25. Oktober 2011

Fahrbericht Plattform des Chrysler 300 Lancia Thema: Italo-Amerikaner auf Kundenfang

Der Lancia Thema will in der oberen Mittelklasse angreifen.
Der Lancia Thema will in der oberen Mittelklasse angreifen. © Lancia

Die Fiat-Edeltochter Lancia bringt mit dem Thema ein neues Auto in der oberen Mittelklasse auf den Markt. Was der Italo-Amerikaner seinen europäischen Kunden zu bieten hat, zeigt unser Fahrbericht.




Von Astrid Gorgas

Nur 18 Monate nach der Übernahme Chryslers von Daimler und einem Investitionsvolumen von einer Milliarde Dollar verschafft Fiat seiner Edeltochter Lancia ein Comeback in die obere Mittelklasse. Basis für den neuen Lancia Thema ist der Chrysler 300. Zusammen mit innovativer Technik, die die Sicherheit im Fokus hat, und europäischen Fahreigenschaften, erhofft man sich mit diesem Coup, die Marke Lancia in Europa wieder stärken zu können. Gleichzeitig komplettiert der in den USA überaus erfolgreiche Ur-Van Voyager die Lancia Angebotspalette. Auch er wurde "italienisiert", also mit italienischer Finesse und Handwerkskunst für den europäischen Markt hergerichtet. Vor allem seine Fahreigenschaften wurden dem europäisches Fahrverhalten angepasst.


Lancia Thema ist echter Italo-Amerikaner

In Zeiten der Globalisierung dürfte es auch konservative Kunden nicht abschrecken, dass der neue Lancia Thema ein echter Italo-Amerikaner ist, der im kanadischen Bundesstaat Ontario produziert wird, wie auch der Lancia Voyager. Die Lancia-Techniker mussten sich bei den neuen Modellen allerdings gewaltig umstellen. Erstmals nach langen Jahrzehnten rollen nun wieder heckangetriebene Lancia von den Bändern. Viele eingefleischte Fans wird es freuen.

Das Cockpit im Lancia Thema
Das Cockpit im Lancia Thema © Lancia

Ab dem 12. November meldet sich die Traditionsmarke Lancia nun auf dem Markt der oberen Mittelklasse zurück. Über seine 120 Händler, zum Teil früheren Chrysler-Händlern, will man dieses Segment nicht mehr allein den deutschen Nobelmarken Audi, BMW und Mercedes-Benz überlassen. Sie sind aber eigentlich gar nicht die anvisierten Gegner im Kampf um die Käufergunst.

Eher die Individualisten, die die Marken Jaguar, Volvo oder Renault bevorzugen. Der neue Thema besticht durch eine exzellente serienmäßige Ausstattung zu einem guten Preis, die Basis für die erhofften Verkaufserfolge. 41.400 Euro kostet die Basis-Variante Gold mit dem Drei-Liter-V6 und 140 kW/190 PS. In der Executive-Ausstattung, die man wahlweise mit dem stärkeren Diesel, der 176 kW/239 PS auf die 20-Zoll-Leichtmetallräder bringt, müssen 50 900 Euro bezahlt werden.

Plattform kommt von Chrysler

Plattform und Architektur waren durch die Basis von Chrysler vorgegeben. Das Blechkleid schneiderten die italienischen Designer selbstverständlich neu und griffen bei Scheinwerfer und Kühlergrill auf traditionelle Elemente des alten Thema aus den 80er Jahren zurück. Am Heck soll ein verchromtes U an die gute alte Flaminia erinnern. Erklärtes Ziel war es, ein repräsentatives Flaggschiff von großer Dynamik und Ausstrahlung zu erstellen, das mit hohem Qualitätsanspruch, besonders auch im Innenraum, seine Vorzüge ausspielt. Diese Wirkung ist sicher gelungen, wenn sich auch manche Kritiker an dem immer noch bulligen Auftritt stören mögen. Er ist aber in keiner Weise mit dem der Chrysler Vorgängergeneration zu vergleichen.

Das Heck des Lancia Thema
Das Heck des Lancia Thema © Lancia

Durch eine Unterbodenverkleidung aus Verbundmaterial und mit Schaum versehenen Radkästen konnte eine dem Luxus-Segment adäquate Geräuschdämmung erzielt werden. Ein erster Fahreindruck bestätigte die insgesamt luxuriöse Anmutung in diesem Fahrzeug. Wobei die Variante in schwarzen Tönen durch reichliche Verwendung von Chrom, schwarzem Leder und schwarzem Holz sehr kühl und Zeitgeist gemäß daherkommt. Die Varianten mit Braun- und Beigetöne dagegen eine wohnliche Atmosphäre verbreiten. Über einen 8,4 Zoll großen Bildschirm mit Touchscreenbetätigung lassen sich alle an Bord benötigten Funktionen steuern. Seine LED-Beleuchtung, die auch das Armaturenbrett illuminiert, ermöglicht tadellose Sicht auf alle wichtigen Informationen. Die Bedienung erklärt sich von selbst.

Mit seiner Länge von 5,06 Metern und einer Breite von 1,48 Metern gehört der Lancia Thema zu den ausgewachsenen Modellen in seiner Klasse. Sein Verbrauch liegt im kombinierten Schnitt bei 7,1 Liter/100 km Diesel oder 9,4 Liter/100 km Benzin. Selbstverständlich kommen alle Triebwerke mit Euro 5 Abgasnorm daher. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h gibt Lancia je nach Motorisierung mit 7,9 Sekunden bis 10,1 Sekunden an. Die Höchstgeschwindigkeit soll von 232 km/h bis 240 km/h reichen. (mid)






Mehr zur Marke Lancia

Lancia

Vincenzo Lancia gründete 1906 das Unternehmen, das später die erste selbsttragende Karosserie kreierte. 1969 übernahm Fiat das Unternehmen, das besonders im Rallyesport Erfolge feierte. Seit 2009 gibt es eine enge Zusammenarbeit mit Chrysler, die allerdings den Niedergang der Marke nicht aufhalten konnte. Fiat-Chef Sergio Marcionne kündigte an, nur noch den Kleinstwagen Ypsilon anzubieten – und das auch nur noch in Italien.


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