Alpine A290 GTS: Schluss mit lustig im Winter

Alpine A290 GTS: Schluss mit lustig im Winter
Der Alpine A290 ist ein kleiner Elektro-Sportwagen im Kleinwagenformat. © Alpine

Die Alpine A290 ist das sportliche Pendant zum Renault 5. In der von uns gefahrenen GTS-Variante hat er 218 PS. Wir haben ihn bei winterlichen Temperaturen getestet.

Wer derzeit ein Elektroauto fährt, der muss der E-Mobilität gegenüber schon sehr aufgeschlossen sein. Trägt man nur ein Hauch von Skepsis mit sich herum, ist man geneigt, die Technologie unter winterlichen Bedingungen mit Minusgraden im fast zweistelligen Bereich zu verteufeln. Batterien von Elektroautos vertragen keine Kälte.

Das Datenblatt der von uns gefahrenen Alpine A290 GTS weist mit seiner 52 kWh starken Batterie eine Reichweite von bis zu 364 Kilometern und einem Verbrauch von 16,5 kWh/100 Kilometer aus. Das Erreichen solcher Werte bei den Testfahrten im Januar unter anderem von Berlin ins Weserbergland ist indes nur Wunschdenken.

Verbrauch zwischen 24 kWh bis 25 kWh

Je nach Fahrprofil zeigte der Bordcomputer Verbrauchswerte zwischen 23,4 und 24,9 kWh/100 km an – und das im Eco-Modus, der bei Alpine „Save“-Mode heißt. Damit waren gerade mal etwas mehr als 200 Kilometer drin. Es ist eine Reichweite, die noch ausreichend erscheint, wenn man nur in der Stadt unterwegs ist. Ist man jedoch auf der Langstrecke unterwegs – ins Weserbergland sind es aus dem südlichen Berlin rund 340 Kilometer – ist viel Langmut erforderlich. Ohne zwei Ladestopps geht das nicht.

Durchschnittlich wurde die Batterie der Alpine A290 mit 63,70 kWh geladen. Foto: Mertens

Man könnte jetzt sagen, das zwei Ladestopps noch okay sind, wenn denn das Laden schnell vonstatten ginge. Geht es aber nicht. Unter Idealbedingungen lädt die Alpine A290 ohnehin nur mit gerade einmal 100 kW. Bei einem unserer Ladestopps luden wir Batterie ausgehend von einem State of Charge (SoC) in 30:07 Minuten von 19 auf 81 Prozent. Die durchschnittliche Ladeleistung lag bei vorkonditionierter Batterie dabei bei 63,70 kWh – und das an einem Ladepark, an dem kein anderer Stromer Energie aus den Schnellladern sog. Die Vorkonditionierung funktioniert übrigens nur bei der Auswahl einer Ladestation im Navi, manuell steht diese Funktion nicht zur Verffügung.

Wunsch nach besserem Thermomanagement

Dass der Winter und Elektroautos keine Freunde sind, hatte zuletzt auch ein Test des ADAC gezeigt. Dabei stellten die Tester des Automobilclubs fest, dass die Mehrverbräuche von 14 auf dem Prüfstand stehenden Modellen zwischen 30 bis 50 Prozent über der WLTP-Angabe lagen, in der Spitze waren es sogar 57 Prozent. Entsprechend hat die Alpine A290 diesen Mehrverbrauch nicht exklusiv, was es indes auch nicht besser macht. Ein gutes Thermomanagement darf man bei einem Auto mit einem Einstandspreis für die GTS-Variante von 45.000 Euro (!) erwarten, eine bessere Ladeperformance übrigens auch.

Der Alpine A290 ist mit unterschiedlichen Leistungsstufen zu haben. Foto: Alpine

Abseits von diesen hohen (winterlichen) Verbrauchswerten, garantiert der 3,99 Meter kurze Hot Hatch der Franzosen mit seinen 218 PS viel Fahrspaß. Das Fahrwerk ist straff abgestimmt, was bei flotten Kurvenfahrten im Weserbergland ziemlich gut passt. Das trifft auch auf die direkt abgestimmte Lenkung zu: sie vermittelt eine gute Rückmeldung zu den Vorderrädern, erfordert auch nicht zu viel Lenkkraft. Wer es straffer mag, kann dafür in den Sportmodus wechseln. Der Federungskomfort des Fahrwerks ist indes unterdurchschnittlich: auf schlechten Straßenverhältnissen und Bodenwellen gerät die Karosserie der Alpine – die es auf einen Radstand von 2,53 Metern bringt – doch in Bewegung.

Spitze bei 170 km/h

Dass 218 PS für einen Fronttriebler dieser Größe manchmal zu viel sind, merkt man dann, wenn man zu vehement aufs Pedal tritt. Dann kommt die Traktion schnell an ihre Grenzen und man wünscht sich einen Heckantrieb. Aber wer es nicht übertreibt, kommt mit der rund 1,5 Tonnen schweren Alpine aber gut zurecht. Der Blick auf die Beschleunigungsdaten unterstreichen den sportlichen Anspruch des Modells: in 6,4 Sekunden erfolgt der Sprint auf Tempo 100 und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 170 km/h.

Wer so schnell unterwegs ist, der möchte auch – wenn nötig – schnell zum Stillstand kommen. Dazu sorgen 32 Zentimeter große Bremsscheiben, die Bremsanlage kommt (natürlich) von Brembo.

Überschaubarer Platz im Fond

Übersichtlich: das Cockpit der Alpine A290. Foto: Mertens

Und wie ist es mit dem Platz in diesem Fünftürer bestellt? Ähnlich wie im Renault 5, auf dem die Alpine A290 basiert. Vorn ist es okay, hinten ist es eng, sehr eng. Erwachsene jenseits von 1,80 Metern sollten auf der Rückbank nicht Platz nehmen, insbesondere die Kniefreiheit ist begrenzt. Der Kofferraum bietet Platz für 327 Liter. Die Fahrerin oder der Fahrer schauen übrigens auf zwei flache Displays. Wichtige Funktionen lassen sich übrigens weiter über Tasten bedienen, was man in Zeiten, in den man dafür häufig den Touchscreen an der Mittelkonsole bemühen muss, sehr zu schätzen lernt. Die Rekuperationsstufen lassen sich übrigens nicht über Schaltwippen einstellen, sondern das geschieht über einen blauen Drehregler am Lenkrad.

Und, lohnt sich die Anschaffung einer Alpine A290? Nun ja, der Mehrwert zu einem herkömmlichen R5 ist überschaubar. Klar, die Alpine bietet mehr Leistung, ein sportlicheres Fahrwerk und eine aggressivere Optik, dafür ist der R5 günstiger und komfortabler.

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