selbst bei ordentlich motorisierten Autos des allgemeinen Straßenverkehrs noch nicht einmal die Tempo-100-Marke durchstoßen. Der Norditaliener zerstückelt dann bereits die 200er-Marke. Der bekannte Zehnzylinder mit 5,2 Litern Hubraum leistet bei voller Leistungsabfrage 419 KW / 570 PS.

Das in Zeiten modernster Turbodiesel nicht mehr ganz so eindrucksvolle Drehmoment von 540 Nm steht bei 6.500 U/Min zur Verfügung. Doch der neueste Lambo soll nicht nur mehr Dynamik und bessere Fahrleistungen bieten. Auch beim Verbrauch haben die Entwickler mächtige Fortschritte gemacht. Doch auch eine Reduzierung von mehr als 20 Prozent heißt in dieser Liga noch immer 13,5 Liter Normverbrauch.

Pure Anerkennung

Manfred Fitzgerald unterstreicht: "Der Gallardo Superleggera ist ein völlig anderes Auto. Wir müssen zukünftig wieder leichtere Autos bauen. Das Leistungsgewicht ist die zukünftige Kenngröße. Davon profitiere Fahrdynamik und Emissionen gleichermaßen." 70 Kilogramm sollen den Unterschied zwischen purer Anerkennung und nackter Begeisterung für die Fahrdynamik machen. Die Gewichtsersparnis wurde durch den intelligenten Einsatz von Leichtbaukomponenten erreicht. So bestehen zum Beispiel Heckfenster, Seitenscheiben und das Fenster der Motorhaube aus leichtem Polycarbonat. Die lange, vom Dach bis zum Heck verlaufende Haube ist aus hochfestem Kohlefasermaterial gefertigt.

Lamborghini Gallardo Superleggera
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Nach dem Sport- und Publizistikstudium hat er in einer Nachrichtenagentur volontiert. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele als Berichterstatter begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche. Neben der Autogazette verantwortet er auch das Magazin electrified.

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