25. April 2012

Fahrbericht Mit Doppelkupplungsgetriebe Honda Crosstourer: Voll auf Angriff

Die Honda Crosstourer möchte der BMW R 1200 GS Konkurrenz machen. Fotos ▶
Die Honda Crosstourer möchte der BMW R 1200 GS Konkurrenz machen. © Honda

Die BMW R 1200 GS ist bislang das erfolgreichste Motorrad. Nun versucht die Honda Crosstourer der Konkurrenz aus München Kunden streitig zu machen und wartet dafür mit einem Doppelkupplungsgetriebe auf.




Von Fabian Hoberg

Auch Biker zeigen gerne, war sie haben, darin unterscheiden sie sich nicht von Autofahrern in schweren Geländewagen oder SUVs. Das erfolgreichste Motorrad ist seit Jahren eine schwere Geländemaschine: die BMW R1200 GS. Mit der neuen Honda Crosstourer wollen die Japaner jetzt auch in diesem Segment stärker mitmischen. Die Zutaten sind ähnlich: klares Design, kräftiger V-4 mit 1,2 Liter Hubraum (95 kW/129 PS) und einen stolzen Preis von 13.845 Euro. Doch die Honda kann mehr als nur auf dicke Hose machen.

Neben der robusten Optik, den groben Stollenreifen und der hohen Sitzposition bietet die Honda etwas, das BMW noch nicht hat: das Doppelkupplungsgetriebe DCT.


Honda Crosstourer mit drei Modi

Das arbeitet ähnlich einer Automatik, lässt sich aber auch wie eine sequenzielles Renngetriebe per Hand bedienen. Der Kupplungshebel fehlt, dafür gibt es an der rechten Bedieneinheit die Möglichkeit zwischen den drei Modi manuell, drive und sport zu wählen. Auf der linken Seite kann per Wippen hoch- und runtergeschaltet werden. Das klappt in der Praxis nach den ersten paar Metern sehr gut. Hat man sich erst einmal an die fehlende Kupplung gewöhnt, übernehmen Zeigefinger und Daumen die Schaltarbeit wie von alleine.

Das Cockpit der Honda Crosstourer
Das Cockpit der Honda Crosstourer © Honda

Ohne Zugkraftunterbrechung und nur von einem leisen „Klacken“ untermalt, schiebt die Honda zügig voran. 1000 Euro verlangt Honda für diesen zehn Kilogramm schweren Komfort, der vor allem für Wiedereinsteiger interessant sein dürfte. So können sie sich voll auf den Straßenverkehr konzentrieren, weniger aufs Suchen des richtigen Ganges. Mit Hilfe hinterlegter Kennfelder passen sich die Schaltvorgänge dem praktizierten Fahrstil an.

Design reiht sich ein in Modellfamilie

Verzichtet wurde beim Crosstourer dagegen auf die bunte Afrika-Romantik und Optik der Vorgänger Varadero und Africa Twin. Das Design des Crosstourers reiht sich nun in die aktuelle Modellfamilie der Japaner brav ein. Zu erkennen ist das unter anderem an der langen Nase unterhalb des Scheinwerfers, der kantigen Seitenverkleidung und dem Digitaltacho.

Honda bezeichnet die neue Crosstourer ehrlicherweise als Straßen-Enduro, was bei einem Leergewicht von 275 Kilogramm auch gut ist. Auf Schotterstrecken und Feldwegen kann sie noch leicht bewegt werden, schweres Gelände ist aber ihre Sache nicht mehr. Richtig wohl fühlt sie sich aber auf Asphalt. Dann kann der bärige 1,2-Liter-V4 mit 95 kW/129 PS voll ausgeschöpft werden. Unterhalb von 4.000 Touren brabbelt das Triebwerk vor sich hin und ist ideal für den gemütlichen Ritt über Landstraßen. Wer es giftig haben möchte, dreht über 6.000 Touren und freut sich auf bissiges Ansprechverhalten und sportliches Fahren.

Verstellbare Spoilerscheibe

Die Rückseite der Honda Crosstourer
Die Rückseite der Honda Crosstourer © Honda

Fast wie ein Sporttourer und mit schleifenden Fußrasten kann es dann über kurvige Strecken gehen. Auch auf Autobahn hängt die Reiseenduro bis 209 km/h gut am Gas. Dabei lassen sich die sechs Gänge des manuellen Getriebes schnell durch die Box jagen und die Kardanwelle reicht unspektakulär die Kraft weiter. Lediglich die weich abgestimmte Vordergabel und das Bremsnicken stören bei forcierter Gangart. Mit einem anderen Gabelöl oder härteren Feder lässt sich das aber beheben. Auf ein elektronisches Fahrwerk wie bei Ducati oder BMW müssen Honda-Kunden verzichten.

Ebenso wie auf eine schnell verstellbare Spoilerscheibe, die den Wind bei 1,80 Meter langen Personen nicht direkt auf den Helm leitet. Dafür sitzt der Fahrer aber bequem im Sattel mit der Einmuldung und beherrscht die Honda mit leichtem Druck in jeder Kurve. Für Fernreisen gibt es das passende Zubehör wie einen Koffersatz, Heizgriffe, Sturzbügel, Hauptständer und Bordsteckdose. Serienmäßig sind Traktionskontrolle, ABS mit Kombifunktion (für vorne und hinten) und Bordcomputer mit an Bord. Damit will Honda den Platzhirsch BMW zwar nicht von der Strecken verscheuchen, aber zumindest ganz dicht im Windschatten auf Platz zwei fahren. (SP-X)






Mehr zur Marke Honda

Premiere in TokioHonda GL 1800: Neuauflage der kultigen Goldwing

Die Honda Goldwing gehört zu den Luxus-Tourern im Segment. Auf der Tokio Motorshow haben die Japaner nun die neue GL 1800 präsentiert.


Premiere auf der IAAHonda Jazz auf der Spur des Civic

Honda frischt den Jazz auf. Der Kleinwagen wird dabei nicht nur optisch verfeinert, sondern erhält zudem noch ein neues Top-Aggregat samt neuer Ausstattungslinie.


Hohe Ziele bis 2025Honda setzt bei E-Mobilität auf Europa

Honda setzt bei der Elektromobilität auf Europa als Wachstumstreiber. Die Japaner planen, dass bis 2025 jedes dritte hier verkaufte Fahrzeug über einen Elektroantrieb verfügen soll.



Mehr aus dem Ressort

Die Vespa Sei Giorni nimmt mutig die Kurven
Technisch auf Höhe mit der GTS 300 SuperVespa Sei Giorni: Mehr als sechs Tage Spaß

Vor 66 Jahren hat Vespa auf einer sechs Tage dauernden Geländeprüfung den damals größten Erfolg im Motorsport erzielt. Die Sei Giorni bietet 66 Jahre später mehr als nur sentimentale Reminiszenzen.


Die Kawasaki Z900 vermittelt eine Menge Spaß
Nachfolger der Z800Kawasaki Z900: Puristische Mittelklasse

Kawasaki besetzt die Mittelklasse mit der Z900 neu. Wenn man auch viele neue Helferlein verzichten kann, bekommt man viel Motorrad für relativ wenig Geld.


Die BMW 310 GS
Markstart im OktoberBMW G 310 GS: Gelungener Einstieg in die Offroad-Welt

BMW konnte seinen Kunden lange kein Angebot unterhalb der 500 Kubikzentimeter machen. Doch ein Jahr nach der G 310 R kommt nun bereits die GS-Variante auf den Markt.