BYD hat sich viel vorgenommen. In diesem Jahr sollen die Zulassungen deutlich steigen, wie Deutschlandchef Lars Bialkowski im Podcast der Autogazette sagt. Dazu sollen auch Plug-in-Hybride wie der Atto 2 DM-i beitragen.
Lars Bialkowski schaut zuversichtlich auf das neue Jahr. Mit dem Auftakt kann der Deutschlandchef von BYD schon einmal zufrieden sein. Im Januar konnte der chinesische Hersteller 2629 Fahrzeuge neu zulassen, es ist ein Plus von fast 1019 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Dass ein solches Wachstum immer relativ ist, weiß auch Bialkowski. Damals, vor jetzt zwölf Monaten, hatte BYD in Deutschland so gut wie keine Präsenz. Die Zahl der Händler lag bei gerade einmal 26.
Bialkowski wurde geholt, um das zu ändern, die Marke in Deutschland zu etablieren. Seit Juni des zurückliegenden Jahres leitet der Manager nun die Geschäfte, ist auch für die Benelux-Länder verantwortlich. Seither hat er die Struktur geschaffen, die der Marke weiteres Wachstum ermöglicht. Mittlerweile hat man 150 Händler, bis zum Ende des ersten Quartals dieses Jahres sollen es dann 195 Standorte sein. Und bis Ende 2026 plant Bialkowski mit 350 Service- und Sales-Standorten.
„BYD überrascht Monat für Monat“
Dass dieser konsequente Ausbau des Händlernetzes die ersten Absatzerfolge brachte, sieht man an den Neuzulassungen des Vorjahres. Hier kam BYD, global mittlerweile an Tesla als weltgrößtem Elektroautobauer vorbeigezogen, auf 23.306 Neuzulassungen. Dass sind zwar nicht die 50.000 Einheiten, die Europachefin Stella Li mehrfach als Ziel für das Vorjahr ausgegeben hat, aber Bialkowski ist damit dennoch zufrieden. Und, klappt es in diesem Jahr mit den 50.000 Einheiten?
Seiner Europachefin hätte er auf jeden Fall gesagt, dass „meine Vision für Deutschland weit über diese 50.000 Einheiten hinaus geht. Die Frage ist, wie schnell das passiert? Doch hier lässt sich Bialkowski nicht auf einen konkreten Zeitpunkt festlegen. Derzeit sehe man aber, dass BYD „Monat für Monat den Markt überrasche, Monat für Monat neue Rekordmonate erzielt“. Auch wenn sich der BYD-Deutschlandchef nicht festlegen lässt: diese 50.000 Autos sind in diesem Jahr durchaus realistisch.
Push durch E-Autoprämie
Schließlich wird der Markt für reine Elektroautos und Plug-in-Hybride gerade durch die von der Regierung ausgelobte E-Prämie von bis zu 6000 Euro (abhängig vom Einkommen) zusätzlich gepusht. Die Prämie jedenfalls hat bei BYD zu einer zusätzlichen Nachfrage geführt, erzählt Bialkowski.
Davon profitiert derzeit insbesondere der Dolphin Surf, der Einstiegsstromer der Chinesen. Er wird gerade zu besonders attraktiven Barpreisen und Leasingangeboten offeriert. Nach Abzug des E-Bonus von BYD in Höhe von 7600 Euro und der staatlichen Prämie von bis zu 6000 ist der Dolphin Surf für 12.990 Euro zu haben.
Doch viel wichtiger als der Barpreis sind die Leasingraten, „70 bis 80 Prozent unseres Volumens entfallen auf das Leasing“, so Bialkowski. Entsprechend bietet man den Dolphin Surf derzeit schon bei einer Laufzeit von 48 Monaten ab 89 Euro monatlich an. Ähnlich attraktive Konditionen schnürt man auch für den Atto 2 DM-i, einen Plug-in-Hybriden mit einer elektrischen Reichweite von 90 Kilometer. Sein Verkaufspreis startet in der Ausstattungsvariante Active bei 35.990 Euro. In der förderfähigen Boost-Variante werden 38.990 Euro fällig. Zieht man davon den Herstellerbonus von 11.500 Euro und die staatliche Prämie von bis zu 4500 Euro ab, ist das im wachstumsstarken B-Segment beheimatete Fahrzeug für 22.990 Euro zu haben. Für ein Fahrzeug in diesem Segment ist das eine Ansage.
Leasingrate für Kunden relevant
Das gleiche trifft auf die Leasingrate zu, die sich, wie Vertriebschef Patrick Schulz sagte, beim Atto 2 für die Active Variante bei 195 Euro bewegt, beim Boost sind es ohne Anzahlung 232 Euro. Nimmt man als Anzahlung die E-Prämie der Regierung, dann reduziert sich der Betrag auf 145 Euro. Dass der Atto 2 dabei nur über eine nicht mehr zeitgemäße und nicht wettbewerbsfähige Ladeleistung von gerade einmal 6,6 kWh verfügt, nimmt man als Kunde angesichts solcher Konditionen wohl hin.
Produktmanager Fabian Ulbrich jedenfalls ist selbst nicht ganz glücklich mit dieser Ladeleistung. Er hätte sich hier etwas mehr Leistung gewünscht. Dennoch erachtet er sie für den Einsatzzweck des Fahrzeugs als ausreichend. Am erwartetem Erfolg des Atto 2 DM-i werde dieses Manko nichts ändern, glaubt man bei den BYD-Verantwortlichen.
Reichweite über 1000 Kilometer
Unterwegs ist der von uns gefahrene Atto 2 DM-i (steht für Dual Mode intelligent) mit einem 1.5 Liter Vierzylinder-Benziner, der es auf eine Leistung von 212 PS bringt. Der Akku in der Boost-Variante hat eine Kapazität von 18,3 kWh und ist für eine Reichweite von besagten 90 Kilometern gut. Derart motorisiert beschleunigt der Fronttriebler in 7,5 Sekunden auf Tempo 100 und kann bis zu 180 km/h schnell fahren. Dass die WLTP-Verbräuche gerade bei PHEVs mehr Wunsch als Realität sind, ist auch beim Atto 2 nicht anders. Hier weist das Datenblatt einen gewichteten Benzinverbrauch von 1,8 Litern/100 km und einen Stromverbrauch von 15,8 kWh/100 km aus. Kombiniert werden fünf Liter in Aussicht gestellt. Damit sind Reichweiten von mehr als 1000 Kilometer möglich.
Bei den Testfahrten in Oberjoch im Allgäu zeigte der Bordcomputer nach 139 Kilometern einen Stromverbrauch von 15,8 kWh und einen gewichteten Verbrauch von 5,8 Liter an. Dieser Verbrauch geht angesichts winterlicher Temperaturen für ein Fahrzeug mit dieser Leistung und einem Gewicht von 1,62 Tonnen durchaus in Ordnung.
Bei zunehmender Fahrstrecke und bereits ab einem Batterieladestand von 23 Prozent schaltete sich bei unserem Testfahrten der Fahrmodus automatisch von EV auf HEV. In diesem Modus schaltet sich dann der Verbrenner – der einen Wirkungsgrad von 43 Prozent haben soll – zu und lädt den Akku auf. Das führt dann am Ende auch zu Mehrverbräuchen. Übrigens ist der Verbrenner im Betrieb doch recht laut.
Gutes Platzangebot, großer Kofferraum
Abseits dieser reinen Daten hinterlässt der Atto 2 DM-i einen stimmigen Eindruck. Mit seiner Länge von 4,33 Metern und einem Radstand von 2,62 Meter bietet der Chinese seinen Insassen ein gutes Platzangebot. Selbst im Fond können Erwachsene durchaus bequem sitzen. Und sein Kofferraumvolumen von 425 Metern ist mehr als anständig. Das kann man auch von der Verarbeitungsqualität sagen. Die ist gut, wirklich gut. Die Materialien sehen wertig aus, fühlen sich auch so an. Der Fahrer schaut auf ein 8,8 Zoll großes Display, der Touchscreen hat eine Größe von 12,8 Zoll. Erstmals setzt BYD in einem seiner Modelle auf Google-Navigation und Services. Das Fahrzeug lässt sich dabei übrigens drahtlos verbinden, unterstützt natürlich Apple CarPlay und Android Auto. Die Verbindung zwischen Auto und Handy könnte indes etwas flotter von Statten gehen.
Auch wenn der Atto 2 sich bei der Ladeleistung eine ärgerliche Blöße gibt, könnte er in der Tat die Nachfrage beflügeln. Denn die Chinesen reagieren schnell auf Kritik, teils sehr schnell sogar. Nachdem man die E-Variante des Atto 2 zunächst mit einer Reichweite von knapp über 312 Kilometer und einer Ladeleistung von 65 kW auf den Markt gebracht hatte, schob man die Variante mit größerer Batterie und einer Reichweite über 400 Kilometer und einer Ladeleistung von bis zu 155 kW flott nach. Mal sehen, ob man auch bei der Ladeleistung des Atto 2 DM-i nachbessert.
Hohe PHEV-Anteil bei Verkäufen
Die Zuversicht auf einen Markterfolg schöpft Bialkowski auch daraus, dass bei BYD in Deutschland der PHEV-Anteil an den Verkäufen bei 60 Prozent liegt – und bundesweit erwartet er hier auch eine weitere Steigerung der Zulassungen. Im Januar lag das Plus der PHEV im Vergleich zum Vorjahresmonat bundesweit bei 23 Prozent und der Zulassungsanteil bei 11,2 Prozent. Hier sieht Bialkowski deutlich Luft nach oben – gerade auch für BYD mit dem neuen Atto 2 DM-i. Ohnehin sieht er die Marke gut aufgestellt. Man decke mit seinen Modellen rund 90 Prozent aller Passengercar-Segmente ab, stellte er zufrieden fest. „Wo andere Hersteller sagen, dass sie in diesem Segment kein Angebot machen können, sind wir dazu in der Lage“, so Vertriebschef Schulz.
Da die Chinesen sich nicht primär als Autobauer sehen, sondern als Technologiekonzern, engagiert man sich auch beim Ausbau der Ladeinfrastruktur. In Zeiten, in denen Ladeleistungen von jenseits 300 kW so langsam in die Breite kommen, mangelt es indes an entsprechenden High-Power-Chargern.
BYD baut Ladeinfrastruktur
Die Ladeinfrastruktur ist für Bialkowski bundesweit gar nicht so schlecht wie immer wieder behauptet wird. Er fahre selbst überwiegend elektrisch – und das ohne Probleme. Leider käme an Säulen, wo 300 kW drauf steht, teils nur 50 kW raus. Das will man nun mit seinen geplanten Megawatt-Ladesäulen („Mega Flash Charging“) ändern. An ihnen lässt sich die Batterie in nur 5 Minuten für weitere 400 Kilometer Reichweite laden. Wie viele Stationen es werden, dazu will Bialkowski nichts sagen. Vorgesehen sind diese Stationen zunächst für den Denza Z9 GT und eigene Modelle.
Die Ladestationen sollen dann aber auch für andere Marken zur Verfügung stehen. „Wir sind ein Unternehmen, was sich permanent selbst herausfordert. Unser Ziel ist es, unsere technologische Führerschaft nicht nur zu halten, sondern sie auszubauen“, so der Deutschlandchef. Man sei gekommen, um zu bleiben. „Wir wollen den deutschen Markt erobern“, sagt Bialkowski. Daran arbeitet er und sein Team mit Nachdruck.
