Rennfahrerfeeling für den Alltag

Lenkradtuning

Rennfahrerfeeling für den Alltag
Das Sportlenkrad im Opel Corsa OPC © Foto: Werk

Wer hat es nicht gern, ein schickes Lenkrad während des Autofahrens in den Händen zu halten. Doch der nachträgliche Einbau eines schicken Sportlenkrades ist gar nicht so einfach – denn dort befindet sich meistens der Airbag.

Das Dreispeichen-Sportlenkrad im griffigen Motorsport-Format war in Tuning-Kreisen früher fast schon Standard: Wer als Schrauber etwas auf sich hielt, lenkte seinen Wagen nicht mit schnöder Werksware durch die Gegend. Doch das Geschäft mit Nachrüst-Lenkrädern hat deutlich nachgelassen, woran der Siegeszug des Airbags nicht ganz unschuldig ist. Denn durch den im Lenkrad verbauten Luftsack ist es nicht mehr ohne weiteres möglich, das Werkslenkrad gegen ein Tuning-Produkt zu tauschen - obwohl die Nachrüstbranche auch hier inzwischen Lösungen entwickelt hat.

Deutlicher Abwärtstrend

«In der Tat hat das durch die Airbag-Technologie stark nachgelassen», sagt Mathias Albert vom Verband der Automobil Tuner (VDAT). «Die Nachrüstung von Sportlenkrädern war ein sehr großer Markt. Er hat sich jedoch in den letzten zehn Jahren um 70 Prozent zurückentwickelt.» Grund dafür sind die Kosten: Es rechnet sich für viele Tuning-Anbieter schlicht nicht, Nachrüst-Lenkräder mit der recht aufwendigen und kostspieligen Airbag-Technologie zu entwickeln.

Der Fahrer-Airbag, der für Neuwagen inzwischen vorgeschrieben ist, ist im sogenannten Pralltopf des Lenkrads untergebracht. Auch ein Nachrüst-Lenkrad müsste diese Sicherheitsausstattung in der Regel haben. Und hier fangen die Probleme an, denn das Airbag-Lenkrad muss zum jeweiligen Fahrzeugtyp passen. «Die Airbag-Auslösung muss abgestimmt sein auf das Verformungsverhalten des Fahrzeugs», erläutert Hermann Schenk von der Sachverständigenorganisation GTÜ.

Denn wenn der Airbag bei einem Unfall zu früh zündet, sei das so, «als wenn der Fahrer einen Faustschlag auf die Nase bekommt». Löst er zu spät aus, fängt er den Fahrer nicht ab und dieser kracht mit Kopf und Oberkörper ins Steuer und verletzt sich. Um das Auslöseverhalten zu ermitteln, sind Crashtests notwendig. Das macht die Lenkrad-Entwicklung aufwendig und teuer, sagt Schenk: «Ein x-beliebiges Zubehör-Lenkrad für jedes Fahrzeug zu nehmen, geht nicht mehr.»

Rechtliche Vorgaben

Ob ein Lenkrad ohne Airbag montiert werden darf, hängt nach Angaben von Norbert Hartmann vom Automobilclub ACE davon ab, ob das Fahrzeug die Anforderungen der Crash-Norm auch ohne Airbag erfüllt. Rein rechtlich ist das laut Hermann Schenk bei Fahrzeugen möglich, deren Baujahr in der Anfangszeit der Airbag-Technologie lag.

So gab es Modelle, die damals sowohl mit als auch ohne Airbag zugelassen waren. Bei ihnen wäre es möglich, den Airbag zu deaktivieren und ein Lenkrad ohne Airbag zu montieren. «Aber ich rate dringend davon ab, weil man sich damit eines Sicherheits-Feature entledigt», sagt Schenk. «Wenn ein Fahrzeug einen Airbag gehabt hat, sollte es den auch behalten.» Bei Modellen jüngeren Baujahrs wäre das ohnehin nicht zulässig, weil sonst deren Betriebserlaubnis erlischt. Hier ist ein Fahrer-Airbag zwingend vorgeschrieben.

Immerhin gibt es einige Anbieter, die Nachrüst-Lenkräder mit integriertem Airbag entwickelt haben und anbieten. «Aber es ist ein deutlich reduzierter Markt», sagt VDAT-Sprecher Albert. Einer von ihnen ist die Firma r.d.i. mit ihrer Lenkrad-Marke Raid. Hier kosten Airbag-Lenkräder je nach Ausführung zwischen rund 500 und 1500 Euro. Erhältlich sind sie für verschiedene Fahrzeugmodelle.

Angebote der Hersteller

Auch einige Autohersteller haben sportliche Airbag-Lenkräder zum nachträglichen Einbau in ihr Zubehör-Programm aufgenommen. So lassen sich zum Beispiel einige Audi-Modelle mit Nachrüst-Sportlenkrädern der Marke ausstatten. Voraussetzung ist jedoch, dass es auch von den Anschlüssen her passt, sagt Audi-Sprecher Josef Schloßmacher. So muss etwa für den nachträglichen Einbau eines Multifunktionslenkrads der Kabelbaum ab Werk entsprechend ausgelegt sein. Sonst lassen sich die Telefon-, Multimedia- und Schaltfunktionen am Lenkrad nicht nutzen.

In jedem Fall sollte die Nachrüstung einer ausgewiesenen Fachwerkstatt überlassen werden, rät GTÜ-Experte Hermann Schenk. Immerhin handelt es sich um ein sicherheitsrelevantes Bauteil und es wird mit Explosivstoffen hantiert - das ist nichts für Laien.

Falls für das eigene Fahrzeug partout doch keine Nachrüstung eines Airbag-Sportlenkrads infrage kommt, haben Tuning-Fans andere Möglichkeiten zur Individualisierung. «Was häufig veredelt wird, ist der Lenkradkranz», sagt VDAT-Mann Albert. Alles, außer dem Pralltopf, in dem der Airbag steckt, lässt sich aufmotzen - mit Holzeinsätzen, Lederüberzügen oder auch zusätzlichen Griffmulden. So verschaffen sich Autofahrer mit wenig Aufwand dann doch noch etwas Rallye-Feeling im Feierabendverkehr. (dpa/tmn)

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Frank Mertens
Nach dem Studium hat er in einer Nachrichtenagentur volontiert. Danach war er Sportjournalist und hat drei Olympische Spiele begleitet. Bereits damals interessierten ihn mehr die Hintergründe als das Ergebnis. Seit 2005 berichtet er über die Autobranche.

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