Nur der XCeed hat den Wechsel zur neuen Kompaktreihe K4 überlebt. Nun hat ihn Kia für den Herbst seines Daseins noch einmal aufgehübscht.
Als Letzter seines Stammes erhält der XCeed jetzt ein umfangreiches Update. Während alle anderen Ceed-Versionen der neuen Kompaktgeneration K4 weichen müssen, fährt das erfolgreichste Modell weiter Richtung Sonnenuntergang. Die Preise beginnen nun bei 28.390 Euro und reichen bis 36.090 Euro.
Eigentlich wirkt die Geschichte wie ein kleiner Anachronismus auf vier Rädern. Während Hersteller Modellreihen einstampfen, Baureihen elektrifizieren und Verbrenner zunehmend zu Auslaufmodellen erklären, hält Kia an seinem 2019 eingeführten Crossover mit Benzinmotoren fest. Nicht aus purer Nostalgie, sondern weil die Kunden ihn offenbar noch immer mögen. Ein Auto ohne viel Firlefanz, das traditionelle Käufer technologisch nicht überfordert, sagt Kia. Rund 250.000 Einheiten fanden seit dem Marktstart 2019 einen Käufer, etwa 45.000 davon allein in Deutschland. So ein Modell schickt man nicht einfach in den Ruhestand.
Zwischen zwei Welten
Vielleicht liegt sein Erfolg auch daran, dass der XCeed schon immer ein bisschen zwischen den Welten unterwegs war. Zu hoch für einen klassischen Kompakten, zu niedrig für ein SUV. Diese erfolgreiche Nische hat er über Jahre kultiviert. Das Facelift verändert daran nicht viel. Kia hat Front und Heck komplett neu gezeichnet, der Auftritt wirkt deutlich moderner. Neue, zeitgemäße Farben tun ihr Übriges. Insgesamt stehen neun Lackierungen zur Wahl.
Im Innenraum haben die Entwickler eher renoviert als revolutioniert. Das Cockpit wirkt hochwertiger, aber die Bedienung folgt erfreulicherweise weiterhin dem Prinzip des gesunden Menschenverstands. Zwei 12,3 Zoll große Bildschirme liefern alle wichtigen Informationen, doch Kia verzichtet mit Bedacht darauf, jede Funktion in die digitale Welt der verschachtelten Untermenüs zu verbannen. Klimatisierung, Lautstärke und andere wichtige Direktzugriffe bleiben dort, wo man sie erwartet. Selbst auf einen KI gestützten Sprachassistenten verzichtet Kia.
Zukunft zieht behutsam ein
Dennoch zieht die Zukunft behutsam mit ein. Das neue Infotainment-System arbeitet schneller, die Menüführung wirkt aufgeräumter und die Konnektivität erreicht mit digitalen Fahrzeugschlüsseln, Cloud-Diensten und Over-the-Air-Funktionen das Niveau aktueller Neuentwicklungen. Gleichzeitig wurde auch bei den Fahrerassistenzsystemen nachgelegt. Autobahnassistent, Totwinkelüberwachung, Querverkehrswarner und eine verbesserte Notbremsfunktion machen den Alltag entspannter, ohne den Fahrer permanent mit akustischen Ermahnungen zu bevormunden. Klar spürt man hier und da, dass die Ergonomie schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Der Automatikhebel ragt klobig aus der Mittelkonsole, Lüftdüsen und Schalter würde man heute wohl anders anordnen.
Überhaupt ist der XCeed kein Auto für Technik-Akrobaten. Sein Motto: Keep it simple. Die erhöhte Sitzposition sorgt für einen guten Überblick, ohne dass man sich wie auf einem Hochsitz fühlt. Dazu kommen 426 Liter Kofferraumvolumen, eine variable Rückbank mit verstellbarer Neigung und genügend Platz für den Alltag zwischen Büro, Baumarkt und Wochenendausflug.
Benzinmotoren und Mildhybride
Besonders ungewöhnlich in diesen Zeiten ist allerdings das, was der XCeed nicht ist: eein elektrischer Geselle. Nicht einmal ein Plug-in-Hybrid. Der Koreaner fährt demonstrativ mit klassischen Benzinmotoren vor. Unter der Haube arbeiten weiterhin bekannte Turbo-Benziner mit 115, 150 oder 180 PS. Mildhybrid-Technik hilft teilweise beim Sparen, weil sie das Anfahren unterstützt, doch das Fahrerlebnis bleibt angenehm analog. Motor starten, Automatikhebel auf D, losfahren. Keine Reichweitenrechnerei, keine Ladeplanung, keine Diskussion darüber, wo die nächste freie und vor allem funktionsfähige Schnellladesäule ist.
Erst einmal in Fahrt bleibt der XCeed was er immer war: ein ziemlich europäisches Auto. Entwickelt in Europa, abgestimmt auf europäischen Straßen, gebaut im slowakischen Werk Žilina. Auf den ersten Kilometern hinterm Lenkrad des 180 PS starken Topmodells zeigt sich schnell, warum viele Kunden genau das weiterhin schätzen. Der XCeed bewegt sich unaufgeregt gut. Das Fahrwerk federt souverän, die Geräuschdämmung wurde verbessert und die Lenkung arbeitet präzise, ohne ständig Aufmerksamkeit einzufordern. Im Normalmodus gleitet der Crossover entspannt durch den Alltag, im Sportmodus legt er etwas mehr Nachdruck an den Tag und präsentiert sich als vernünftig gereifter Alltagsbegleiter. (SP-X)



