DS N°8: Komfortabel auf Reisen

DS N°8: Komfortabel auf Reisen
Der DS N°8 ist das neue Elektroflaggschiff der Franzosen. © DS

Der DS N°8 ist das neue Elektroflaggschiff der Franzosen. Es soll der Marke auch auf dem hart umkämpften deutschen Premiummarkt neue Kundinnen und Kunden bringen. Kann das gelingen?

An Selbstbewusstsein mangelt es dem französischem Autobauer DS nicht. Die Marke sieht sich auf Augenhöhe mit BMW, Mercedes oder Audi. Wie bitte? Der Absatz spricht hier eine klare Sprache – doch die fällt zu Gunsten der deutschen Premium-Konkurrenz aus.

Schaut man auf die Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA), wurden in den ersten sieben Monaten des Jahres gerade einmal 1950 Fahrzeuge (+3,2 Prozent) von DS neu zugelassen. BMW kam im Vergleich dazu auf über 143.000 Fahrzeuge. Das sind Welten.

DS sieht sich im Aufwind

Doch um die reinen Absatzzahlen geht es der Marke nach eigenen Worten nicht. Sie sieht sich auf dem hart umkämpften deutschen Premiummarkt auf dem richtigen Weg, verweist auf sein deutliches Wachstum. In 2024 konnte man seine Zulassungen mit 3587 Fahrzeugen um über 50 Prozent steigern. Die Richtung stimme, so eine Sprecherin. Und so soll es weitergehen.

Der DS N°8 iim Vergleich zur Konkurrenz mit Blick auf Reichweite und Preis. Foto: Mertens

Nun will DS der Kundschaft, gerade in Deutschland, mit seinem neuen Flaggschiff DS N°8 zeigen, dass man sich bei der Fahrzeugwahl im Premiumsegment nicht immer nur für ein deutsches Produkt entscheiden muss. Mit Blick auf Preis und Reichweite sieht man sich mit Blick auf BMW und Co. nicht nur auf Augenhöhe, sondern voraus. So bietet der DS für 63.200 Euro als Long Range-Variante mit 750 Kilometer Reichweite das deutlich bessere „Preis-Reichweiten“-Ergebnis, wie DS auf einem präsentierten Chart vermittelt. Konkurrenzmodelle wie das Tesla Model Y, der Audi Q4 e-tron oder der BMW i4 seien hier schlechter unterwegs.

Schneller am Ziel

Der DS N°8 ließ die Konkurrenz hinter sich bei der Fahrt von Paris nach Bologna. Foto: Mertens

Ob das allein die Kundschaft überzeugt? Wohl kaum. Und so liefert DS-Produktmanager Sylvain Champomier gleich noch ein weiteres Chart hinterher, auf dem zu sehen ist, dass der DS N°8 die Strecke von Paris nach Bologna in kürzerer Zeit und weniger Ladestopps zurücklegt als die Konkurrenz von Tesla, Audi, BMW oder Polestar

Das ist die Papierform, wie verhält sich das neue E-Flaggschiff von DS in der Praxis? Dafür waren wir mit ihm auf den kurvigen Strecken im Rheingau unterwegs. Für unsere Testfahrt haben wir uns die Long Range-Variante mit Allrad (ab 68.100 Euro) ausgesucht. In dieser Variante ist das E-Flaggschiff der Franzosen – es dient neuerdings Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron als Dienstwagen – mit einer Leistung von 350 PS unterwegs. Die Batterie (97,2 kWh netto) ermöglicht in der Ausstattungsvariante Etoilé eine Reichweite von bis zu 664 Kilometer. Das entspricht einem WLTP-Verbrauch von 17,4 kWh/100 km.

Sportlichkeit nicht im Fokus

Der DS N°8 verfügt über ein X-Lenkrad. Es liegt gut in der Hand und ist funktional gestaltet. Foto: DS

Hört sich gut – und fühlt sich auch gut an, vor allem dann, wenn man auf Komfort aus ist und ein E-Auto nicht als Sportwagen nutzen will. „Sportlichkeit stand bei der Entwicklung des DS N°8 nicht im Vordergrund“, beugt Champomier möglicher Kritik vor. Die Franzosen haben alle Konzentration darauf gelegt, ihr 4,82 Meter langes Flaggschiff (Breite 1,90 Meter, Höhe 1,58 Meter) so komfortabel und insbesondere effizient wie möglich zu entwickeln. Dazu hat man viel Arbeit in eine gute Aerodynamik gelegt. Sie sorgt nicht nur für bessere Verbrauchswerte, sondern im Zusammenspiel mit anderen Maßnahmen auch eine bessere Aeroakustik.

Bleiben wir zunächst beim Luftwiderstand: der DS N°8 kommt auf einen cW-Wert von 0,24. Erreicht wurde dieser Wert durch ein Maßnahmenpaket aus beispielsweise zu schließenden Kühlerlippen; im geschlossenen Zustand sorgen sie für ein Reichweitenplus im WLTP-Zyklus von 18 Kilometer. Der Heckspoiler steuert 12 Kilometer bei, um nur zwei Maßnahmen zu nennen.

Viel Aufwand haben die Entwickler bei der Aeroakustik getrieben, die den Fahrkomfort nachhaltig steigern soll. Dazu wurde nicht nur der Motorraum stark gedämmt, sondern es wurden hinten und vorn dickere Fensterscheiben verbaut. An A- und B-Säule wurde zugleich absorbierendes Material verwandt. Diese Anstrengungen merkt man insbesondere auf der Autobahn, wo die Innenraumgeräusche angenehm moderat ausfallen. Selbst bei höherem Tempo kann man sich in diesem Stromer gut unterhalten, ohne die Stimme heben zu müssen.

Fahrwerk passt sich vorausschauend Straße an

Aerodyanmisch gestaltet: das Heck des DS N°8. Foto: DS

Zu dem Hörkomfort gesellt sich ein ausgesprochen gutes Fahrwerk. Es ist zwar durchaus straff, bietet aber ausreichend Federungskomfort, sodass auch schlechte Straßenverhältnisse keine Probleme bereiten. Das Fahrwerk stellt sich dank Scan Suspension auf die Fahrbahnverhältnisse ein. Das geschieht dadurch, dass Kameras und Sensoren bis zu fünf Metern voraus die Straße abtasten und die Dämpfer darauf in Millisekunden einstellen.

Und die Fahrleistungen? Die sind gut, wenngleich der DS – siehe oben – nicht für die sportliche Fahrweise konzipiert wurde. Tritt man selbst im Sportmodus das Pedal vehement durch, beschleunigt man zwar flott, aber in die Sitze wird man dann nicht gedrückt. Das dürften die Kunden eines solchen Fahrzeuges aber auch nicht erwarten. Aber auch ohne einen solchen Kick kommt man im neuen DS-Modell schnell auf Touren: der Sprint von 0 auf 100 km/h erfolgt in 5,4 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit wird bei völlig ausreichenden 190 km/h (elektronisch abgeregelt) erreicht.

Effiziente Verbrauchswerte

Wer indes so schnell unterwegs ist, der wird auch nicht ansatzweise an die Reichweite von 664 Kilometer unseres Testwagen kratzen. Dafür muss man es schon langsamer angehen lassen. Laut WLTP wird ein Verbrauch von 17,4 kWh/100 km in Aussicht gestellt. Ein bereits guter Wert, den wir bei unseren Testfahrten indes mit 15,9 kWh noch unterboten haben. Damit sind wir bei der Ladegeschwindigkeit. Sie liegt bei 160 kW. Da bieten andere mehr, das weiß auch Champomier. Doch er verweist auf eine ziemlich stabile Ladekurve, „die wichtiger als die Peakleistung“ sei. So sollen weniger als 30 Minuten vergehen, um den Akku von 20 auf 80 Prozent zu laden.

Der neue DS verfügt über einen Nackenwärmer. Foto: DS

Damit auch im Winter der Verbrauch nicht in die Höhe schnellt, hat man dem DS neben der obligatorischen Sitz- und Lenkradheizung auch einen Nackenwärmer mit auf den Weg gegeben, sodass man das Fahrzeuginnere auch nur dort wärmt, wo es auch wirklich nötig ist. Der Innenraum – der Liebe zum Detail erkennen lässt – muss sich im Vergleich mit der deutschen Konkurrenz nicht verstecken. Die Verarbeitung ist tadellos, die Bedienung erfolgt intuitiv. So wie die Insassen sich im Flaggschiff der Franzosen nicht über zu wenig Platz beklagen müssen, brauchen sie das auch nicht mit Blick auf das Kofferraumvolumen: es liegt bei 620 Litern (Long Range AWD 581 Liter. Das reicht für den Familienausflug.

Wer Lust hat, einen DS N°8 zu fahren, der muss dafür mindestens 57.700 Euro bezahlen. Dafür erhält man den Frontriebler mit 230 PS Leistung und einer Batteriegröße von 73,4 kWh (Reichweite 550 Kilometer). Nun bleibt abzuwarten, wie die Kundinnen und Kunden auf das neue Flaggschiff der Franzosen reagieren – und vielleicht statt eines BMW, Mercedes oder Audis lieber zu einem DS N°8 greifen.

Keine Beiträge vorhanden