Neuwagen: Preise in 13 Jahren um 90 Prozent gestiegen

Neuwagen: Preise in 13 Jahren um 90 Prozent gestiegen
Neuwagen von BYD im Hafen von Bremerhaven. © dpa

Die Preise für Neuwagen sind in den zurückliegenden Jahren deutlich gestiegen. Für Normalverdiener dauert es damit immer länger, sich selbst einen Kleinwagen zuzulegen.

Der Neuwagenkauf in Deutschland verlangt Beschäftigten inzwischen lange Sparzeiten ab, die je nach Modell und Beruf deutlich variieren. Eine aktuelle Auswertung von LeasingMarkt.de zeigt, wie viele Netto-Monatsgehälter Arbeitnehmer aus 15 typischen Berufsgruppen zurücklegen müssten, um ein neues Auto vollständig aus eigenen Mitteln zu bezahlen. Grundlage der Berechnung sind ausschließlich durchschnittliche Nettoeinkommen; Lebenshaltungskosten blieben unberücksichtigt.

Laut der Analyse haben sich die Preise für Neuwagen in den vergangenen 13 Jahren um mehr als 90 Prozent erhöht. Die durchschnittlichen Bruttolöhne legten im gleichen Zeitraum, wie Zahlen des Statistisches Bundesamt zeigen, lediglich um rund 40 Prozent zu. Entsprechend länger fallen heute die notwendigen Sparzeiträume aus, um einen Neuwagenkauf ohne Finanzierung zu realisieren.

Hohe Preise auch bei Einstiegsmodellen

Besonders deutlich wird diese Entwicklung am Beispiel des VW Golf, der lange als Fahrzeug für breite Bevölkerungsschichten galt. Für viele Beschäftigte ist der Kauf inzwischen jedoch nur noch nach längerer Sparphase möglich. Für den Listenpreis von rund 29.400 Euro für einen neuen VW Golf müssen Verkäufer knapp 15 Netto-Monatsgehälter sparen.

Pflegeassistenten müssen rund 14 Monate einplanen, Erzieher gut elf Monate. Fachärzte erreichen den Betrag rechnerisch nach etwa sieben Monaten, Bundestagsabgeordnete nach gut fünf Monaten. Vorstandsvorsitzende großer Unternehmen liegen statistisch bei wenigen Tagen.

Doch auch klassische Einstiegsmodelle sind längst kein Selbstläufer mehr. Für einen Opel Corsa benötigen Verkäufer rund 11,6 Netto-Monatsgehälter, Pflegeassistenten knapp elf und Erzieher etwa achteinhalb Monate. Selbst beim günstigeren VW Polo bewegen sich die Werte je nach Beruf meist zwischen sieben und zehn Monaten.

Fünf Jahre sparen für 911er

Noch länger fällt die Rechnung bei größeren und elektrischen Fahrzeugen aus. Für ein Tesla Model Y mit einem Neupreis von rund 41.000 Euro müssten Verkäufer mehr als 20 Monate sparen. Pflegeassistenten kommen auf gut 19 Monate, Erzieher auf rund 15 Monate. Vergleichbar stellt sich die Situation beim BYD Seal U dar, der preislich bei etwa 43.000 Euro liegt.

Am oberen Ende der Skala stehen Sport- und Luxusmodelle. Ein Porsche 911 mit einem Neupreis von rund 136.000 Euro entspricht für Verkäufer mehr als fünf Jahren Nettoarbeit. Pflegeassistenten und Berufskraftfahrer liegen ebenfalls jenseits der Fünfjahresmarke, Erzieher bei gut vier Jahren. Fachärzte müssten knapp drei Jahre rechnen, Bundestagsabgeordnete gut zwei Jahre.

Die Analyse betrachtet zudem Leasing als mögliche Alternative zum Barkauf. Beim VW Polo summieren sich die Leasingkosten über eine durchschnittliche Haltedauer von 10,3 Jahren auf rund 20.500 Euro. Für Verkäufer entspricht das etwa zehn Netto-Monatsgehältern und liegt damit unter dem rechnerischen Aufwand eines Neuwagenkaufs. Ähnliche Effekte zeigen sich auch bei anderen Modellen, wobei Zusatzkosten und ein möglicher Restwert unberücksichtigt bleiben.

Perspektivisch könnten günstigere Elektro-Kleinwagen die Rechnung verändern. Modelle wie der angekündigte Renault Twingo Electric oder ein VW ID. Polo sollen preislich zwischen 20.000 und 25.000 Euro liegen. Damit würde die rechnerische Sparzeit für viele Berufsgruppen wieder auf acht bis zehn Monate sinken. Niedrigere Einkommensgruppen können zudem von der neuen E-Auto-Förderung 2026 profitieren, die im Januar in Kraft getreten ist und den Neuwagenkauf mit bis zu 6.000 Euro unterstützt. (SP-X)

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