Honda Civic e:HEV: Hält sein Effizienzversprechen

Honda Civic e:HEV: Hält sein Effizienzversprechen
Der Honda Civic e:HEV zeigt sich im Alltag sehr effizient. © Axel F. Busse

Mehr Ausstattung für weniger Geld? Das ist selten im Pkw-Sektor, vor allem dann, wenn ein Facelift wie beim Honda Civic eine Aufwertung des Modells verspricht.

Honda ist der größte Motorenhersteller der Welt. Mehr als 25 Millionen Aggregate verlassen jährlich die Werke und treiben Pkw, Motorräder, Boote, Rasenmäher und andere Fahrzeuge an.

Eine noch höhere Anzahl kann das Modell Honda Civic für sich reklamieren. Gewaltige 27 Millionen Exemplare davon gelangten seit 1972 auf die Straßen der Welt. Im zurückliegenden Herbst ist in Deutschland eine runderneuerte Version mit einem 184 PS starken Hybrid-Antrieb erschienen.

Über die Jahre mächtig gewachsen

Der Civic hat im Laufe seiner globalen Karriere eine erstaunliche Entwicklung hingelegt. Das lässt sich vor allem an den Dimensionen ablesen. Gestartet ist er in seinem Heimatland als so genanntes Kei-Car. Das sind jene vierrädrigen Mobilitätshilfen, deren Käufer dank der Längenbeschränkung auf unter 3,60 Meter beim Erwerb des Wagens keinen Parkplatz dafür nachweisen müssen.

Der Civic der heutigen elften Generation überragt dieses Limit um fast einen Meter, geht damit eigentlich schon als coupéhafte Limousine der unteren Mittelklasse durch. In Deutschland hat er allerdings gegen die SUV-artigen Modelle seiner Marke einen schwerer werdenden Stand.

Umfangreichere Grund-Ausstattung

Der Innenraum des Honda Civic ist klassisch gestaltet. Foto: Axel F. Busse

Vielleicht ändert sich das im Verlauf dieses Jahres, denn das Modell geht mit allerlei Designüberarbeitungen an Interieur und Exterieur sowie einer erweiterten Serienausstattung in den Wettbewerb. Dabei wurde auf die stärkere Akzentuierung der Fahrzeugfront Wert gelegt und der neu gestaltete Kühlergrill ist nunmehr schwarz umrandet. Neue Verkleidungen am Bug und den vorderen Scheinwerfern sollen für eine höherwertige und sportlichere Optik sorgen. Die klarere Struktur wird durch den Wegfall der Nebelscheinwerfer untermauert, der Spoiler am unteren Teil des Stoßfängers ist nun in Wagenfarbe lackiert.

Ein schwarzer Dachhimmel ist in der Kabine künftig obligatorisch. Alle Ausstattungslinien der Neuwagen verfügen ab sofort über einen automatisch abblendenden Innenspiegel, der bislang nur in höheren Ausführungen enthalten war, ab der Variante „Elegance“ ist eine kabellose Ladeschale für Smartphones inklusive. Beim Civic in der „Sport“-Variante sind ein neues beheiztes Lenkrad sowie ein 10,2 Zoll großes digitales Kombi-Instrument an Bord. Die Top-Ausführung „Advance“ glänzt zudem mit einer Ambiente- und Fußraumbeleuchtung. Überraschend: Obwohl der Umfang der Serien-Ausstattung wuchs, wurde der Preis um rund 1600 Euro verringert. Einstieg ist ab 37.900 Euro möglich.

Elektro-Schub fürs Vorankommen

Die Platzverhältnisse in der Kabine sind recht ordentlich, vorn haben die Passagiere zwischen den Türverkleidungen 1,47 Meter Platz, für die in der zweiten Reihe gibt es noch 1,44 Meter. Allerdings hält der sehr flach bauende Viertürer (Karosseriehöhe 1,41 Meter) für Menschen vorgerückten Alters eine Herausforderung bereit. Selbst in der Maximal-Einstellung befindet sich das Polster des Fahrersitzes nur 40 Zentimeter über den Asphalt. Ein- und Aussteigen geht in den Honda-SUVs wesentlich bequemer. Das Kofferraumvolumen beträgt 410 – 1220 Liter und die Ladekante ist mit 64 Zentimeter angenehm niedrig.

Es überrascht nicht, dass ein renommierter Motorenhersteller beim Hybrid-Antrieb selbstbewusst seinen eigenen Weg geht. Bereits in vielen Modellen verfügbar und somit auch im neuen Civic kommt das so genannte e:HEV-System zum Einsatz. Dabei ist ein zwei Liter großer Benzin-Direkteinspritzer nur mittelbar fürs Vorankommen zuständig. Primär soll er über einen Generator die Batterie laden. Vorteil: Unabhängig von der Fahrsituation kann er in einem optimalen Drehzahlbereich und so maximal effizient laufen. Das erklärt auch die Leistungsangabe für den Wagen. 135 kW oder 184 PS stellt der Elektromotor zur Verfügung, die 143 PS des Verbrenners tauchen in dieser Rechnung gar nicht auf.

Ungewohnte Begleitmelodien

Der Honda Civic hat eine abfallende Dachlinie. Foto: Axel F. Busse

Laut Hersteller ist das Rekuperations-System beim Bremsen in der Lage, bis zu 75 Prozent der eingesetzten elektrischen Beschleunigungs-Energie zurückzugewinnen und der Batterie zuzuleiten. Das komplexe Zusammenspiel der Aggregate kann allerdings auch dazu führen, dass bei geringem Ladezustand des Akkus und geringem Tempo der Verbrennungsmotor aktiviert wird, um die Batterie nachzuladen. In diesem Fall macht sich der Benziner akustisch mehr bemerkbar, als er es aufgrund der geforderten Geschwindigkeit eigentlich müsste.

Ein Stück weit muss man sich also von der vertrauten Begleitmelodie des herkömmlichen Autofahrens verabschieden und die Elektronik einfach machen lassen. Das gilt auch für extreme Beschleunigungsphasen, zum Beispiel beim Überholen auf der Landstraße. Zwar spricht der Verbrenner spontan und unmittelbar an, es vergeht aber auch die eine oder andere Sekunde, bis die wahrgenommene Geschwindigkeit der hörbaren Motordrehzahl entspricht.

Werden die 184 PS schlagartig abgerufen, kommt ein Spurtvermögen von unter acht Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h heraus. Die Spitzen-Geschwindigkeit ist auf 180 km/h begrenzt. Hondas Effizienz-Versprechen kann nach diesem Test als eingelöst gelten: 5,4 Liter/100 km standen am Ende des 14-Tage-Zyklus auf der Uhr. Das sind nur 400 ml mehr als nach offiziellem WLTP-Wert.

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Axel F. Busse
Axel F. Busse ist gelernter Redakteur, sein kommunikations-wissenschaftliches Studium absolvierte er an der FU Berlin. Nach Tätigkeiten bei Tageszeitungen, wo er sich mit Auto- und Verkehrsthemen beschäftigte, arbeitet er seit 2003 als freier Autor ausschließlich in diesem Bereich. Außer für die Autogazette schreibt er für verschiedene Online- und Printmedien.

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