Cabrios mit zwölf Zylindern sind Luxus pur. Ein Grund mehr für Aston Martin, dem Vanquish Volante aberwitzige 835 PS zu verpassen.
Automobiler Luxus ist oft nahe an Superlativen. Aston Martin bildet da keine Ausnahme. Die britische Traditionsmarke spricht bei der Neuauflage des Vanquish Volante vom „stärksten und schnellsten Cabrio der Firmengeschichte“. In Zahlen: 835 PS und 345 km/h Spitze. Die Frage nach der Sinnhaftigkeit stellt sich hier nicht. Aston Martin liefert nur, was am Markt nachgefragt wird. Kunden stehen bisweilen Schlange, vor allem, wenn das Produkt limitiert ist. Vom Vanquish sind lediglich 999 Exemplare vorgesehen – Coupé und Cabrio. Letzteres kostet in Deutschland in der Basis 417.000 Euro.
Den Briten gelang mit dem Volante einmal mehr ein klassisches, zweisitziges Gran-Turismo-Cabrio in perfekten Proportionen. Die Abmessungen gerieten mit 4,86 Metern in der Länge und über zwei Metern Breite üppig. Beides macht das Rangieren in Innenstadt oder Parkhäusern zu einer kleinen Herausforderung, selbst wenn Sensoren und Kamera helfen, Rempler zu vermeiden.
Automatik-Getriebe an der Hinterachse
Umso entspannter lässt es sich im Vanquish Volante leben, sobald es bei sonnigem Wetter auf leere und kurvenreiche Landstraßen geht. Das elektrische Verdeck – es gibt alternativ auch die Farben Rot, Blau oder Grau – benötigt gerade einmal 14 Sekunden, um hinter den Sitzen zu verschwinden. Zur Not funktioniert die Top-down-Prozedur auch während der Fahrt bis Tempo 50. Umgekehrt natürlich ebenso, sollte überraschend Regen aufziehen.
Fahrwerk, Lenkung und Bremsen gehören zum Besten, was Ingenieure bislang unter Serienfahrzeuge geschraubt haben. Der Vanquish Volante verkörpert hohe Professionalität, lässt sich trotz seiner Größe leichtfüßig, agil und mit toller Präzision fahren. Zur besseren Balance sitzt die Acht-Gang-Automatik nicht am Motor (wäre dann arg kopflastig), sondern an der Hinterachse – zusammen mit dem elektronischen Differenzial, das innerhalb von nur 135 Millisekunden von komplett offen auf 100 Prozent sperren. Schneller macht dies laut Aston Martin kein Wettbewerber.
Fünf PS mehr als Konkurrent Ferrari
Die Sicherheitsreserven des britischen GT sind enorm. Und das ist gut so. Denn der mächtige Zwölfzylinder – eine komplette Neuentwicklung – liefert aus jeder Lebenslage Druck ohne Ende. Mit seinen 835 PS – sie dürften als kleiner Wink in Richtung Ferrari gedeutet werden, der 12Cilindri hat 830 PS – ist er fast doppelt so stark wie der Erstlings-V12, den Aston Martin vor 25 Jahren im DB7 einsetzte. Auch das Drehmoment wuchs astronomisch, von 543 auf nunmehr 1.000 Newtonmeter. Mehr Souveränität beim Fahren lässt sich mit einem Verbrennungsmotor kaum generieren. Hinzu kommt ein angenehm sonores Grollen, das die immense Kraft des Motors perfekt akustisch abbildet, erst recht, wenn man sich für die aufpreispflichtige Titan-Auspuffanlage entschieden hat.
Zu diesem schönen Sinneserlebnis trägt natürlich das luxuriöse und handwerklich top gemachte Interieur bei. Es ist eine stilvolle Mischung aus Touchscreen-Technologie und klassischen Schaltern (Hardkeys). Passend dazu: modernste Online-Konnektivität, in der Vergangenheit bei britischen Fahrzeugen ja oft genug ein Manko. Ein ganzes Bündel an zeitgemäßen Assistenzsystemen ist selbstverständlich Serie. Wem die Ausstattungsoptionen des Spitzenmodells nicht genügend Vielfalt bietet, kann seinem Individualisierungswunsch beim hausinternen Service „Q by Aston Martin“ nachkommen. Und das Business-Modell läuft prächtig. 80 Prozent der Kunden entscheiden sich für die Sonderbehandlung. (SP-X)

