12. Juli 2011

Fahrbericht Überzeugender Kleinwagen Kia Rio: Selbstbewusst auf Kundenfang

Der Kia Rio bietet gute Fahrleistungen.
Der Kia Rio bietet gute Fahrleistungen. © Kia

Die neue Generation des Kleinwagens Kia Rio macht eine gute Figur. Nicht nur die Verarbeitung stimmt, auch die Fahrleistungen und Verbrauchswerte geben keinen Anlass zur Kritik.




Von Sebastian Viehmann

Der will nicht nur spielen, der beißt auch: Kräftig und selbstbewusst kommt die neue Generation des Kia Rio daher. Der Hantel-förmige Kühlergrill des Kleinwagens strahlt mit Kias neuem Markengesicht, der Rio zieht die Augenbrauen hoch und zeigt allen seine großen Scheinwerfer. Eine dynamisch ansteigende Seitenlinie und pralle Radhäuser machen den properen Auftritt komplett.

Was der 4,04 Meter lange Rio von außen verspricht, kann er auch innen halten. Die Verarbeitung ist sauber, das Cockpit wirkt aufgeräumt und dennoch nicht langweilig. Es gibt reichlich Ablagen, zwei 12-Volt-Steckdosen und einen USB-Anschluss an der Mittelkonsole sowie Becher- und Flaschenhalter. Statt die Insassen mit modischen Klavierlack-Wüsten zu erschlagen, die dann doch nur zerkratzen oder fettige Fingerabdrücke wie Magneten anziehen, gibt es übersichtliche Schalter mit ein bisschen Chromschmuck. Die Instrumente sind optimal ablesbar, alles folgt dem Motto: Schick ja, Schnickschnack nein. Gegen Aufpreis wartet ein Navigationssystem mit großem Bildschirm an der Mittekonsole, kombiniert mit einer Rückfahrkamera.


Bequeme Sitze

Die Sitze sind bequem und nicht zu weich. Im Fond haben auch Erwachsene genügend Kopf- und Kniefreiheit. Die Klimaanlage verströmt ionisierte Luft und unterbindet damit Gerüche. Ein Minuspunkt ist, dass groß gewachsene Fahrer keine ideale Position hinter dem Lenkrad finden, weil ein paar Kunststoffverkleidungen den Knien im Weg sind. Der Kofferraum fasst 288 Liter, das ist guter Klassendurchschnitt und liegt auf einem Niveau mit den Frachtabteilen von VW Polo mit 280 Liter und Opel Corsa mit 285 Litern.

Der gute Eindruck setzt sich auf der Straße fast nahtlos fort. Die Lenkung ist leichtgängig, aber nicht gefühllos, die Federung komfortabel. In schnellen Kurven gibt der Rio ebenfalls eine passable Figur ab, untersteuert im üblichen Rahmen und geht kaum in die Knie. Weniger überzeugend sind die Motoren. Zur Verfügung stehen zwei Vierzylinder-Benziner, ein 1,2-Liter-Triebwerk mit 62 kW/85 PS und ein 1,4-Liter-Motor mit 80 kW/109 PS, sowie zwei Dieselaggregate, ein Dreizylinder mit 1,1 Liter großem Hubraum und 55 kW/75 PS und ein Vierzylinder mit 1,4 Litern und 66 kW/90 PS. Selbst mit 109 PS ist der Rio im Vergleich zu den kleinen Turbobenzinern der Konkurrenz etwas schwach auf der Brust und braucht hohe Drehzahlen. Immerhin ist der Motor leise und laufruhig. Der Verbrauch liegt laut Hersteller im Schnitt bei 5,1 Litern pro 100 Kilometer. Klarer Minuspunkt: Die Start-Stopp-Automatik, die bei jedem Halt Treibstoff spart, muss extra bezahlt werden.

Gute Verbrauchswerte

Der Innenraum des Kia Rio
Der Innenraum des Kia Rio © Kia

Der genügsamste Rio ist das verbrauchsoptimierte "Eco Dynamics"-Dieselmodell mit 75 PS mit einem Durchschnittsdurst von 3,2 Litern auf 100 Kilometer, 0,1 Liter weniger als beim Polo Bluemotion. Mehr Spaß macht allerdings der 1,4-Liter-Diesel mit 90 PS. Er bietet von allen Aggregaten den besten Durchzug zum Überholen, läuft unauffällig im Hintergrund und ist mit einem gut abgestuften Sechsganggetriebe kombiniert, dessen Hebel präzise durch die Schaltgasse flutscht. Den Durchschnittsverbrauch des großen Dieselmotors gibt Kia mit 4,1 Litern pro 100 Kilometer an.

Das Basismodell des Rio kostet 9 990 Euro und steht ab September beim Händler. Es hat außer ESP und sechs Airbags aber wenig Erwähnenswertes an Bord. Ungefähr bei 11 500 Euro startet das Modell Edition 7, erwarten darf man dort unter anderem Klimaanlage und CD-Radio. Knapp 14 000 Euro wird Kia für das Top-Modell aufrufen, bei dem wahrscheinlich Dinge wie LED-Tagfahrlicht, Tempomat, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Klimaautomatik und Lenkradheizung an Bord sind. Die exakten Preise und Ausstattungslisten will Kia erst später bekannt geben.

Das Heck des Kia Rio
Das Heck des Kia Rio © Kia

Teurer sind die meisten Konkurrenten aber in jedem Fall, der VW Polo zum Beispiel startet bei 12 275 Euro, der Opel Corsa bei 11 640 Euro, der Mazda2 bei 11 690 Euro und der Ford Fiesta bei 12 300 Euro. Kia gewährt außerdem sieben Jahre Garantie, viele andere Hersteller ruhen sich auf der gesetzlichen Zweijahres-Herstellergarantie aus.

In Zukunft werden die Koreaner der Konkurrenz wohl immer kräftiger in die Waden beißen. Nach dem Rio ist die Limousine Optima und 2012 die nächste Generation des Golf-Gegners Ceed an der Reihe. Kia-Präsident Hyoung-Keun Lee macht zudem keinen Hehl daraus, dass er ganz neue Segmente erobern will. "Progressiv und distinktiv" werde sich die Marke präsentieren, und das auch auf der IAA im September. Kia könnte ein Coupé mit Hinterradantrieb als Studie zeigen. (mid)






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