Porsche Carrera GT: Schneller Abschied

Porsche Carrera GT: Schneller Abschied
Porsche Carrera GT © Foto: Werk

Er war exklusiv, formvollendet und ein wahrer Kraftprotz. Doch die Zeiten des Porsche Carrera GT sind vorbei. An diesem Samstag wird seine Produktion eingestellt.

Von Stefan Grundhoff

Er wird wohl als einer der ruhmreichsten Porsche in die Automobilgeschichte eingehen. Das Projekt Carrera GT war filigran durchgeplant; von der ersten Schraube bis zum Produktionsende an diesem Samstag. Er war und ist superschnell, hochexklusiv und ein mächtiger Imageträger.

Kaum einer hat den Porsche Carrera GT je in freier Wildbahn gesehen. Von den anfangs geplanten 1.000 und letztlich gebauten 1.270 Fahrzeugen blieben nur ein paar handvoll Modelle in Europa. Kein Porsche gilt als günstiges Auto. Die Sportwagen aus Zuffenhausen haben seit 75 Jahren einen Klang wie Donnerhall. 356, 917 oder 911 - bei diesen Ziffernfolgen zeigen sich nicht nur Autofanatiker fasziniert.

Statement an mobile Gesellschaft

Doch nachdem die Sportwagenkonkurrenz in den 80er und 90er Jahren mächtig drauf sattelte und so am Thron rüttelte, wollten die Stuttgarter einmal wieder ein Zeichen setzen und sportliche Automobilgeschichte zu schreiben. Es ging nicht nur um ein neues Auto mit scheinbar unbegrenzter Leistung; es ging um ein Statement an die mobile Gesellschaft. Die Aussage war klar: Wir bauen nach wie vor die besten Sportwagen der Welt. Und hier ist er - der Carrera GT, der im Herbst 2000 im Pariser Louvre vorgestellt wurde.

Ähnlich wie der Mercedes SLR braucht ein Auto wie den Porsche Carrera GT niemand wirklich. Im Gegensatz zu vielen anderen Modellen aus Zuffenhausen ist dieser Zweisitzer auch keine Designikone. Er ist puristisch und eine mit Technik voll gestopfte Rennmaschine - nicht mehr und nicht weniger. Der GT ist vor allem eines: schnell - nein, superschnell.

Muskelspiele

Das Cockpit des GT Foto: Werk

Porsche ließ die Muskeln spielen und der Betrachter rieb sich die Augen. Als die ersten Bilder vom Carrera GT durch Postillen und über Bildschirme huschten, sprach keiner über hohe Benzinpreise, volle Straßen oder einen Cayenne mit Hybridantrieb. Es ging um 612 PS Leistung, 450.000 Euro und Rallyelegende Walter Röhrl. Porsche wurde nicht müde, seinem prestigeträchtigsten Baby mit dem Gesicht des hageren Seriensiegers aus Regensburg sympathisches Leben einzuhauchen. Röhrl stimmte den Carrera GT auf der Nordschleife ab und die Kameras klickten. Na, dann muss es ja ein Knaller werden.

Wurde es auch. Der Porsche Carrera GT gilt bis dato als wohl der beste Straßenrennwagen. Das Statement an die Außenwelt saß. Porsche war ein paar Jahre zuvor noch am Stock gegangen, ehe sie der Boxster wieder ins Leben und auf die Erfolgsspur zurückholte.

Konkurrenz rang nach Luft

DIe Drau´fsicht auf den Carrera GT Foto: Werk

Das war Mitte der 90er und ein paar Jahre später rang die Supersportwagenkonkurrenz von Ferrari, Maserati, Mercedes oder BMW nach Luft. Konkurrenz und potente Käuferschichten aus der ganzen Welt rieben sich nach diesem Rennwagen mit Straßenzulassung die Augen. Besonders die nordamerikanischen Millionäre und Scheichs im mittleren Osten konnten sich freuen. Mehr als die Hälfte der rund 450.000 Euro teuren Boliden gingen in die USA, wo man maximal 80 Meilen schnell schleichen darf.

In Europa bekamen eben nur eine handvoll den 612 PS starken Boliden zu sehen. Der ein oder andere Besucher staunte zum Beispiel an der Nürburgring-Nordschleife. Hier konnte man ihn bei letzten Testfahrten im Jahre 2003 beäugen. Auf deutschen Straßen war der Carrera GT nicht existent. Er war und ist eben ein echter Rennwagen.

Einen Nachfolger für den bereits jetzt legendären Porsche Carrera GT wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Nach Aussagen von Porsche ist der Markt für einen Supersportler wie ihn erst einmal erschöpft. Und schließlich wollte man ja insbesondere ein Statement setzen. Das ist gelungen. „Der Carrera GT hat nicht nur das Markenimage von Porsche als Sportwagenhersteller deutlich gesteigert und gezeigt, dass wir mit unserer Produktstrategie voll ins Schwarze getroffen haben“, so Porsche Vorstandschef Wendelin Wiedekind, „mit dem Carrera GT hat Porsche darüber hinaus auch Geld verdient.“

Damit ist er ein grandioses Beispiel dafür, dass es beim Thema Auto nach wie vor um Leidenschaft geht. Nur wenige können sich ein derartiges Spielzeug leisten, doch viele verlieren bei dem Gedanken an ein derartiges Hightech-Spielzeug den Verstand.

Wirtschaftlicher Renner

Das Heck des Schwaben Foto: Werk

Porsche ist das Risiko eingegangen und hat gewonnen. Die zumeist grau- oder silberfarbenen Kraftmeier hatten eine weitere wichtige Doppelrolle. Neben dem deutlich vernehmbaren Lebenszeichen ging es darum, das derzeit technisch mögliche zu zeigen. Dass der Carrera GT auch noch wirtschaftlich ein Renner wurde, spielte wohl nur die dritte Geige. Und noch aus einem anderen Grund sorgte der Rennwagen für einen Imagegewinn:

Porsche ließ den Carrera GT in seinem neuen Leipziger Werk in Handarbeit bauen. Das sorgte für Arbeitsplätze und war ein Bekenntnis zu Deutschland. Insgesamt arbeiteten 70 Spezialisten in der Carrera-GT-Produktion. Die Porsche-Mitarbeiter sind stolz auf ihr prestigeträchtiges Topmodell. «Das Fahrzeug weckt Emotionen schon bei der Produktion», so Werksleiter Siegfried Bülow, «unsere Mitarbeiter waren sich immer bewusst, was es heißt, das Topmodell von Porsche bauen zu dürfen.» Das ist jetzt Legende. Die Produktion lief aus. So wartet man nun auf das viertürige Coupe namens Panamera.

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