Cupra heißt der Ort, wo Kupfer fast zu Gold wird: Die spanische Marke hat Absatz des Seat-Konzerns in Deutschland deutlich gesteigert. Unter anderem mit E-Autos wie dem SUV-Coupé Tavascan.
Jünger, sportlicher, teurer – das alles sollte Seat einmal werden, als der damalige VW-Lenker Ferdinand Piëch den Autobauer in seinen Konzern integrierte. Eine Art iberischer Gegenentwurf zu Alfa Romeo aus Italien schwebte ihm vor. Cupra und das dazugehörige kupferfarbene Logo setzen diese Vision heute um.
Als „Cup Racer“, rennsport-taugliche Seat-Fahrzeuge, sind sie 1971 gestartet und an dem dynamischen Anspruch lässt das neueste Erzeugnis, das Modell Tavascan, keinen Zweifel aufkommen. Zumindest optisch.
Klare Kante auf 4,64 Meter Länge
Der 4,64 Meter lange Wagen zeigt klare Kante. Und Winkel, Sicken, reliefartige Flächen. Das extravagante Styling hebt ihn heraus aus der Masse abgeflachter SUV, die es im Mutterkonzern auch bei Audi, Škoda oder Volkswagen gibt. In unserem Praxistest kam die Version mit dem Zusatzkürzel VZ zum Einsatz, die über zwei Elektromotoren, Allradantrieb und 250 kW Leistung (340 PS) verfügt. 21 Zoll große Felgen (Basisausstattung 19 Zoll) sorgen für einen breitbeinigen Auftritt und nicht nur außen, sondern auch in der Kabine ist eine inflationäre Anhäufung des Marken-Emblems wahrzunehmen, das an ein Brandzeichen nordamerikanischer Rinderzüchter erinnert.
Aber nicht westlicher Natur ist seine Herkunft, sondern am gegenüberliegenden Ende der Windrose hat der Tavascan seinen Ursprung. Er wird in China gefertigt, weshalb man sich gut vorstellen kann, dass sein Preis von mindestens 57.910 Euro einen ordentlichen „Deckungsbeitrag“ zum Seat-Ergebnis leistet. Auch bei der Cockpitgestaltung haben die Designer ganz schön dick aufgetragen. Die große, kupferfarbene Spange, die sich über die ganze Breite des Armaturenbretts dehnt, sieht sehr edel aus, sorgt aber für störende Reflektionen in den Außenspiegeln. An den Sitzen prangt das Logo, die Mini-Ausgaben an den Türverkleidungen sind sogar von innen her beleuchtet.
Solide Grundausstattung
Was aber bietet der Fünftürer mehr als schönen Schein? Zunächst eine solide Grundausstattung, die unter anderem LED-Scheinwerfer, Klimaautomatik, Abstands-Tempomat, Sportschalensitze, Infotainment-System mit 15-Zoll-Bildschirm, Rückfahrkamera sowie Spurhalte- und Spurwechsel-Assistent umfasst. Die VZ-Variante bringt noch eine adaptive Fahrwerksregelung mit und wer bereit ist, ein „Extreme Pack“ für 7165 Euro extra zu bestellen, bekommt noch Lederpolster, Head-Up-Display, Panorama-Glasdach, Schaltwippen zur Rekuperations-Einstellung, Sennheiser-Soundsystem mit 475 Watt Leistung und weitere Annehmlichkeiten obendrauf.
Ein Startknopf ist zwar vorhanden, wird aber nicht gebraucht, da die Belegungserkennung im Fahrersitz die Betriebsbereitschaft herstellt. Die Kabine ist für ein Auto mit sportlichen Ambitionen noch recht geräumig geschnitten, an Bein- und Kopffreiheit hinten mangelt es nicht. In der ersten Reihe haben die Insassen eine Breite von 1,48 Metern für sich, in der zweiten sind es noch 1,42m. Aufgrund der stark abfallenden Dachlinie und der sehr schrägen Heckscheibe ist die Sicht auf den nachfolgenden Verkehr eingeschränkt, die hinteren Kopfstützen sind nicht abklappbar. Die Ladekante an der elektrischen Heckklappe ist 72 cm niedrig und das Gepäckfach hat 540 Liter Volumen.
Eigenheiten der Bedienung
Ein bisschen Gewöhnungszeit braucht es schon, bis einem die Eigenheiten der Bedienung nicht mehr auffallen. Da ist etwa der schlecht sichtbare Lenkstockhebel für die Fahrtrichtungswahl und auch die sogenannten Slider für Lautstärke oder Temperatur-Einstellung sind nicht der Weisheit letzter Schluss. Sie sind deutlich unpräziser als etwa Drehknöpfe oder Tipptasten.
Nicht nur das Anzeigedesign des Head-Up-Displays ist ungewöhnlich, es lässt sich auch der Farbhintergrund für eine Fahrt in schneebedeckter Umgebung einstellen. Was am Ladesystem und seiner Steuerung auf Anhieb gefällt, ist die Vorausberechnung der zusätzlichen Reichweite beim Ladevorgang. Im Display lässt sich ablesen, wie viele weitere Kilometer in wieviel Minuten am Stecker hinzugewonnen werden können.
Unter 20 kWh sind möglich
Am Schnelllader mit einer durchschnittlichen Leistung von 70 kW wurden so 60 Kilometer mehr binnen zehn Minuten protokolliert. Wenn die Säule nur zehn kW abgibt, dauern 60 Kilometer etwa eine Stunde. Für den zu 100 Prozent geladenen 82-kWh-Akku errechnete das Bordsystem 450 km Reichweite. Unter Ideal-Bedingungen soll der Tavascan laut Hersteller zwischen 17,1 und 18,5 kWh/100 km verbrauchen. Laut Logbuch des Testwagens waren es 22,7 kWh auf einer Gesamtstrecke von 3239 km. Bei überwiegender Kurzstrecke kann man ihn aber ohne Anstrengung deutlich unter 20 kWh fahren, denn das Rekuperieren klappt prächtig.
Maximale Ladeleistung und Endgeschwindigkeit wünschte man sich genauso dynamisch wie das Erscheinungsbild des Autos. Die maximal verträglichen 135 kW gehören nicht zu den Spitzenwerten seiner Klasse. Auch Konzern-Geschwister unter dem Volkswagen-Dach können das zum Teil besser. Bei 180 km/h wird der Vortrieb abgeregelt, was durchaus in Ordnung ist, will man die Anzahl der Ladestopps auf längeren Fahrten überschaubar halten.
Unterwegs bot der Tavascan eine ausgewogene Mischung aus Komfort und Sportlichkeit.
Die adaptive Fahrwerks-Einstellung bietet eine spürbare Spreizung, was bei solchen Systemen nicht immer der Fall ist. Geräusch-Dämmung und Lenkpräzision machen Freude. Auch wenn’s mal etwas flotter zur Sache geht, ist der Wagen entspannt manövrierbar, die stattlichen 2280 Kilogramm Leermasse fallen buchstäblich kaum ins Gewicht.

