Mercedes-Benz: Vor 100 Jahren ging der Stern auf

Mercedes-Benz: Vor 100 Jahren ging der Stern auf
Die Mercedes-Benz Traumautos vom Modell 500 K (1936) bis zum Mercedes-AMG GT © Mercedes-Benz

Auf dem Berliner Automobilsalon 1962 zeigte Mercedes-Benz seine ersten Modelle. In all der Zeit musste sich die Marke immer wieder neu erfinden.

Es war keine Hochzeit im Himmel, sondern eine Vernunftehe, die später doch ungeahnte Emotionen freisetzte: 1926 fusionierten die Rivalen Benz und Daimler zur Daimler-Benz AG mit Sitz in Berlin. Im Oktober ließ der neue Konzern den dreizackigen Stern der Marke Mercedes-Benz erstmals im Berliner Automobilsalon strahlen. Schon das erste Programm mit den Modellen 8/38 PS und 12/55 PS, dem Tourenwagen Typ K als Vorboten der Sportwagenlinie S, SSK und SSKL sowie neuen Nutzfahrzeugen mit Frontlenker beeindruckte Fachleute und Publikum. Die Fusion angeregt hatte die Deutsche Bank, die Forderungen in Anteile am neuen Konzern tauschen wollte.

Was damals begann, taugte zum Weltruhm. Heute gilt Mercedes-Benz laut Interbrand als wertvollste Premiummarke, eine Karriere, die sich weder Carl Benz, der 1886 das dreirädrige Patent-Motorwagen baute, noch Gottlieb Daimler hätten träumen lassen. Für Autohasser ist der Stern seit Jahrzehnten eine Provokation – für Autofans ein Schmuckstück, das sogar an Schultaschen baumelt.

Mit breiter Palette durch Krisen

Unaufdringliche Eleganz – Die 1968 eingeführten „Strich-Acht“-Typen passten zum neuen Zeitgeist. Foto: Mercedes-Benz

Dabei musste sich die Marke immer wieder neu erfinden. Schon die Weltwirtschaftskrise von 1929 überstand Daimler-Benz mit einem breiten Typenprogramm vom robusten Mittelklassewagen bis zum Rekordfahrzeug, während reine Luxuslabels wie Duesenberg allmählich in die Sackgasse fuhren. 1936 kam mit dem 260 D der erste Diesel-Pkw. Nach dem Krieg lief die Produktion schon 1947 wieder an, und der 1951 eingeführte Mercedes 300 bekam den Beinamen „Adenauer“, weil ihn der erste Bundeskanzler am liebsten nutzte. 1963 folgte der „Große Mercedes“ 600, in dessen Pullman-Version sich Königin Elisabeth II. 1965 bei ihrem Deutschlandbesuch chauffieren ließ. Ikonen-Status erreichte der 300 SL mit Flügeltüren (ab 1954), und sein Rennsport-Verwandter 300 SLR kam 2022 als Uhlenhaut Coupé für 135 Millionen Euro unter den Hammer – das teuerste je versteigerte Auto.

Zugleich stand der Stern für bürgerlichen Wohlstand. Ponton (ab 1953), Heckflosse (ab 1959), Strich-Acht (ab 1968) und W123 (ab 1975) wurden zu Erfolgsausweisen der Mittelklasse, ausgestattet mit Sicherheitstechnik, die der Ingenieur Béla Barényi früh vorangetrieben hatte. Wer mehr wollte, kaufte eine S-Klasse, die seit 1972 offiziell so heißt, oder einen SL: den 1963 von Paul Bracq gestalteten „Pagoden-SL“ oder den R107 mit V8, ab 1971.

Wertvollste Premiummarke

Die 1997 eingeführte A-Klasse drohte im „Elchtest“ zu kippen. Mercedes rüstete das ESP nach. Foto: Mercedes-Benz

Die Marke konnte aber noch mehr: vorn in der Parade der Prestigemarken mitfahren und trotzdem in Kleinwagen- und Taxiflotten mitmischen. 1979 ging die G-Klasse ins Gelände, 1982 konterte der kompakte 190er den BMW 3er, und als BMW 1987 mit dem 750i in die Zwölfzylinderliga vorstieß, antwortete Mercedes 1991 mit einem V12 in der S-Klasse W140, die als erste neue Staatskarosse im wiedervereinigten Deutschland Geschichte schrieb. 1997 folgte die erste A-Klasse: Beim „Elchtest“ drohte der Mini-Benz zu kippen, Mercedes rüstete das Stabilitätssystem ESP nach und zeigte, wie Krisenmanagement geht.

Anfang der 2020er-Jahre wollte Konzernchef Ola Källenius Mercedes zur reinen Luxusmarke ohne Kleinwagen machen. Inzwischen gab es eine Kurskorrektur: Statt auf noble SUV und Supersportler setzen die Stuttgarter auf alle Segmente, mit Elektromodellen vom CLA bis zum Mercedes-Maybach EQS SUV. Zum 100-Jahr-Jubiläum bleibt Mercedes-Benz trotz Gewinneinbruch die wertvollste Premiummarke. Und die Reise soll weitergehen, wenn man dem Slogan der Klassikabteilung „Mercedes-Benz Heritage“ glaubt: „Heritage Creates Future“. (SP-X)

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