Aston Martin DBX 707: Britisch dezente Retusche

Aston Martin DBX 707: Britisch dezente Retusche
Nach vier Jahren Laufzeit hat Aston Martin sein SUV DBX 707 überarbeitet. © Aston Martin

Sehr zurückhaltend hat Aston Martin sein SUV DBX 707 überarbeitet. Man will die betuchte Edel-Kundschaft ja nicht vor den Kopf stoßen.

Bei der Transformation auf unseren Straßen hält sich der Geld-Adel vornehm zurück, könnte man glauben. Denn während sich E-Autos verzweifelt um Akzeptanz und Absatz mühen, geht es vielen Luxus-Marken prächtig. Auch, weil ihre Modelle weiterhin zumeist Sprit verbrennen. Aston Martin ist hier ein gutes Beispiel. In Europa stiegen die Verkäufe der britischen Edel-Schmiede im letzten Jahr um 38 Prozent, der SUV-Absatz sogar um 50 Prozent. Elektrifizierte Modelle sind zwar angekündigt, aber noch nicht verfügbar. Die betuchte Kundschaft pflegt traditionell ein inniges Verhältnis zu potenten Benzinern.

Die wesentliche Transformation, die wir also Aston Martin attestieren können, ist die von einer Sportwagen- zu einer SUV-Marke. Über die Hälfte aller Kunden bestellen mittlerweile das Super-SUV DBX. Davon greifen wiederum fast 90 Prozent zum mindestens 250.000 Euro teuren Topmodell DBX 707. Was nun zur Folge hat, dass Aston Martin den Einstiegs-DBX V8 ganz humorlos aus dem Programm streicht. Basis will ja (fast) keiner mehr.

Britisches Understatement

In Europa stieg der SUV-Absatz der Nobelmarke im vergangenen Jahr um 50 Prozent. Foto: Aston Martin

Da man in Gaydon Veränderungen gegenüber aber nicht gänzlich abgeneigt ist, erhält das beste Pferd im Stall jetzt ein Make-up. Dabei ist britisches Understatement angesagt. Außen gleicht das Facelift eher dem Nachziehen eines Lidschattens. Die Türgriffe springen jetzt beim Öffnen hervor, es gibt ein anderes Spiegeldesign, fünf frische Lackfarben sowie überarbeitete Räder. Das war`s. So wird kein Besitzer eines älteren DBX düpiert.

Der DBX 707 trägt seinen neuen Pelz nach innen. Hier hat das Luxus-Label deutlich mehr Arbeit und Geld für neue Ansichten investiert. Ausgeschlagen mit feinstem Leder, gerne Ton in Ton, wurde in der Luxuslounge so ziemlich alles einmal angefasst und neu tapeziert. Wir sehen neue Furnierblenden in den Vordertüren, aktualisierte Formen und Materialien.

Komplett neues Infotainment-System

Da Aston-Kunden zumeist selbst ins Lenkrad greifen, präsentiert sich der Arbeitsplatz moderner. Foto: Aston Martin

Da Aston-Kunden zumeist selbst ins Lenkrad greifen, präsentiert sich vor allem der Arbeitsplatz moderner. Die angestaubten runden Formen weichen diagonalen Linien, was deutlich zeitgemäßer aussieht. Die wichtigste News aber betrifft das komplett neue Infotainment-System, das nach und nach in alle Modelle einziehen wird. Bislang saß hier ein antiquierter Media-Kasten, den die Briten einst von Mercedes erbten. Das neue System wurde komplett im Haus entwickelt, mit Unterstützung vom Formel-1-Team, das vor allem seine Expertise in Sachen Software einbrachten. Apple CarPlay und Android Auto lassen sich kabellos einbinden. Das Tempo ist dann auch flott, Befehle werden ruckzuck umgesetzt.

Bei der Bedienung indes verfehlen die Briten die Pole Position. Wer während der Fahrt die Kacheln auf dem Touchscreen zielgenau treffen will, muss sich schon sehr konzentrieren. Das Display ist nur 10,25 Zoll groß und die Bedienfelder sind reichlich klein. Funktionen wie Klima, ESP, Spurhalter oder die Fahrmodi lassen sich alternativ weiter über Drehwalzen und Tasten in der Mittelkonsole regeln. Auch die famose 1.600-Watt-Surroundanlage von Bowers & Wilkens mit 14 Lautsprechern (optional, Serie 800 Watt) steuert man von hier. Wohl selten wurde der Begriff Klangkörper exklusiver verpackt.

Motor und Auspuff von AMG

Im Berdarfsfall besteht der DBX 707 auch neben der Spur. Foto: Aston Martin

Den Sound eines blubbernden V8 kann die Anlage natürlich nicht ersetzen. Der kommt noch immer aus den vier Trompeten am Heck und lässt sich in drei Stufen noch böser einstellen. Die Urheberrechte liegen bei AMG. Aus Affalterbach bezieht Aston Martin weiterhin den Vier-Liter-Biturbo. Mit viel Erfahrung und höherem Ladedruck treibt Aston Martin die Leistung auf 707 PS und 900 Newtonmeter Drehmoment. Der Ex-AMG-Boss und aktuelle Aston-Chef Tobias Moers war am Gelingen dieser Transplantation die treibende Kraft. Der V8 und die Neun-Gang-Automatik sind so eingespielt und abschlussfreudig wie das Team von Man City. Und bei der Performance muss der Aston im elitären Club der Super-Luxus-SUVs eigentlich nur den Lamborghini Urus (666 PS) oder den Ferrari Purosangue (725 PS) fürchten.

Viel sportlicher und schneller als im DBX 707 lässt es sich im ersten Stock kaum fahren. Im Sport-Plus-Modus schickt das Allradsystem komplett 100 Prozent der Power an die Hinterachse, der Spurt auf Tempo 100 ist nach 3,3 Sekunden erledigt, die Spitze liegt bei absurden 310 km/h. Solche Ausflüge ins Extreme absolviert der über 5 Meter lange und 2,3 Tonnen schwere Hochsitz mit einer Leichtfüßigkeit und Souveränität, die gängige Fahrphysik komplett aushebeln. Und wenn nicht gerade die riesigen 23-Zöller montiert sind, ist sogar der Komfort so piekfein, wie die noble Herkunft des Autos. (SP-X)

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