6. Juli 2011

Fahrbericht Überzeugendes Hybridauto Infiniti M35h: Alles dran, alles drin

Der Infiniti M35h kann im Test überzeugen.
Der Infiniti M35h kann im Test überzeugen. © Infiniti

Nun fährt auch Infiniti mit einem Hybrid vor, dem M35h. Die Nissan-Edelmarke hat mit ihrem neusten Modell hohe Ziele. Ob sie gerechtfertigt sind, zeigt unser Testbericht.




Von Michael Specht

Eine neue Automarke in Europa zu etablieren, ist allein schon schwierig genug. Doch gleich Premium-Anbietern wie Mercedes, BMW, Audi und Jaguar die Kunden abjagen zu wollen, dazu bedarf es schon gewaltiger Anstrengungen. Denn im automobilen Oberhaus ist die Loyalität der Klientel besonders ausgeprägt, was beispielsweise Lexus seit über 20 Jahren schmerzlich zu spüren bekommt. Trotz mittlerweile attraktiven Designs und weltweit fortschrittlichster Hybridtechnologie bleiben nennenswerte Stückzahlen der Toyota-Tochter aus.

Seit Oktober 2008 lässt sich auch Nissan mit seiner Edelmarke Infiniti auf dieses Spiel ein. Anfangs mit bulligen SUV und durstigen Benzinern, dann mit schnittigen Limousinen und Dieselmotoren. Jetzt fährt Infiniti getreu dem Audi-Motto "Vorsprung durch Technik" mit seinem ersten Hybrid vor, dem M35h, einer Oberklasse-Limousine im Format eines 5er BMW, der Mercedes E-Klasse und des Audi A6. "Wir sind der weltweit erste Anbieter, der in diesem Segment ein Modell als Benziner, als Diesel und als Hybrid anbietet", so Unternehmenssprecher Wayne Bruce. Man hofft auf einen Verkaufsanteil auf Dieselniveau. Er soll 40 Prozent betragen.


Hybridantrieb ist Eigenentwicklung

Die Rechnung könnte aufgehen, zumal der Infiniti M35h mit 56 600 Euro lediglich rund 1 500 Euro mehr kostet als die Dieselversion M30d. Stolz ist Infiniti darauf, den Hybridantrieb komplett selbst entwickelt und nicht wie vor einigen Jahren im Fall Nissan Altima bei Toyota eingekauft zu haben. Zur Verfügung steht dem Fahrer des M35h eine Systemleistung von 268 kW/364 PS, wovon 225 kW/306 PS der 3,5-Liter-V6-Benziner beisteuert und 50 kW/68 PS vom Elektromotor kommen. Genug, um nach 5,5 Sekunden Tempo 100 und eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h (elektronisch abgeregelt) zu erreichen. Als Normverbrauch gibt Infiniti 7,0 Liter Kraftstoff an, was den M35h nicht nur zur sparsamsten Version der M-Baureihe macht, sondern auch zur schnellsten und leistungsstärksten.

Der Kofferraum bietet 350 Liter Volumen
Der Kofferraum bietet 350 Liter Volumen © Infiniti

Technisch handelt es sich beim M35h um einen Vollhybrid, das heißt, der Wagen lässt sich sowohl rein elektrisch als auch konventionell mit Verbrennungsmotor oder in Kombination beider Antriebe bewegen. Auf einer ersten Probefahrt in der Umgebung von London klappte all dies wunderbar. Das Infiniti-Flaggschiff zeigte sich geschmeidig, komfortabel und leise. Man muss sich schon sehr konzentrieren, um zu hören, wann sich der Benziner zu- und abschaltet. Bestätigung liefert nur der Blick auf den Drehzahlmesser, dessen Nadel auf Null verweilt, während man selbst mit 80 km/h über die Landstraßen "segelt". So nennen die Entwickler den Fahrzustand, wenn nur der Elektromotor den Wagen auf konstantem Tempo hält. Nach ein klein wenig Übung funktioniert dies für rund zwei Kilometer. Danach verlangen die Lithium-Ionen-Akkus im Heck nach neuer Ladung.

Drei Fahrmodi im Angebot

Wer bewusst sparsam unterwegs sein möchte, kann neben den drei Fahrmodi "Standard", "Schnee" und "Sport" über einen Drehschalter auf der Mittelkonsole auch die Einstellung "Eco" anwählen. Zu merken ist dies sofort an dem frühen Hochschalten der Gänge (Siebenstufen-Automatik) und ganz besonders an einem höheren Widerstand des Gaspedals. Als drücke jemand von hinten dagegen, braucht es eines beherzten Tritts, um den M35h aus seiner Öko-Lethargie zu befreien.

Das Heck des Infiniti M35h
Das Heck des Infiniti M35h © Infiniti

Die Insassen müssen aufgrund des Hybridantriebs übrigens keinerlei Einbußen beim Platzangebot in Kauf nehmen, lediglich vom Kofferraum fordert er seinen Tribut. Wegen der Batterien liegt das 350 Liter-Volumen mit 150 Litern unter dem der konventionellen Benzinversion. Auch der Tank schrumpfte: von 80 auf 70 Liter. Als äußerst üppig erweist sich dagegen die Ausstattung, die Infiniti seinem Hybridmodell spendiert. Motto: alles dran, alles drin.
Egal ob Klima, Leder, Schiebedach, elektrische Sitzverstellung, Sitzheizung, Navigation oder Audioanlage. Was fehlt, sind höchstens ein paar mehr Kunden.

Denn noch verbucht die Marke Infiniti einen zu geringen Bekanntheitsgrad. Das soll sich durch das Engagement in der Formel 1 (Red Bull Team) jetzt jedoch ändern. Erste Anzeichen gibt es. Immerhin konnten in Deutschland in den ersten sechs Monaten 2011 bereits 50 Prozent mehr Fahrzeuge abgesetzt werden als im gesamten Vorjahr. Selbst wenn die absoluten Zahlen mit 600 Stück noch auf homöopathischem Niveau liegen. (mid)






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