21. Dezember 2010

Fahrbericht Spritsparmodell der Schweden Volvo V50 Drive: Zu gut fürs Altenteil

Der Volvo V50 Drive - zu gut fürs Altenteil
Der Volvo V50 Drive - zu gut fürs Altenteil © Volvo

Der Volvo V50 hat Konkurrenz aus dem eigenen Haus bekommen. Mit dem V60 präsentieren die Schweden einen neuen Kompakt-Kombi. Doch für den Gang in die Rente ist der V50 noch zu rüstig, wie unser Test zeigt.




Von Frank Mertens

Gerade hat Volvo den neuen Mittelklassekombi V60 auf den Markt gebracht. Eigentlich wäre es da nur logisch gewesen, dass der V50 in Rente geschickt wird. Doch daran verschwendet der schwedische Autobauer bislang keinen Gedanken. "Er wird vorerst weitergebaut", sagt Sprecher Michael Schweitzer. "Gehen Sie davon aus, dass Sie den V 50 wohl auch noch in einem Jahr kaufen können."


V50 spricht andere Zielgruppen an

Dass der neue V60 dem betagten V50 Kunden streitig machen könnte, mag der Sprecher nicht sehen. Schließlich würden hier ganz andere Zielgruppen angesprochen, allein auch wegen des Preisunterschiedes, sagt der Sprecher. So beginnt der V50 2.0 Liter-Benziner mit 145 PS bei 26.420 Euro, für den V60 mit 150 PS werden mindestens 28.000 Euro aufgerufen. Dass eine solche Modellpolitik nichts Ungewöhnliches ist, hat unter anderem Skoda gezeigt. Bei der VW-Tochter liefen der neue und der alte Octavia Combi lange Zeit erfolgreich parallel vom Band. So lange die Nachfrage nach dem V50 stimmt, dürfte sich für ihn der Eintritt ins Rentenalter noch etwas hinauszögern.

Anzeige der Start-Stopp-Funktion im Volvo V50
Anzeige der Start-Stopp-Funktion im Volvo V50 © Volvo

Für den Kunden ist das keine schlechte Nachricht, schließlich ist der V50 ein ausgesprochen solides Fahrzeug. Von uns getestet wurde der Volvo V50 DRIVe mit 115 PS. Unter der Modellbezeichnung DRIVe firmieren bei den Schweden die besonders spritsparenden Modelle, die unter anderem mit Start-Stopp-System ausgestattet sind. Der Verbrauch unseres 1.6 Liter-Vierzylinder-Turbodiesels wird im Durchschnitt mit gerade einmal 3,8 Litern angegeben. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von 99 Gramm pro Kilometer. Zumindest in der Theorie. Denn in der Praxis hat unser Testwagen diesen Verbrauchswert deutlich verfehlt, allerdings unter winterlichen Temperaturen.

5,6 Liter Durchschnittsverbrauch

Blick in den Innenraum des Volvo V50
Blick in den Innenraum des Volvo V50 © Volvo

So wurde am Ende ein Durchschnittsverbrauch von 5,6 Litern auf dem Bordcomputer angezeigt. Wer konsequent den Spritkonsum im Auge hat, kann hier vielleicht noch bei besonders ökonomischer Fahrweise einen halben Liter einsparen. Angesichts der derzeitigen Dieselpreise sollte man ohnehin effizienter fahren. Der V50 bietet dazu auch die besten Voraussetzungen. Neben dem Start-Stopp-System, das allerdings nur bei Plusgeraden funktioniert, verfügt der Volvo auch über eine Schaltpunktanzeige, die einem anzeigt, wann man in den nächst höheren Gang schalten sollte, um Sprit zu sparen. Dabei macht das Schalten mit dem manuellen Sechsganggetriebe des V50 sogar Spaß, denn die Gänge sind knackig abgestimmt und lassen sich gut einlegen.

Der V50 ist mit aerodynamischen Felgen unterwegs
Der V50 ist mit aerodynamischen Felgen unterwegs © Volvo

Der 4,52 Meter lange Volvo lässt sich mit seinen 115 PS erstaunlich sportlich bewegen. So sorgt ein maximales Drehmoment von 270 Newtonmetern, das zwischen 1750 und 2500 Umdrehungen in der Minute anliegt, für ein kraftvolles Vorankommen. Mit einer Beschleunigung von 11, 5 Sekunden bis Tempo 100 ist er zwar kein Ausbund an Sportlichkeit, verstecken muss er sich damit aber auch nicht. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei ausreichenden 195 km/h erreicht. Der Vierzylinder-Turbodiesel erwies sich bei den Testfahrten zwar als präsent, aber die Geräuschentwicklung hielt sich selbst bei Autobahnfahrten im akzeptablen Rahmen.

Wer im V50 Platz nimmt, fühlt sich gleich wohl. Die Materialien sind wertig, die Instrumente klar strukturiert. Derjenige, der noch nie mit einem Volvo unterwegs gewesen ist, findet sich sofort zurecht. Mit einer Ausnahme: der Bedienung des Navigationssystems. Es kann entweder mittels Fernbedienung oder Druckschaltern hinter dem Lenkrad bedient werden: Beides ist indes nicht wirklich optimal.

Stolzer Preis

Tot-Winkel-Assistent Bliss: Ein Kamera erkennt hinter einem fahrendeAutos
Tot-Winkel-Assistent Bliss: Ein Kamera erkennt hinter einem fahrendeAutos © Volvo

Für Fahrer und Beifahrer bietet der V50 ausreichend Platz und auf den hinteren Plätzen finden zwei Erwachsene mit Normalgröße bequem Platz. Optional war unser Testwagen übrigens mit dem Totwinkel-Assistenten Blis (Blind Spot Informationssystem) ausgestattet. Befindet sich ein Fahrzeug beim Spurwechsel im Toten Winkel, warnt ein kleines flackerndes Licht den Fahrer. Dafür verlangt Volvo zwar 920 Euro, doch das System vermittelt einem gerade im Stadtverkehr ein gutes Gefühl. Leider scheint das System mit starkem Regen ein Problem zu haben, denn dann stand es kurzzeitig nicht zur Verfügung, was dem Fahrer durch eine Anzeige im Cockpit mitgeteilt wurde.

Das Heck des Volvo V50
Das Heck des Volvo V50 © Volvo

Wer sich für einen Kombi entscheidet, tut dies auch wegen des Kofferraumvolumens. Doch hier bietet der Volvo mit 417 Litern nur ein durchschnittliches Fassungsvermögen. Legt man die Rückbank um, werden es immerhin 1370 Liter. Unter dem Strich bietet der Volvo V50 DRIVe ein stimmiges Gesamtpaket. Doch da Volvo sich als Premiummarke versteht, rufen die Schweden auch einen Premiumpreis auf: Ein Basispreis von 26.595 Euro sind eine Ansage. In Deutschland ließen sich in den ersten elf Monaten dieses Jahres davon aber 3820 Kunden nicht abschrecken und entschieden sich für einen V50. Auf die DRIVe-Modelle entfielen dabei rund 40 Prozent der Verkäufe. Solange Volvo mit dem V50 noch solche Zahlen erreicht, dürfte es mit dem Gang in die Rente noch etwas dauern.






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