Bosch: Mehr Vernetzung und Komfort für E-Bikes

Smart System für 140 Modelle

Bosch: Mehr Vernetzung und Komfort für E-Bikes
Zum Smart-System gehört auch das Tastenlose Kiox 300. © Bosch

Der Zulieferer Bosch bietet für seine E-Bike-Antriebe ab diesem Modelljahr ein neues Smart System. Es bietet eine Vielzahl von intelligenten Funktionen.

Unter dem Begriff „Das smarte System“ werden neue Bedien-, Anzeige- und Konnektivitätslösungen eingeführt. Mittlerweile listet eine Online-Übersichtsseite des Zulieferers 140 Pedelec-Modelle, die mit der neuen Technik zu haben sind.


Darunter befindet sich auch das Cargo-Bike Multicharger GT Touring von Riese & Müller, mit dem wir im Alltag die vielen Möglichkeiten der neuen Bosch-Lösungen erleben konnten.

Bedienung über sechs Tasten

Das Anzeige- und Bediensystem ist modular aufgebaut. Unverzichtbar ist die Remote genannte Bedieneinheit am linken Lenkergriff, die neben sechs Tasten farblich variable LEDs integriert, die über Akkustand und Unterstützungsstufe informieren. Wer es minimalistisch mag, kann mit der von SQLab erfreulich ergonomisch geformten Remote gut leben. Die Anzeigewelt lässt sich um eine solide Lenkerhalterung für das fein auflösende 2-Zoll-Farbdisplay Kiox 300 erweitern. Während das klassische Kiox-Display Bluetooth-Modul und Batterie integriert, hat Bosch beim Smart System diese Elemente in die Remote ausgelagert.

Das tastenlose sowie leichter und schlanker bauende Kiox 300 ist über Kontakte mit der Halterung verbunden, die wiederum mit einer einfach zu lösenden Steckverbindung mit der Remote und dem Rechenhirn des Bikes verdrahtet ist. Mit dem Kiox 300 bietet das Multicharger einen gut ablesbaren Bordcomputer. Über die Tasten der Remote kann man zwischen fünf Anzeigemodi mit je zwei Ebenen wählen. So gibt es die typische Bosch-Schnecke mit Tacho- und Akkustand-Infos. Ein weiterer Screen zeigt die Restreichweiten abhängig von der Unterstützungsstufe an. Außerdem gibt das System Auskunft über die vom Fahrer per Muskelkraft erzeugte Wattzahl und seine Trittfrequenz. Weitere Menüpunkte sind „Einstellungen“ sowie eine Anzeige zum Verbindungsstatus.

Flow-App auf Handy

Letztere kommt ins Spiel, wenn man als Nutzer die sogenannte Flow-App auf einem Smartphone installiert und sich mit dieser bei Bosch als Nutzer registriert hat. Das ist in wenigen Schritten erledigt, anschließend werden noch Fahrrad und Smartphone verbunden. Fortan war das Multicharger online und verlangte in unserem Fall sogleich nach einem Software-Update.

Hier zeigt sich einer der Vorteile vom smarten System: Gibt es Neuerungen oder Verbesserungen der Drive-Unit-Software, werden diese sogleich aufgespielt. Download und Installation des OTA-Updates dauerte wenige Minuten, anschließend war das E-Bike mit aufgefrischter Software startklar.

Kabellose Stromversorgung

Das Smartphone vernetzt nicht nur das Bike, es fungiert auch als Kiox-Ersatz, sofern man die von Bosch im April 2022 eingeführte Handy-Klemmhalterung auf die Lenkradhalterung setzt. Mit der rund 50 Euro teuren Zubehörlösung mutiert das Smartphone zur Touchscreen-Cockpitanzeige. In unserem Fall kam ein Android-Gerät mit OLED-Display zum Einsatz, das eine richtig gute Figur als Kommandozentrale im Multicharger-Cockpit machte. Dank der in die Halterung integrierten Induktionsladetechnik wird das Handy kabellos mit Strom versorgt. Alternativ gibt es eine USB-Ladebuchse. Die Grafik der App ist elegant und übersichtlich sowie einfach bedienbar – in begrenztem Umfang zusätzlich auch über die Remote-Tasten. Neben einem Bordcomputermodus, der neben fahrrelevanten Informationen auch Akkustand vom Handy und Uhrzeit anzeigt, bietet die App eine eigene Navigationssoftware. Im sogenannten Ride Screen kann man sich beides parallel anzeigen lassen.

Letzter Standort wird gespeichert

Wird das E-Bike abgestellt, speichert die Flow-App den letzten Stand. Vor einem erneuten Fahrantritt kann der Nutzer somit den Akkustand sowie auf der Navigationskarte den letzten Standort einsehen. Eine Ortung des E-Bikes ist mit der Bosch-Lösung allerdings nicht möglich.

Das System greift auf die im Handy vorhandene GPS- und Vernetzungs-Hardware zurück, was Kosten spart. Bei Riese & Müller kann man für das Multicharger auch die Lösung RX Connect bestellen. Dann ist das Cargo Bike dank integriertem IoT-Chip stets mit dem Netz verbunden und somit trackable.

Effiziente Strecke wird gewählt

Mit LED-Leuchten wird über Ladestand des Akkus und den Unterstützungsmodus informiert. Foto: Bosch

Sind Smartphone und Bike verbunden, lässt sich in der Flow App die Routenführung starten. Hierzu muss man ins Eingabefeld eine Zieladresse tippen und anschließend festgelegen, ob man eine Freizeit-, Pendler- oder E-MTB-Route fahren will. Während ersterer tendenziell schönere Wege vorschlägt, wird für den täglichen Weg zur Arbeit die effiziente Strecke rausgesucht.

Bei E-MTB werden unbefestigte Wege bevorzugt, die nach Möglichkeit außerdem Gefälle bieten. In jedem der drei Modi kann man sich vor Fahrtantrieb über den Anteil befestigter und unbefestigter Wege und der Höhenmeter informieren. Kartenansicht und die Routenführung sind exakt, das System arbeitet schnell und kennt viele speziell für Radfahrer geeignete Wege. Hinweise zu Richtungsänderungen werden optisch eingeblendet, Sprachhinweise gibt es nicht. Eine eigene Tour mit Online-Kartenmaterial am Computer planen und dann auf die Navigation der Flow-App übertragen, ist nicht möglich.

Dafür lassen sich die von der Navigation aufgezeichneten und gespeicherten Routen auf der Outdoor-Navi-App komoot und/oder dem sozialen Tracking-Netzwerk Strava hochladen.
Dass das Bosch-System primär für besonders teure E-Bikes vorgesehen ist, zeigt der erneute Blick zu den rund 140 zu Beginn erwähnten Modellen. Keines davon ist unter 3.700 Euro zu haben, die meisten E-Bikes kosten sogar deutlich mehr. (SP-X)

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