Jaecoo 7 SHS: Sanfter Antrieb, hartes Fahrwerk

Jaecoo 7 SHS: Sanfter Antrieb, hartes Fahrwerk
Der Jaecoo 7 SHS ist ein Plug-in-Hybrid, der sich ruhig und gleichmäßig wie ein Elektroauto fährt. © Chery

Die meiste Zeit kann man mit dem Jaecoo 7 elektrisch unterwegs sein. Zur Not und bei leerem Akku ist da aber immer noch ein Benziner.

Der chinesische Hersteller Jaecoo kommt mit einem Plan nach Deutschland: viel SUV fürs Geld. Hinter der neuen Marke steckt Chery, einer der größten Autoexporteure Chinas, der mit der Schwestermarke Omoda technisch ähnliche Fahrzeuge in dynamischerem Designstil anbietet. Der Jaecoo 7 tritt hingegen bewusst als kantig gezeichneter Abenteuer-Typ auf – wenn auch ohne Allradtechnik, denn der 4,50 Meter lange Crossover ist vor allem Stadt- und Familienauto. Und setzt dabei auch auf Nutzwert: Der Kofferraum ist für diese Klasse zwar eher knapp geschnitten (340 Liter), ist aber gut nutzbar und wächst bei umgelegter Rückbank deutlich.

Optisch wirkt der Fünfsitzer größer als er ist. Die breite Front, die klare Linie und die aufrechte Silhouette sorgen für Präsenz, innen schaffen die großen Fensterflächen ein angenehm luftiges Raumgefühl. Vorn wie hinten sitzt man bequem, die Übersicht ist besser als bei dynamisch geschnitten Wettbewerbern. Die Materialien sind einfach aber ordentlich, die Verarbeitung macht einen soliden Eindruck. Typisch chinesisch ist das Bedienkonzept: Viele Funktionen finden sich im großen Zentral-Touchscreen, physische Tasten gibt es kaum. Das wirkt aufgeräumt, verlangt aber im Alltag viel mehr Aufmerksamkeit, als einem lieb sein kann – zumal hier nicht nur Infotainment, sondern teils auch Klima- und Spiegelsteuerung ins überfüllte Bildschirm-Menü verlegt sind.

Serieller Plug-in-Hybrid

Von hinten erinnert der Jaecoo 7 an einen Range Rover. Foto: Chery

Die eigentliche Besonderheit des Jaecoo steckt im Antrieb. Das „Super-Hybrid-System“ von Chery ist kein gewöhnlicher Plug-in-Hybrid nach europäischer Machart, sondern eine serielle Variante. Das heißt, der 150 kW (204 PS) starke E-Motor übernimmt in den meisten Fahrsituationen den Vortrieb, der 1,5-Liter-Turbobenziner arbeitet bei geringem Batteriestand im Hintergrund als Generator und greift nur bei Beschleunigung oder hohem Autobahntempo direkt ein. Der Wagen zieht eher gleichmäßig und vorhersehbar als sportlich, wirkt dabei leise und unaufgeregt.

Rein elektrisch sind nach Norm bis zu 90 Kilometer möglich – was auch im Test mit entspannter Fahrt gut erreichbar war. Ist die Batterie leer, lässt sich der große Crossover bei sparsamer Fahrweise durchaus mit rund 5 Litern bewegen – ein sehr guter Wert. Das könnte dazu verleiten, nur selten nachzuladen – vor allem, da der Wechselstrom-Bordlader nur einphasig arbeitet und in Deutschland daher nur 4,6 kW leistet. Selbst die nicht allzu große 18,3-kWh-Batterie braucht so für die Vollladung rund vier Stunden. An öffentlichen Säulen rutscht man damit häufig in die Blockiergebühr. Gut, dass alternativ ein Schnellladeanschluss an Bord ist, der nominell 40 kW verträgt, in der Praxis aber meist darunterblieb.

Wichtigster Vorzug ist der Preis

Der Innenraum wirkt modern, offenbart aber Bedienschwächen. Foto: Chery

Ein größerer Schwachpunkt des China-Crossovers ist das Fahrwerk. Die Abstimmung ist spürbar straff und nicht immer feinfühlig, schlechte Straßen werden teils ruppig quittiert. Dazu passt eine Lenkung, die zwar leichtgängig, aber nicht sonderlich präzise wirkt. Und auch die Bremse dürfte mehr Gefühl bieten, gerade im Übergang zwischen Rekuperation und mechanischer Verzögerung.

Wichtigster Vorzug des Jaecoo ist neben dem Antrieb der Preis: Zum Marktstart ist der Crossover in der Variante „Select“ für 36.900 Euro zu haben. Die Ausstattung ist recht umfangreich, umfasst Zweizonen-Klimaautomatik, elektrisch verstellbare Sitze, eine ebenfalls motorisierte Heckklappe, V2L-Technik, Navigationssystem und vieles mehr. Darüber rangiert das „Exclusive“-Modell für 39.500 Euro mit Head-up-Display, Panorama-Glasdach und ein Sony-Soundsystem. Für beide Varianten gewährt der Hersteller eine lange Garantie (sieben Jahre/150.000 km fürs Fahrzeug, acht Jahre/160.000 km für E-Komponenten und Akku), die Vertrauen in die neue Marke schaffen soll. (SP-X)

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