9. Dezember 2010

Fahrbericht M-Klasse als Basis Jeep Grand Cherokee: Alte Zeiten, neue Zeiten

Der Jeep Grand Cherokee hat besonders im Innenraum zugelegt
Der Jeep Grand Cherokee hat besonders im Innenraum zugelegt © Foto: Chrysler

Jeep wird unter dem Dach von Fiat neu ausgerichtet. Der Grand Cherokee überrascht dabei nicht nur mit einem Innenraum, der auch europäischen Ansprüchen gerecht wird.




Von Thomas Flehmer

Die Uhr wurde nicht ganz auf Null zurückgedreht. Mit der vierten Generation des Jeep Grand Cherokee beginnt trotzdem eine neue Ära des kultigen Geländewagenherstellers, der nun unter dem Dach von Fiat agiert. Sicher, wichtige Details können auch die ebenfalls legendären Italiener beim amerikanischen Premium-SUV nicht ändern, die Nähe zur Mutter aus Turin aber tat besonders dem Innenraum des immerhin 4,83 Meter langen Geländeriesen gut.


Sprung in neue Ära

Hier ist der Sprung in eine neue Ära deutlich zu spüren. Waren die amerikanischen Vorzeige-Geländewagen außen stets üppig angetreten, so verblasste damals der Glanz dann doch beim Besteigen der Mobile aus der neuen Welt. Nun aber können die Augen weiterleuchten. Denn die seelenlose Hartplastik ist einem anregendem Innenraum-Design gewichen, dass an deutsche oder britische Standards der Premiumliga gut heranreicht.

Echtholz und Leder tun dem Auge gut. Das Lenkrad kann sogar beheizt werden, sodass selbst bei diesen Temperaturen die Handschuhe in der Tasche bleiben können. Ein zweiteiliges Glasdach lässt Licht hinein, dass den riesigen Innenraum mit einem um gleich 13 Zentimeter auf 2,92 Meter gewachsenen Radstand mit Licht durchfluten kann, sodass auch der mindestens 782 Liter fassende Kofferraum, der um knapp 80 Liter zugelegt hat, beleuchtet wird.

Äußerlich zugelegt

Edel geht es im Innenraum des Jeep Grand Cherokee zu
Edel geht es im Innenraum des Jeep Grand Cherokee zu © Jeep

Die Instrumente sind gut ablesbar, die Sitze ebenso konturiert. Erfreulich - besonders für die Mitreisenden im Fond - ist, dass alle Sitze beheizbar sind. Dagegen ist das Navigationssystem schon aus der früheren Zeit bekannt und wirkt im an sich edlen Interieur etwas altbacken und steif wie die Knöpfe und Schalter der Mittelkonsole. Aber darüber kann hinweg gesehen werden, denn man kann sich wohlfühlen in dem Koloss, der auch äußerlich zugelegt hat.

Die Motorhaube sitzt höher als beim Vorgänger, was auch den Anspruch der Potenz deutlich erhöht. Geblieben sind die sieben Lüftungsschlitze im Kühlergrill, die Rundleuchten, die mittlerweile Bi-Xenon-Licht mit automatischem Fernlicht beherbergen und die an der Seite gewölbte Motorhaube sowie die trapezförmigen Radausschnitte und kurze Karosserieüberhänge.

M-Klasse als Basis

Das zweigeteilte Glasdach des Jeep Grand Cherokee lässt viel Licht durch
Das zweigeteilte Glasdach des Jeep Grand Cherokee lässt viel Licht durch © Jeep

Bei der Seitenansicht scheint ein neuer Trend zur Gedrungenheit nicht zuletzt aufgrund der hohen Gürtellinie unvermeidlich. Ähnlichkeiten mit dem Range Rover Evoque, der im September auf dem Autosalon in Paris seine Premiere feierte, sind unverkennbar.

An alte Daimler-Chrysler-Zeiten knüpft die Plattform an, für die die aktuelle M-Klasse von Mercedes herhalten musste, die allerdings im kommenden Jahr auf neue Beine gestellt wird. Den Grand Cherokee hält das nicht ab, seine Geländetauglichkeit nicht nur dank einer Bodenfreiheit von bis zu 26,5 Zentimetern unter Beweis zu stellen, auch wenn das amerikanische Flaggschiff von seinen Besitzern wohl nur selten abseits des Asphalts gesteuert werden wird. Mittels dem so genannten Select Train kann das mindestens 2,3 Tonnen schwere Fahrzeug über die Mittelkonsole auf den jeweiligen Untergrund eingestellt werden.

Zäher Anschwung

Mindestens 2,3 Tonnen ist der Jepp Grand Cherokee schwer
Mindestens 2,3 Tonnen ist der Jepp Grand Cherokee schwer © Jeep

Auf der Straße macht dem Grand Cherokee das Gewicht schon zu schaffen. Das maximale Drehmoment von 347 Newtonmetern liegt erst bei 4300 U/min an, die lediglich über fünf Gänge verfügende Automatik erinnert dann doch stark an eigentlich überwundene Zeiten. Doch sind die Anfangsschwierigkeiten überwunden, zeigt sich der 210 kW/285 PS starke 3,6-Liter-V6-Benziner recht agil.

In 9,1 Sekunden ist Tempo 100 erreicht, bis 206 km/h hält der Spaß an. Dabei hält sich der Motor von der Lautstärke und Vibrationen zurück. Die versprochenen 11,4 Liter sind dagegen wohl nur etwas für die Märchenkiste, denn der Jeep muss schon getreten werden, um die Fahrfreude zu erhalten. Da ein Abstandstempomat fehlt und auch in der lediglich in der Topausstattung Overland nicht optional erhältlich ist, gehört das Überholen zum guten Ton des Grand Cherokee, der auch noch als 5,7 Liter großer Achtzylinder angeboten wird.

Diesel kommt im Frühjahr

Der Kofferraum des Jeep Grand Cherokee legte um knapp 80 Liter zu
Der Kofferraum des Jeep Grand Cherokee legte um knapp 80 Liter zu © Jeep

Was fehlt und was weiterhin an alte Zeiten erinnert, ist der zum Marktstart fehlende Dieselmotor. Doch ein von Fiat-Powertrain völlig neu entwickelter Selbstzünder kommt erst im kommenden Frühjahr und macht Appetit auf neue Zeiten. Doch ehe die neue Ära beginnt, muss man sich noch mit den Benzinmotoren anfreunden.

Ein altes Überbleibsel ist weiterhin vorhanden. Mit einem Preis von 52.850 Euro zeigt sich der Grand Cherokee auch dank seiner üppigen Ausstattung recht attraktiv. Lediglich 800 Euro Aufpreis für eine Metallic-Lackierung fallen noch an. Aufgrund des für diese Klasse günstigen Preises scheint dann doch die Uhr stehengelieben zu sein. Da aber der Innenraum nun nicht nur Liebhaber des US-Marktes ansprechen wird, wurde die Zeit nicht auf Null zurückgedreht.






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