4. März 2011

Fahrbericht Automobiler Hörgenuss Infiniti G37x GT: Edelmann mit Sportlerherz

Der Infiniti G37x GT bietet einen betörenden Sound
Der Infiniti G37x GT bietet einen betörenden Sound © Infiniti

Mit seiner Sportlimousine G37 möchte die junge Nissan-Nobeltochter Infiniti Herstellern wie BMW und Audi die automobile Mittelklasse streitig machen. Im Test präsentiert sich der edle Nippon-Krieger als waschechte Sportlimousine.




Von Markus Henrichs

Kann es wirklich Sünde sein, den Lautstärkenregler der derart hochkarätigen Zehn-Lautsprecher-Bose-Musikanlage wie der serienmäßig im Infiniti "G37x GT Premium" eingebauten an einem sonnigen Vorfrühlingvormittag aufzudrehen? Es kann! Denn die "Musik" in dieser Sportlimousine der Nissan-Nobeltochter macht definitiv der drehzahlfreudige, 235 kW/320 PS starke 3,7-Liter-V6-Motor. Auf der nur exakt 6,0 Sekunden dauernden Fahrt von null auf 100 km/h bietet es mit seinem seidenweichen und doch sonoren Motor-Sound einen automobilen Hörgenuss der Extraklasse: betörend schöne Sechszylinderklänge, die nicht nur lustvoll in den Gehörgängen des Fahrers kitzeln, sondern auch die Träume sportwagenaffiner Menschen unweigerlich auf Reisen schicken.


Zwei Gesichter

Auf Langstreckenfahrten bietet der Mittelklässler mit seinem Premiumanspruch dank des gut gedämpften Fahrwerks gediegenen Reisekomfort ganz im Stile der Großen. Für Oberklasse-Ambiente sorgen auch der serienmäßig achtfach verstellbare Fahrersitz und das gut in der Hand liegende Lederlenkrad. Auch der großzügig mit cremefarbenem Teppichboden ausgeschlagene Innenraum und die indirekte Beleuchtung versprühen Exklusivität. Für zügiges, aber hau-ruck-freies Vorankommen sorgt die mit dem adaptiven Allradantrieb gekoppelte Siebenstufen-Automatik. Mit Ausnahme der beim automatischen Herunterschalten im "D"-Modus mitunter etwas ruppig ausfallenden Fahrstufenwechsel arbeitet sie so seidenweich wie der Sechszylinder, dessen Kraft sie auftragsgemäß an die zwei Hinter- oder bedarfsweise an alle vier Räder überträgt.

Aber der Edelasiat kann auch anders. Um nicht zu sagen: radikal anders! Durch das zur Seite schieben des Wählhebels ändert die 4,77 Meter lange Sportlimousine in einem Wimpernschlag ihren Charakter in Richtung "Sport". Beim Ampelstart im Automatikmodus "DS", und speziell bei manuellem Gangwechsel über die Schaltwippen, entwickelt der G37 einen derartigen "Bums", dass es auch erfahrene Sportwagenfahrer kurzzeitig die Gesichtszüge entgleisen lässt. Auf leichten Pedaldruck donnert es den Hinterkopf des Fahrers so brachial in die Nackenstütze, als hätte ihm Box-Legende Mike Tyson höchstpersönlich eine rechte Gerade verpasst.

Durstiges Triebwerk

Exklusives Interieur im Infiniti G37x GT
Exklusives Interieur im Infiniti G37x GT © Infiniti

"Hammer-mäßig" gibt sich allerdings auch der Kraftstoffverbrauch, über den ein Balkendiagramm im Armaturenbrett informiert. Schon bei etwas sportlicherer Herangehensweise pendelt sich der Balken in erschreckender Regelmäßigkeit zwischen der 20 und 30 Liter-Marke ein. Im Test kam der Infiniti auch bei zurückhaltender Füßelei mit dem Gaspedal auf einen stolzen Durchschnittsverbrauch von 14,9 Litern Superbenzin auf 100 Kilometern.

Der Preis des Autos in der Allradvariante wird mit 50.840 Euro angegeben. Für das Geld gibt es aber auch Fahrspaß pur: Handgeschaltet ändert die Sportlimousine dank der gut abgestimmten adaptiven Servolenkung auch ihr Einlenkverhalten radikal: Problemlos und sicher gibt sie sich auch in rasant durchfahrenen Kurven. Dank des tiefen Schwerpunkts infolge des dicht hinter der Vorderachse montierten Triebwerks klebt der G37x förmlich auf der Straße. Spätestens jetzt wird klar, warum die Japaner bei dieser Sportlimousine auf ein adaptives Fahrwerk mit manuell wählbaren Modi verzichtet haben.

Schwieriges Ausparken

DEr Infiniti G37x GT verfügt über einen Radstand von 2,85 Metern
DEr Infiniti G37x GT verfügt über einen Radstand von 2,85 Metern © Infiniti

Apropos Image: Die Scheinwerfersilhouette im Rückspiegel der vorausfahrenden Fahrzeuge scheint so exotisch, dass sie von den übrigen Verkehrsteilnehmer nicht als das wahrgenommen wird, was da an mobile Potenz anrauscht. Buchstäblich ohne "Rücksicht" ziehen sie auf die linke Spur als gäbe es kein morgen. Nur gut, dass die üppig dimensionierten Bremsen so kräftig und beherzt zupacken, wie man es von einem echten Sportwagen erwarten darf.

Mit ihm auszuparken ist allerdings schwieriger als gedacht. Denn der lange Radstand von 2,85 Meter - 10 Zentimeter mehr als beim direkten Wettbewerber, dem 3er BMW - schaffen zwar gehörig Platz für lange Beine im Fond. Zugleich gestaltet sich das Manövrieren dadurch recht umständlich.

Selbstdisziplin gefordert

Ein sonorer Motorklang begleitet den Infiniti G37x GT
Ein sonorer Motorklang begleitet den Infiniti G37x GT © Infiniti

Beim Ausparken aus rechtwinklig zur Fahrbahn befindlichen Parkboxen ist die Rückfahrkamera, die buchstäblich "um die Ecke" gucken kann, daher eine prima Hilfe. Ist der Japaner in Fahrtrichtung gebracht, bedarf es dann schon eines gewissen Maßes an Selbstdisziplin, den Ampelstart angesichts des betörend schönen Motorklangs mit einem Tritt aufs Gaspedal nicht effektvoll "musikalisch" zu untermalen. (mid)






Mehr zur Marke Infiniti

Neues Kompakt-SUV der Nissan-TochterInfiniti QX50: Premiere vor der Premiere

Die Premiere des QX50 wollte Infiniti eigentlich erst nächste Woche auf der Autoshow in Los Angeles begehen. Nun gewährt Nissans-Edelableger schon ein paar Tage vorher einen Blick auf das Kompakt-SUV.


Moderner Retro-RoadsterInfiniti elektrisiert Pebble Beach

Infiniti fährt auf dem Concours d’Elegance mit einem besonderen Rennwagen vor. Der Prototype 9 erinnert an die legendären Silberpfeile, ist aber mit einem modernen Antrieb ausgestattet.


Auch neuer Q50 in GenfInfiniti Projekt Black S: Formel 1 für die Straße

Infiniti verwandelt das Q60 Sportcoupé in einen Boliden für den Alltag. Die neue Modellfamilie bildet damit den oberen Leistungspunkt im Portfolio des Edel-Ablegers von Nissan.



Mehr aus dem Ressort

Marktstart im Frühjahr 2018Volvo XC40: Cool sein hat seinen Preis

Volvo will wachsen – und dazu beitragen soll insbesondere das Kompakt-SUV XC40. Er wird im März auf den Markt kommen. Das Auto bringt alles mit, um ein Erfolg zu werden. Wenn da nur nicht der Preis wäre.


Der VW Golf GTI TCR darf nur auf Rennkursen bewegt werden
Bei Seat gebautVW Golf GTI TCR: Nur für die Rennstrecke

65 Prozent aller Bauteile sind identisch mit einem normalen Serienmodell. Trotzdem darf der VW Golf GTI TCR nicht am Alltagsverkehr teilnehmen – und das ist auch gut so.


Porsche hat auch den Panamera Kombi hybridisiert
Turbo S E-Hybrid Sport Turismo mit 680 PSHybrider Porsche Panamera Kombi: Teilzeit-Stromer der Superlative

Porsche hat die Kombivariante des Panamera an den Stecker gepackt. Die hybride Zufuhr dient dem Turbo S E-Hybrid Sport Turismo dabei sowohl der Leistungssteigerung als auch der emissionsfreien Fahrt durch urbane Umweltzonen.