Chery vor Deutschlandstart: Das sind die Pläne

100 Händler bis Ende 2027

Chery vor Deutschlandstart: Das sind die Pläne
Chery startet 2027 mit vier SUVs der Tiggo-Familie in Deutschland. Ein E-Modell ist nicht darunter. © Chery/Harald Dawo

Mit Chery kommt im kommenden Jahr der nächste chinesische Hersteller nach Europa. Was die Marke plant, darüber sprachen wir mit Deutschlandchef Patrick Reimers.

Chery? Kennen Sie nicht? Das wird sich ändern. Denn der chinesische Hersteller bereitet derzeit seinen Marktstart in Deutschland vor. Geplant ist der Markteintritt ab dem kommenden Jahr. Im Laufe des Jahres 2027 wird Chery vier Modelle der Tiggo-Familie einführen.

Welches Modell zuerst kommt, ist noch nicht ganz klar. Derzeit deutet jedoch alles darauf hin, dass es das Einstiegsmodell sein wird: der Tiggo 4. Das SUV ist 4,32 Meter lang und bietet Platz für fünf Personen. Derzeit wird das Modell bereits in Polen angeboten; dort ist es mit einem 1,5-Liter-Benziner und einem Elektromotor unterwegs – und bringt es auf eine Leistung von 163 PS. Zum Marktstart in Deutschland wird der Vollhybrid indes einen Turbo und mehr Leistung (225 PS) erhalten. Der Preis für das Einstiegs-SUV der Chinesen soll sich im Bereich von 22.000 bis 25.000 Euro bewegen.

Topmodell ist der Tiggo 9

Darüber rangieren der 4,55 Meter lange Tiggo 7 (HEV/PHEV), der Tiggo 8 und das Topmodell Tiggo 9. Er ist ebenfalls ein Plug-in-Hybrid, dessen Reichweite mit der großen 34-kWh-Batterie bei 144 Kilometern liegt und der an einem Schnelllader mit bis zu 70 kW geladen werden kann. Sein Preis: 49.000 Euro.

Doch warum braucht es neben den in Deutschland gerade erst eingeführten Chery-Töchtern Omoda und Jaecoo nun auch noch die Kernmarke in Deutschland? Weil man unter anderem in einem anderen Preissegment unterwegs ist und mit seinem Design auch andere Zielgruppen anspricht, sagt Eric Zheng, CEO von Chery Auto Deutschland. Eine Kannibalisierung zwischen den Töchtern und der Mutter erwartet der Manager nicht.

Vertrauen in Marke schaffen

Eric Zheng ist CEO von Chery Auto Deutschland. Foto: Chery/Harald Dawo

Für ihn geht es im ersten Jahr vor allem darum, die Marke Chery in Deutschland bekannt zu machen, der Absatz ist dabei nicht relevant. Vor allem geht es aber darum, Vertrauen in die Marke zu schaffen, die in Deutschland nur Insidern bekannt sein dürfte. Dabei gehört die 1997 gegründete Marke Chery zu den drittgrößten chinesischen Herstellern hinter Geely und BYD. Zur Steigerung der Bekanntheit hat Chery unlängst den polnischen Nationalspieler Robert Lewandowski als globalen Markenbotschafter unter Vertrag genommen.

Im Vorjahr lag der Gesamtabsatz bei über 2,8 Millionen Fahrzeugen, wobei über 1,34 Millionen Fahrzeuge exportiert wurden. Chery gehört damit zu den größten Pkw-Exporteuren in China. Von den sogenannten New Energy Vehicles wurden im Vorjahr rund 904.000 Einheiten abgesetzt.

100 Händler bis Ende 2027

Mittlerweile ist die Chery Group in mehr als 130 Ländern und Regionen weltweit präsent; in Europa ist der Konzern in 25 Ländern und Regionen mit mehr als 1000 Händlerstandorten vertreten. Nun folgt also Deutschland, der am härtesten umkämpfte Markt in Europa. In Raunheim hat die Marke bereits ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum.

Chery ist gerade dabei, sein Händlernetz aufzubauen. „Wir wollen im ersten Quartal mit 30 Händlern starten, Ende 2027 sollen es dann 100 sein“, sagt Deutschlandchef Patrick Reimers im Interview mit der Autogazette. Und, wie viele sollen es perspektivisch werden? Darüber mache man sich jetzt keine Gedanken, sagt Zheng. „Jetzt verfolgen wir erst einmal das Ziel von 100 Händlern, danach sehen wir weiter.“

Absatz zunächst nachrangig

Patrick Reimers verantwortet das Deutschlandgeschäft von Chery. Foto: Chery/Harald Dawo

Reimers will sich nicht zu Absatzerwartungen äußern. Es gehe um eine nachhaltige Marktentwicklung. Wie für Zheng steht auch für den Deutschlandchef das Vertrauen in die neue Marke oben auf der Prioritätenliste. Dass man dieses gewinnt, dazu soll neben einem guten Händlernetz auch ein gutes Aftersales-Geschäft beitragen. Zudem soll eine Sieben-Jahres-Garantie den Weg erleichtern, sich für ein Modell von Chery zu entscheiden. Bestehende Strukturen mit Omoda und Jaecoo will die Mutter dabei nutzen.

Dass die Marke in Ländern wie Polen, Spanien oder auch Großbritannien nach dem Marktstart gut performt, stimmt die Verantwortlichen um Zheng und Reimers auch für den deutschen Markt zuversichtlich. In Polen beispielsweise habe man acht Monate nach Markteintritt bereits einen Marktanteil von 1,7 Prozent gehabt, in Großbritannien habe man ebenfalls nach acht Monaten bei 1,6 Prozent gelegen. In Spanien, wo man im ehemaligen Nissan-Werk in Barcelona mit Partner Ebro Fahrzeuge produziert, lag man zwölf Monate nach Marktstart bei 2,3 Prozent.

Fokus auf SUVs

Zum Start in Deutschland konzentriert sich Chery auf SUVs vom B- bis zum D-Segment, sagt Reimers. Er verweist dabei auf die große Nachfrage im SUV-Segment, das über 33 Prozent der Zulassungen ausmacht. Allein in den zurückliegenden zehn Jahren habe sich der SUV-Anteil annähernd verdoppelt, so Reimers. Entsprechend sieht man für seine Modelle ausreichend Potenzial. Dass Chery derart exportorientiert sei, sieht Reimers als großen Vorteil für die Marke. Die gesamte Produktpalette, Prozesse und Unternehmensphilosophie hätten sich früh internationalisiert, weshalb man Modelle anbiete, die auch für europäische Kundinnen und Kunden interessant seien.

Mit Blick auf sein Antriebsportfolio setzt Chery zunächst nur auf Vollhybride und PHEVs. Ein reines Elektroauto hat man vorerst nicht im Angebot. Es wird wohl erst 2028 kommen, sagt Reimers, „vielleicht schon Ende 2027“. Dabei wird es sich um den Tiggo 3 handeln, der im Oktober auf der Paris Motor Show präsentiert wird. Danach sollen Schritt für Schritt weitere E-Autos folgen. Ob diese Antriebsstrategie die richtige ist, muss sich zeigen. Denn derzeit erleben Stromer in Deutschland, getrieben von hohen Spritpreisen und der E-Prämie, einen wahren Boom. Ihr Anteil an den Neuzulassungen lag im Juli bei über 29 Prozent.

Bei Preisen mit Bedacht vorgehen

Der Cherry Tiggo 4 ist das bisherige Einstiegsmodell. Foto: Chery

Dass in Deutschland, getrieben von hohen Rabatten beispielsweise bei BYD, ein Preiskampf tobt, sieht natürlich auch Reimers. Natürlich wolle man seiner Kundschaft attraktive Preise bieten, doch diese dürften am Ende nicht die Restwerte beschädigen, wie es durch zu hohe Rabatte der Fall sei. Schlechte Restwerte seien weder im Interesse der Kunden noch des Handels. Hier werde man mit großem Bedacht vorgehen, so Reimers.

Natürlich muss Zheng und das Team um Reimers liefern. Doch das Headquarter habe ihm genug Zeit eingeräumt, die Marke in Deutschland nachhaltig zu entwickeln, berichtet Zheng. Für den CEO geht es dabei nicht um den kurzfristigen sondern den langfristigen Erfolg.

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