Auto-Produktion: Masse aus dem Reich der Mitte

Auto-Produktion: Masse aus dem Reich der Mitte
VW ist seit Jahrzehnten stark in China präsent. © Volkswagen

In China gelten Joint-Ventures als eigene Herstellung. Das verschiebt die Reihenfolge der Autobauer in den Statistiken massiv.

Das Ranking der größten Autohersteller der Welt ist hierzulande in der Regel aus westlicher Perspektive errechnet. Aus chinesischer Sicht sieht die Liste schon ab Platz zwei abwärts deutlich anders aus. Denn während hierzulande die Statistiker die Produkte der zahlreichen Joint-Venture-Unternehmen den westlichen Partnern zuschlagen, zählen die Chinesen sie für sich selbst. Das Beratungsunternehmen Inovev hat nun ein entsprechendes Ranking berechnet.


Größter Autohersteller 2021 war demnach aus beiden Perspektiven Toyota, auch wenn die Japaner aus China-Sicht nicht auf knapp 10 Millionen, sondern nur auf rund 9 Millionen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge kamen. Auf den nächsten vier Plätzen folgen Renault-Nissan, Hyundai-Kia, Stellantis und schließlich Volkswagen. In westlicher Perspektive sind die Wolfsburger die weltweit klare Nummer zwei, weil der Konzern aber Millionen Autos in China bauen lässt, fällt er weit zurück. Dafür folgen direkt hinter ihm seine beiden Joint-Venture-Partner SAIC und FAW mit gut 5 Millionen (davon 4,12 Millionen in Joint Ventures) und knapp 4 Millionen Autos (davon 3,69 Millionen in Joint Ventures), darunter auch Modelle mit VW-Logo. Im klassischen Ranking landen die beiden Staatskonzerne nicht einmal unter den Top 15.

Auf Rang zehn der größten Hersteller weltweit landet mit 3,3 Millionen Fahrzeugen Dongfeng; der Konzern produziert unter anderem für Nissan, Kia, Honda, Peugeot, Citroen und Dacia. Nach klassischer Zählweise käme er erst auf Rang 17. Größter unabhängiger Autohersteller Chinas, der ohne Joint-Ventures auskommt, ist Geely. Im klassischen Ranking liegt die Volvo-Mutter auf Rang 12, im chinesischen auf Rang 13.

Das ausgeprägte Joint-Venture-Phänomen in China hat politische Gründe. Westliche Autohersteller, die ihre Fahrzeuge im Reich der Mitte verkaufen wollten, mussten vor Ort Werke bauen und sie gemeinsam mit chinesischen Unternehmen betreiben. Die Regierung erhoffte sich dadurch nicht zu Unrecht einen anhaltenden Technologietransfer, den die heimischen Unternehmen für ihre eigene Entwicklung nutzen können. VW ließ sich als erster westlicher Hersteller konsequent darauf ein, was mit jahrzehntelanger Marktführerschaft und Millionenabsätzen belohnt wurde. (SP-X)

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