BMW hat mit dem Vision Alpina gezeigt, wie man sich die Zukunft seiner Luxusmarke vorstellt. Dazu gehört bei der Studie ein elegantes Design und viel Leistung.
Wenn BMW dieser Tage über die Zukunft von Alpina spricht, klingt das weniger nach nostalgischer Traditionspflege als nach einer ziemlich klaren Machtansage. Im Rahmen des Concorso d’Eleganza Villa d’Este am Comer See haben die Münchner Mitte Mai erstmals konkreter gezeigt, wohin die Reise mit der einstigen Buchloer Veredlermarke gehen könnte.
Nachdem BMW Anfang 2026 die Markenrechte vollständig übernommen hat, dürfte Alpina wohl schon ab 2027 als eigenständige Luxusmarke auftreten und sich damit zwischen BMW und Rolls-Royce einsortieren.
Präsentation vor mondäner Kulisse
Das es BMW ernst mit einer weiteren Marke ist, unterstreicht das vor mondäner Kulisse enthüllte Konzeptfahrzeug Vision BMW Alpina. Mit 5,20 Metern Länge, flacher Dachlinie und zwei Türen wirkt das Coupé wie eine Art Gran Turismo für sehr hohe Geschwindigkeiten und lange Distanzen. Mit seinen vier vollwertigen Sitzplätzen ist der Alpina-Entwurf mehr luxuriöser Hochgeschwindigkeitsgleiter als extrovertierter Supersportwagen.
Unter dem elegant geschnittenen Blech dürfte viel Technik aus dem 7er-Regal stecken. Hinterleuchtete Riesenniere, Hofmeister-Knick und die monumentalen Proportionen lassen an der BMW-Herkunft ohnehin keinen Zweifel. Gleichzeitig weisen Details wie die feinen Zierlinien in den Flanken, der Alpina-Schriftzug auf dem Frontsplitter oder die klassischen 20-Speichen-Räder in 22- und 23-Zoll die zweite Identität zur Schau.
Verbrenner statt reinem E-Antrieb
Bemerkenswert: Während viele Luxusmarken derzeit mit elektrischen Zukunftsvisionen von sich Reden machen, setzt BMWs Alpina-Vision demonstrativ auf Verbrenner-Exzess. Unter der langen Haube arbeitet ein V8 mit mehr als 700 PS. BMW spricht von einem tiefen, sonoren Klangbild, was vermutlich höflich formuliert ist für ein Triebwerk, das bei Volllast klanglich wie ein entferntes Offshore-Speedboot durch die Landschaft gleiten dürfte. Weil Alpina traditionell wenig von elektronischen Fesseln hält, dürfte man auf die üblichen BMW-Limitierungen verzichten. Entsprechend wäre eine Topspeed oberhalb der 300er-Marke denkbar. Nicht zufällig fiel bei der Präsentation mehrfach der Begriff „Time shrinking machine“.
Im Innenraum setzt der Vision Alpina weniger auf digitale Effekthascherei als auf demonstrativen Luxus alter Schule. Polierte Metalle, Kristallelemente, vollnarbiges Leder und fein ausgearbeitete Details zitieren eher klassische Uhrmacherkunst als Silicon-Valley-Ästhetik. Trotzdem gibt es auch reichlich Bildschirmfläche, inklusive eigenem Display für den Beifahrer und großflächigem Panoramic-Vision-Head-up-System. Das alles wirkt bereits durchaus seriennah. Offiziell spricht BMW zwar explizit von einer Studie. Aber die Betonung vom Konzeptstatus soll häufig nur verschleiern, dass die Entscheidung intern längst gefallen ist. (SP-X)


