18. April 2011

Fahrbericht Auch mit Frontantrieb Jeep Compass: Der Letzte seiner Art

Der Compass findet sich auch im Gelände zurecht
Der Compass findet sich auch im Gelände zurecht © Jeep

Jeep schickt den Compass auf Abschiedstournee. Vor der Ablösung wurde das zuvor geschmähte Kompakt-SUV noch einmal gründlich für europäische Vorlieben zurecht gezimmert.




Von Axel F. Busse

Mit dem Neustart des Compass schlägt Jeep in Deutschland einen Kurs ein, auf dem bereits andere Offroad-Spezialisten wie zum Beispiel Land Rover schon längst unterwegs sind. Viele Kunden möchten zwar ein Auto in Geländewagenoptik fahren, können aber aufgrund ihres Anforderungsprofils auf den Allradantrieb verzichten. Denn der bringt zwar im Winter Vorteile, aber auch Gewicht und zusätzlichen Verbrauch mit sich. Der Compass mit dem Kürzel "4x2" wird als Benziner mit 115 kW/156 PS und als Diesel mit 100 kW/136 PS angeboten.


Comeback nach drei Jahren

Gut drei Jahre lang war der Jeep Compass in Deutschland nicht erhältlich. Wirklich viele Freunde hatte der an einen geschrumpften Militärtransporter erinnernde Wagen bis dahin nicht gefunden. Das jetzt vorgestellte Modell wird vermutlich auch das letzte seiner Art sein, denn der Mutterkonzern Chrysler plant für 2013 einen Ersatz der beiden Modellreihen Compass und Patriot durch ein von Grund auf neues Fahrzeug. Das neue Kompakt-SUV soll künftig verstärkt dem Ford Kuga, dem VW Tiguan oder dem Toyota RAV 4 Paroli bieten.

Die auffälligsten Änderungen hat der Compass an der Front erfahren, wo eckige Scheinwerfergläser die traditionell runden "Augen" im Jeep-Gesicht ersetzt haben. Geblieben sind die sieben senkrechten Schlitze, die allerdings nunmehr auffällige Chromeinfassungen haben. Beides zusammen wirkt gefälliger und edler als beim Vorgänger, der charakteristische Höcker auf der Motorhaube gibt dem vorderen Teil des Fahrzeugs eine athletische Note. Der Innenraum ist durch höherwertige Materialien aufgewertet worden, die schon vom Vorgänger bekannte "Kinobestuhlung", bei der die zweite Sitzreihe etwas höher montiert ist als die Vordersitze, bleibt erhalten.

Zwei Benziner, zwei Diesel

Der Jeep Compass bedient sich noch aus dem Daimler-Regal
Der Jeep Compass bedient sich noch aus dem Daimler-Regal © Jeep

Außer dem Zweiliter-Benziner mit 115 kW/156 PS, der dem Einachs-Antrieb vorbehalten ist, gibt es für den Compass noch eine zweite Variante mit Ottomotor. Dieses 2,4-Liter-Aggregat leistet 125 kW/170 PS und ist serienmäßig mit dem aktiven Vierradantriebssystem Freedom Drive I ausgerüstet. Es leistet die Antriebskraft bedarfsgesteuert mit einem Anteil von bis zu 50 Prozent auch auf die Hinterräder. Lenkung und Fahrwerk des Compass sind überarbeitet worden.

Für die Freunde der Selbstzünder-Technik hält Jeep ebenfalls zwei Varianten bereit. Mit zwei Ausstattungslinien, sechs Lackierungen und jeweils zwei Polster- und Lederfarben bietet der zweiradgetriebene Compass den 100 kW/136 PSler für den Vortrieb an, für die 4x4-Version stehen 120 kW/163 PS zur Verfügung, wobei das Ausgangstriebwerk ein 2,2 Liter großer Diesel der Baureihe OM 65 aus dem Daimler-Regal ist, dessen unterschiedliche Leistungsstufen von der Motorelektronik gesteuert werden.

Sparsamer Umgang mit Dämmstoffen

Im Cockpit des Jeep Compass kann es schon mal lauter werden
Im Cockpit des Jeep Compass kann es schon mal lauter werden © Jeep

Auf den ersten Testkilometern gefällt der Diesel-Compass durch herzhaften Antritt und gute Leistungsentfaltung, offenbart aber auch, dass allzu sparsamer Umgang mit Dämmstoffen kernige Begleitgeräusche zulassen. Vor allem beim Beschleunigen ab 2500 U/min verschafft sich der Compass energisch Gehör. Beim Autobahntempo im sechsten Gang, wo Drehzahlen um 2200 U/min anliegen, ist das Schallniveau wieder auf einem Level, wie es sich für ein Reisefahrzeug gehört. Bis auf weiteres gibt es für den Diesel lediglich ein manuelles Sechsgang-Getriebe, das sich leicht und zielsicher einrasten lässt. Auffällig lang ist der Weg des Kupplungspedals, für dessen Bedienung eine kräftige Wadenmuskulatur empfehlenswert ist.

Die kommode Innenausstattung des Compass ist wohnlich und zweckmäßig, die Sitze sind bequem und seitenstabil. Vergeblich sucht man nach einer Längsverstellung für die Lenksäule, was es für bestimmte Körpergrößen schwierig macht, die optimale Position zum Lenkrad zu finden. Zum serienmäßigen Lieferumfang gehören außer Seiten- und Kopfairbags auch eine Isofix-Kindersitzbefestigung und ein Reifendruckkontrollsystem. Nebelscheinwerfer werden ebenso mitgeliefert wie die Klimaanlage und das CD-Radio. Darüber hinaus stehen sechs verschiedene Ausstattungspakete zur Verfügung, die je nach Wunsch und Geldbeutel mit Sitzheizung, Navigationssystem, Freisprecheinrichtung oder herausschwenkbaren Lautsprechern in der Heckklappe locken.

Ab 25.200 Euro

Die Preise für den Allrad-Jeep Compass beginnen bei 27.300 Euro
Die Preise für den Allrad-Jeep Compass beginnen bei 27.300 Euro © Jeep

Den neuen Compass gibt es mit dem 115 kW/156 PS starken Ottomotor und Zweiradantrieb ab 25.200 Euro, mit Allradantrieb kostet der Benziner mindestens 27.300 Euro. Die schwächere Ausführung des Diesels ist für den gleichen Preis erhältlich (Frontantrieb), während die 4x4-Version in der gehobenen Ausstattung "Limited" mit 31.800 Euro zu veranschlagen ist. (mid)






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