BYD hat am Dienstag die Europapremiere des Seal 6 DM-i Touring in München gefeiert. In das neue Modell setze man große Hoffnungen, so Deutschlandchef Lars Bialkowski.
Noch ist der Absatz von BYD überschaubar. Nach den ersten sieben Monaten des Jahres kam der chinesische Hersteller in Deutschland auf gerade einmal 7499 Neuzulassungen. Das ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zwar ein Wachstum von 420 Prozent, aber letztlich noch homöopathisch.
Das Ziel der Chinesen ist jedoch ambitioniert. Deren Europachefin Stella Li hatte Anfang des Jahres von einem Absatzziel von 50.000 Einheiten gesprochen. Nicht für Europa, sondern für Deutschland. Das ist Wunschdenken. Wenn es gut läuft, wirklich gut, dann dürften es in diesem Jahr vielleicht 20.000 Einheiten werden.
Stärkung der Marktpräsenz im Fokus
Für Deutschlandchef Lars Bialkowski dürfte es derzeit indes weniger um Absatzzahlen gehen, als vielmehr darum, die Marktpräsenz von BYD zu steigern. Dazu gehört vor allem ein Ausbau des Händlernetzes. Der ehemalige Stellantis-Manager, der seit Juni beim weltweit größten Anbieter von New Energy Vehicle (NEV) die Geschäfte in Deutschland verantwortet, hat ein Händlernetz von gerade einmal 26 Partnerunternehmen vorgefunden. Das ist zu wenig – und so erklären sich auch die derzeitigen Zulassungszahlen. Aber das Händlernetz wächst, von Woche zu Woche. Zuletzt konnte BYD mit dem Autohaus König einen der großen deutschen Autohändlern als Partner gewinnen.
Wieviele Händler es bis Ende des Jahres werden sollen, hatte BYD-Regional-Managerin Maria Grazia Davino bereits im Februar im Interview mit der Autogazette gesagt: nämlich 120. Und, wird dieses Ziel erfüllt? Wird es, wie Bialkowski sagte. Er verweist darauf, dass es eine „Menge von Zweiflern gegeben“ habe, die sagten, „wir würden dieses Ziel nicht erreichen, doch wir erreichen es“, sagte Bialkowski am Dienstag bei der Präsentation des Seal 6 DM-i Touring in München.
300 Händler bis Ende 2026
Bei 120 Händlern soll es es aber nicht bleiben. Bereits bis Ende 2026 soll diese Zahl auf 300 Händler steigen, wie der Deutschlandchef sagte. Perspektivisch sollen es 400 Händler werden, so hatte es Davino angekündigt. Mit den für Ende des Jahres geplanten 120 Händlern ist dann auch die Grundlage gelegt, die von Li angekündigten 50.000 Einheiten zu schaffen, vielleicht sogar in 2026…
Die Modelle dafür hat man, Mit dem vorgestellten Seal 6 DM-i Touring haben die Chinesen elf Modelle im Angebot. Dem Seal 6 misst Bialkowski wie auch sein Vertriebschef Patrick Schulz eine wichtige Bedeutung bei. „Damit können wir unseren Kunden ein Angebot im wichtigen D-Segment machen“, so Bialkowski. Auf das C-/D-Segment entfallen in Deutschland rund 25 Prozent der Verkäufe.
Gesamtreichweite von 1350 Kilometer
Wie Vertriebschef Schulz sagte, sei der Seal 6 zwar für Europa entwickelt worden, doch insbesondere ist er für den deutschen Markt vorgesehen, „einem traditionellem Kombi-Markt“, so Schulz. Mit diesem Fahrzeug wolle man ein breites Klientel ansprechen. Es reicht vom Privat- bis zum Flottenkunden. Für Dienstwagenfahrer dürfte insbesondere der Seal 6 DM-i mit großer Batterie (Kapazität 19 kWh), einer Reichweite von 100 Kilometer und einer Systemleistung von 218 PS interessant sein. Damit kommt man in den Genuss des Steuervorteils von 0,5 Prozent. Wer diesen Seal fahren möchte, der muss dafür aber auch 49.990 Euro bezahlen. Dass man mit diesem Preise nicht zu den günstigsten Anbietern gehört, dessen ist sich auch Schulz bewusst. Er verweist aber auf die bereits gute Ausstattung und die Gesamtreichweite von 1350 Kilometer.
Zur Serienausstattung gehören dabei u.a. eine Metallic-Lackierung, LED-Scheinwerfern, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, elektrischen verstellbaren Vordersitzen und Außenspiegeln, eine Aluminium-Dachreling, eine elektrischer Heckklappe und ein 8,8-Zoll großes digitales Armaturenbrett mit einem daneben liegendem 12,8-Zoll-Touchscreen fürs Infotainmentsystem. Beim Modell mit größerer Reichweite hat der Screen eine Größe von 15,6 Zoll und steht zudem auf 18-Zoll-Leichtmetallrädern.
Attraktive Leasingraten in Aussicht gestellt
Zurück zum Preis und den Leasingraten: Dazu sagt Schulz noch nichts. Die sollen aber ausgesprochen attraktiv sein, ließ er wissen. Bislang konnte BYD bei seinen Modellen indes noch nicht mit besonders attraktiven Leasingraten punkten. Man darf also gespannt sein, mit welchem Leasingfaktor man an den Start geht. Deutlich unter 1 Prozent wird er liegen müssen, auch wenn BYD immer wieder betont, dass man nicht zu den günstigsten Anbietern gehören müsse.
Nach den ersten Testrunden mit dem Seal 6 DM-i durch München hinterlässt der 4,84 Meter lange Kombi (Breite: 1,87 Meter, Höhe 1,50 Meter einen guten Eindruck. Der Innenraum ist wertig, die Materialien fühlen sich auch so an. Vor allem aber fährt der Seal sehr komfortorientiert. Wer mag, der kann ihn auch sportlicher rannehmen: Bis Tempo 100 vergehen 8,5 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 180 km/h erreicht. Und der Verbrauch? Der soll bei 1,7 Litern/100 km (WLTP) liegen. Bei unserer Testrunde zeigte der Bordcomputer indes bei 4,5 Litern. Das ist okay.
Ladeleistung zu gering
Weniger okay ist die Ladeleistung: sie liegt bei gerade einmal 26 kW. Damit lässt sich der Seal von 30 auf 80 Prozent in 23 Minuten laden. Bei neuen Plug-in-Hybriden ist eine Ladeleistung von 50 kW ein Muss. Da kann man noch soviel erklären, dass die Kundinnen und Kunden ihr Fahrzeug entweder am Arbeitsplatz oder zu Hause laden. Eine solch geringe Ladeleistung überrascht für einen Hersteller, der sich das ultraschnelle Laden auf die Fahnen geschrieben hat. Entsprechende Ladestationen im Megawatt-Bereich will man nächste Woche auf der IAA Mobility präsentieren.
Und wie stehen die Absatzchancen für das Modell mit kleiner Batterie? Schulz glaubt, dass sich auch dieses gut absetzen wird. Der kostet rund 43.000 Euro, hat aber nur eine Reichweite von 50 Kilometer, kommt entsprechend auch nicht in den Genuss des Steuervorteils. Ein wichtiger Kaufanreiz fällt damit auf jeden Fall schon einmal weg. Entsprechend bleibt abzuwarten, ob der Vertriebschef mit seiner Markteinschätzung richtig liegt. Auch wenn BYD nicht den Anspruch verfolgt, auch „Billigautos“ zu setzen, so ist doch offenkundig, dass die Kunden genau nach bezahlbaren E-Autos verlangen. Der erst vor im Juni eingeführte BYD Dolphin Surf (ab 22.990 Euro) hat sich mittlerweile zum zweitbeliebtesten Modell entwickelt. Per Juli haben sich für den kleinen Stromer (er wurde zur Einführung für unter 20.000 Euro angeboten) bereits 891 Kundinnen und Kunden entschieden. Er kommt damit vor dem auf Platz eins positioniertem Seal U (3007 Zulassungen/Anteil 40,4 Prozent) auf einen Zulasungsanteil von 11,6 Prozent.


