9. August 2011

Fahrbericht Pfiffige Ideen im Innenraum Renault Scenic: Sparmotor schont Urlaubskasse

Der Renault Scenic überzeugt fast auf der ganzen Linie.
Der Renault Scenic überzeugt fast auf der ganzen Linie. © AG/Mertens

Der Renault Scenic bietet Familien neben einer hohen Variabilität auch viele Nettigkeiten im Innenraum. Wer sich für den neuen 130 PS starken Sparmotor entscheidet, schont zudem die Urlaubskasse.




Von Frank Mertens

Kompakte Vans liegen im Trend. Vor allem bei Familien. Ihnen geht es neben einem hohen Maß an Variabilität vor allem auch um Effizienz. Wer mit dem Auto in den Urlaub fahren will, der möchte schließlich seine Urlaubskasse nicht an der Tankstelle überstrapazieren.

Hersteller, die mit ihren familientauglichen Fahrzeugen Erfolg haben wollen, müssen ihrer Klientel also entsprechend verbrauchsgünstige Vans anbieten. Der französische Hersteller Renault versucht dies mit dem Scenic Energy dCi 130. Für seinen 4,34 Meter langen Kompakt-Van versprechen die Franzosen dank des neuen Sparmotors, der bisher nur für den Scenic angeboten wird, in Kombination mit dem gut funktionierendem Start-Stopp-System einen kombinierten Verbrauch von gerade einmal 4,5 Litern. Das entspricht einem CO2-Ausstoß von nur 117 Gramm pro Kilometer. Besser gesagt: würde entsprechen.


5,8 Liter Durchschnittsverbrauch

Denn mit dieser Verbrauchsempfehlung stellt Renault seinen Kunden mehr in Aussicht, als man letztlich bei normaler Fahrweise erreicht. Hier genehmigte sich der Renault Scenic bei den Testfahrten im Durchschnitt mit drei Personen und einem vollgepackten Kofferraum errechnete 5,7 Liter auf 100 Kilometer. Das sind zwar 1,3 Liter mehr als vom Hersteller in Aussicht gestellt, doch die nach dem Europäischen Fahrzyklus ermittelten Verbrauchswerte haben mit der Realität ohnehin wenig gemein.

Die Instrumentafel im Renault Scenic ist mittig angebracht
Die Instrumentafel im Renault Scenic ist mittig angebracht © Renault

Also die ersten Minuspunkte für den Renault Scenic? Keineswegs! Der Verbrauch geht in Ordnung, denn auf der Autobahn wurde der Scenic auch schon mal mit flotten 160 Kilometer bewegt. Also so, wie man es nicht macht, wenn man auf Verbrauchseinsparung aus ist. Vielmehr sollte der Scenic zeigen, ob er als familientauglicher Van taugt. Das tut er – und das ohne Wenn und Aber.

Selbst bei Geschwindigkeiten jenseits der 120 Stundenkilometer erweist sich der dem Downsiziing-Prinzip folgende 1.6 Liter Turbodiesel mit seinen 130 PS und seinem maximalen Drehmoment von 320 Nm als überzeugendes Aggregat. Seine Leistungsentfaltung erfolgt absolut unaufgeregt. Der Vierzylinder stellt seine Kraft souverän dann zur Verfügung, wenn man sie abruft.

Der Sparmotor im Scenic leistet 130 PS
Der Sparmotor im Scenic leistet 130 PS © AG/Mertens

In 10,3 Sekunden vollzieht sich der Sprint auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit ist bei völlig ausreichenden 195 km/h erreicht. Nicht zu beanstanden ist auch das manuelle Sechsganggetriebe; die Gänge lassen sich ohne Hakeln gut einlegen, so muss es sein. Auch die Lenkung erfüllt die Ansprüche von Fahrern, die es mögen, wenn die Rückmeldung direkt erfolgt und man gefühlt nicht Ewigkeiten warten muss, bevor die Lenkung die Befehle auch umsetzt.

Gutes Fahrwerk

Und das Fahrwerk? Ist es so unvorteilhaft schwammig, wie man es von so vielen anderen französischen Modellen kennt? Nein, zum Glück nicht. Dieser Franzose liegt dank seiner breiten Spur (1,546 Meter vorn/1,547 Meter hinten) satt auf der Straße, wobei die Dämpfung überraschend straff ist, fast schon einen Hauch zu straff. Denn bei schlechten Fahrbahnverhältnissen bekommt man die Stöße im Innenraum merklich mit.

Trotz seines erhöhten Aufbaus neigt der 1,68 Meter hohe Scenic dank großer Querstabilisatoren selbst bei schnellen Kurvenfahrten nicht zur Seitenneigung, entsprechend agil lässt er sich hier bewegen. Dafür mag der Scenic bei Kurvenfahrten keine Querfugen – hierauf reagiert das Hinterteil doch arg sensibel. Das ist zwar nicht kritisch, aber unschön und trübt etwas den ansonsten guten Gesamteindruck des Fahrwerks.

Der Kofferraum bietet Platz für 470 Liter Gepäck
Der Kofferraum bietet Platz für 470 Liter Gepäck © AG/Mertens

Positiv ist auch der Eindruck des Innenraums. Er macht nicht nur optisch einen wertigen Eindruck, auch die Materialien fühlen sich gut an. Vor allem dürfen sich Familien über eine Vielzahl von Ablageflächen freuen. So findet nicht nur je eine große Trinkflasche in den Ablagen der Seitentüren Platz, auch unterhalb der Mittelkonsole lassen sich zwei Becher abstellen. Pfiffig gemacht ist die zwischen Fahrer- und Beifahrersitz angebrachte bewegliche Ablagebox.

Hier findet sich nicht nur ausreichend Platz für Kleinkram, sondern am Vorderteil ist auch die Steuereinheit für das Navigationsgeräts Carminat von TomTom integriert, dessen 5,8 Zoll Farbbildschirm direkt neben der digitalen Verbrauchs- und Geschwindigkeitsanzeige auf der mittig angebrachten Instrumententafel platziert ist. Das gut funktionierende Navi ist entweder Bestandteil der Ausstattungsvariante Luxe oder des Editionsmodells TomTom, kann aber auch für 490 Euro optional bestellt werden. Eine gute Investition.

Die Seitenlinie des Scenic
Die Seitenlinie des Scenic © AG/Mertens

Da man in einem Kompakt-Van häufig lange Strecken zurücklegt, kommt der Qualität der Sitze eine wichtige Bedeutung zu. Doch auch hier gibt sich der Scenic keine Blöße: Die Sitze bieten nicht nur einen guten Seitenhalt, sondern auch ausreichend Einstellmöglichkeiten wie beispielsweise für die Lendenwirbelsäule. So steigt man selbst noch nach einige Stunden Fahrt mehr oder minder entspannt aus dem Auto.

Über zu wenig Platz müssen sich auch die Passagiere im Fond nicht beklagen. Hier können es sich zwei Erwachsene und ein Kind auch auf längeren Fahrten bequem machen. Die Rücksitze lassen sich übrigens einzeln zusammenklappen beziehungsweise um bis zu 13 Zentimeter in der Länge verschieben. Das sorgt entweder für noch mehr Platz für die Passagiere im Fond oder eben für noch mehr Platz im Kofferraum, der je nach Position der zweiten Sitzreihe zwischen ohnehin schon üppigen 470 Litern bis zu 555 Litern Fassungsvermögen verfügt. Damit kann eine vierköpfige Familie getrost in den Urlaub fahren, ohne sich beim Packen über jedes Teil Gedanken machen zu müssen. Die Vordersitze verfügen an der Rückseite über zwei ausklappbare Tische, die gerade bei Kindern beliebt sind.

Das Heck des Renault Scenic
Das Heck des Renault Scenic © Renault

Ohnehin machen kleine Details diesen Scenic zu einem idealen Familienauto. So lassen sich nicht nur mit einem kleinen ausklappbaren Rückspiegel die lieben Kleinen im Fond beobachten, auch bietet der Franzose bereits serienmäßig in die Vordersitze und die beiden äußeren Fondsitze integrierte Schubladen. Hier lassen sich ebenso kleine Dinge vor allzu interessierten Blicken verstauen wie in den in den Fahrzeugboden integrierten Ablagefächern. Dass sind alles samt Kleinigkeiten, die man aber schnell zu schätzen lernt.

Der Preis für den von uns getesteten Renault Scenic Energy dCI 130 beginnt in der Ausstattungsvariante Dynamique bei 25.500 Euro. Das ist kein Sonderangebot, dafür bekommt man dafür ein bereits gut ausgestattetes Auto vor die Tür gestellt, mit dem die Reise in den nächsten Familienurlaub recht entspannt angetreten werden kann. Und wer mit dem Gasfuß behutsam umgeht, der kann dabei auch die Urlaubskasse durch moderate Tankrechnungen entlasten.






Mehr zur Marke Renault

Vorgänger des TalismanGebrauchter Renault Laguna zumeist ohne Fortune

Der Renault Laguna gilt auch in seinen letzten beiden Auflagen nicht gerade zuverlässig. Den jüngeren Modellen sollte dabei der Vorzug gegeben werden.


9,6 Millionen Fahrzeuge verkauftRenault-Nissan-Allianz: Synergie-Effekte in Milliardenhöhe

Die Renault-Nissan-Allianz hat im vergangenen Jahr seine Einsparungen auf insgesamt fünf Milliarden Euro erhöhen können. Zudem ist die französische-japanische Partnerschaft auf dem Weg zum weltgrößten Automobilhersteller.


Kompaktsportler feiert Premiere auf der IAARenault Mégane R.S. mit Allradlenkung

Renault stattet den Mégane R.S. mit der Allradlenkung 4Control aus. Der Kompaktsportler feiert auf der IAA Premiere, wird aber erst im kommenden Jahr in den Handel kommen.



Mehr aus dem Ressort

Der Suzuki Ignis sticht aus der Menge heraus
Kleinwagen mit AllradantriebSuzuki Ignis: Feuer und Flamme in Kistenformat

Suzuki beweist Mut. Die Neuauflage des Ignis polarisiert durch ihr Erscheinungsbild, erzeugt aber im realen Alltag als praktischer Kleinwagen mit eigenem Outfit eine gewisse Wärme.


Die X-Klasse von Mercedes scheut keine Fahrten ins Gelände
Erster Pickup der MarkeMercedes X-Klasse: Komfortabel durch den Matsch

Mercedes fährt mit der neuen X-Klasse ganz komfortabel ins Gelände. Die Basis bildet der Nissan Navara – die Stuttgarter haben den Pickup aber noch weiter aufbereitet. Die Autogazette fuhr schon mal im Gelände mit.


Modellpflege für TopmodellMercedes S-Klasse: Doppelter Espresso inklusive

Audi startet mit dem A8 einen neuen Angriff auf die Mercedes S-Klasse. In Stuttgart gibt man sich davon unbeeindruckt. Dort zeigt sich Entwicklungschef Ola Källenius zuversichtlich, dass man auch mit einer modellgepflegten S-Klasse seinen Spitzenplatz halten kann.