Ford: Auch im E-Transporter gibt’s jetzt Allrad

Ford: Auch im E-Transporter gibt’s jetzt Allrad
Ford rüstet den Elektro-Transit Custom mit Allrad-Technik aus. © Ford

Über einen E-Motor vorne erweitert Ford die E-Modelle von Transit und Tourneo um eine 4×4-Version. Das bedeutet Traktion und Stabilität.

Ford bietet den Elektro-Transporter E-Transit Custom nun auch in einer Allrad-Variante an. Bei dem AWD-Modell kommt zusätzlich zum bekannten E-Motor an der Hinterachse eine elektrische Maschine an der Vorderachse zum Einsatz. Neben dem Kastenwagen gibt es den Antrieb auch für weitere Aufbauten – vom Kombi bis zur Doppelkabine – und zudem für die Van-Personenvariante E-Tourneo Custom. Die Nettopreise starten bei 54.800 Euro.

Der technische Kniff: Anders als bei klassischen Allradsystemen gibt es keine Kardanwelle und keine starre mechanische Verbindung zwischen den Achsen. Vorder- und Hinterachse werden jeweils von ihrem eigenen E-Antrieb bedient, die Steuerung koordiniert beide Einheiten abhängig von Lenkeinschlag, Fahrpedalstellung und vor allem der verfügbaren Haftung. Der Schlupf an den Rädern wird bis zu 50-mal pro Sekunde überwacht. Grundlage ist dabei nicht nur die Kraftverteilung, sondern bei Bedarf auch gezielter Bremseingriff an einzelnen Rädern.

Spezielle Fahrprogramme

In Kurven lässt sich mit dem Allradantrieb das Unter- oder Übersteuern eindämmen. Foto: Ford

Die beiden E-Motoren bieten je nach Ausführung drei Leistungsstufen: 100 kW (136 PS), 160 kW (218 PS) oder bis zu 210 kW (285 PS). Beim Drehmoment nennt Ford für die stärkste Variante bis zu 630 Newtonmeter. Wer den Transit Custom als Zugfahrzeug nutzen will, kann bis zu 2.300 Kilogramm Last anhängen, die Nutzlast liegt bei bis zu 914 Kilogramm.

Gerade am Berg ist das neue System spürbar: Statt hektischer Schlupfphasen bleibt der Transit kontrolliert in Bewegung, und selbst auf spiegelglatten Passagen kommt er noch stabil voran. Dass E-Antriebe ihr Drehmoment sehr linear und ohne Schaltvorgänge liefern, spielt dem Konzept in die Karten – das Auto bleibt auch bei niedrigen Geschwindigkeiten gut beherrschbar. Ford hat außerdem spezielle Fahrprogramme vorgesehen.

Beide Achsen rekuperieren

Dabei zielt der zusätzliche Antrieb nicht nur auf Traktion. Durch die flexible Verteilung zwischen Vorder- und Hinterachse kann das System auch das Eigenlenkverhalten beeinflussen: In Kurven lässt sich das Unter- oder Übersteuern eindämmen, weil die Antriebsmomente nicht starr an einer Achse hängen. Im Lieferalltag, wo ein Transporter oft mit wechselnder Beladung unterwegs ist, kann das mehr Stabilität bedeuten – gerade bei Regen oder auf winterlichen Straßen.

Auch beim Thema Effizienz nennt Ford einen Nebeneffekt, der im Stop-and-go-Betrieb relevant sein kann: Weil beim Verzögern nun beide Achsen rekuperieren können, steht mehr Bremsenergierückgewinnung zur Verfügung als beim reinen Heckantrieb. Das kann auf typischen Zustelltouren – viel anhalten, viel anfahren – helfen Energie zu sparen und die Reichweite zu stützen.

Bis zu 373 Kilometer Reichweite

Parallel zur Erneuerung des Antriebs hat Ford die Eckdaten rund um Batterie und Laden im Vergleich zu den bisherigen E-Modellen nachgeschärft. Die nutzbare Kapazität steigt laut Hersteller auf 70 kWh (zuvor 64 kWh). Für die Reichweite nennt Ford bis zu 373 Kilometer beim heckgetriebenen E-Transit Custom, mit Allradantrieb bis zu 342 Kilometer. In der Praxis werden diese Zahlen – wie bei Transportern üblich – stark von Temperatur, Beladung, Tempo und Streckenprofil abhängen. Trotzdem ist das Plus im Datenblatt wichtig, weil es den Spielraum zwischen zwei Ladevorgängen vergrößert. Beim Schnellladen bleibt der E-Transporter bei 125 kW. Dank neuer Software sollen sich rund 114 Kilometer zusätzliche Reichweite an einem passenden HPC-Lader in zehn Minuten nachladen lassen.

Obendrein stechen Extras heraus, die in Nutzfahrzeugen noch immer nicht selbstverständlich sind. Dazu gehören die elektronischen Rückspiegel. Sie ersetzen zwar nicht jede Gewohnheit aus dem klassischen Spiegelblick, wirken aber gerade im dichten Verkehr und bei schlechter Sicht verblüffend hilfreich: Der Blick nach hinten wird auf Displays sauber dargestellt, und neben dem digitalen Innenspiegel liefern auch die Außenspiegelkameras ein sehr klares Bild. Das reduziert tote Winkel spürbar – zumal das System im Verbund mit den üblichen Warnfunktionen vor herannahenden Fahrzeugen arbeitet. (SP-X)

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