4. August 2016

Fahrbericht Topmodell des Kompakt-SUV VW Tiguan: Mächtig unter Druck

VW hat dem Tiguan 240 PS verpasst.
VW hat dem Tiguan 240 PS verpasst. © VW

VW packt 240 Pferde unter die Motorhaube des neuen Tiguans. Das Topmodell der neuen Generation mit dem zwei Liter großen Diesel setzt dabei auf das Motto vom Wolf im Schafspelz.




Eigentlich ist der Tiguan von Natur aus ein Auto mit bravem Naturell. Zwar kommt die zweite Generation durch ihre kantige Linienführung keineswegs unsportlich daher – aber so richtig Druck vermutet man hinter dem kompakten SUV eher nicht.

Wenn die Wolfsburger jetzt ihre TDI-Topversion mit 176 kW/240 PS auf die Straße lassen, dann sollte man allerdings auf der Hut sein vor Ampelsprints mit Tiguan-Modellen. Den Standard-Sprint auf Landstraßentempo des Doppelturbo-SUV beziffern die Wolfsburger mit 6,5 Sekunden ähnlich niedrig wie seinen gemittelten NEFZ-Verbrauch von 6,4 Litern je 100 km (167 g CO2/km).


Stärkster VW Tiguan unauffällig gekleidet

Dann nichts wie auf die Straße mit dem Wolf im Schafspelz. Traktionsprobleme – so viel sei gesagt – sind dem stärksten Tiguan fremd, ganz einfach, weil es ihn im Gegensatz zu den schwächeren Versionen erst gar nicht mit Frontantrieb gibt. Auch das Schalten übernimmt immer die bekannte Siebengang-Doppelkupplung. Und der Automat benimmt sich ganz schön sportlich, unter Last werden die Gänge mit spürbarem Ruck gewechselt, während der Selbstzünder den Allradler unter gehörigem Punch auf Tempo bringt.

Ist das mit den harschen Übersetzungswechseln nun gewollt oder Zufall? Die Charakteristik passt zu diesem wilden Kompakten. Beruhigt sich der Gasfuß wieder, dann wird auch der Automat ganz zahm und findet zur Geschmeidigkeit zurück, wenngleich er natürlich nie an eine Wandler-Lösung heranreicht. Das Topmodell ist noch eine ganze Spur souveräner und bissiger als die 190 PS-Variante, was das Reisen entspannter macht und sich zugleich positiv auf das Fahrspaß-Konto auswirkt.

Abgesehen von den Auspufftrapezen gibt sich der stärkste Tiguan unauffällig und mimt den gutmütigen Reisebegleiter. Also keine Spur von einem zu harten Fahrwerk oder dergleichen, stattdessen rollt der 4x4 kommod über schlechte Straßen und schwingt im Falle langer Autobahnwellen sanft nach. Das Platzangebot geht in Ordnung und entspricht selbstredend jenem der schwächeren Tiguan-Varianten.

Bemerkbare Zugkraftunterschiede

Auch soundtechnisch unterscheidet sich das Kraftpaket kaum von den restlichen Zweiliter-TDI’s – will heißen: Den Diesel hört man raus, aber störend laut wird er nicht. In diesem Fall vielleicht noch ein bisschen weniger, denn 500 Nm bis 2500 Umdrehungen sind der Garant für dauerhaft niedriges Drehzahllevel und damit leises Fortkommen.

Nur die Anfahrschwäche beim beherzten Losfahren macht sich jetzt brutaler bemerkbar als sonst, und das nicht etwa weil der Vierzylinder kurz nach Standgas besonders schlecht loskäme, aber der Kontrast zwischen den Zugkraft-Unterschieden von Leerlaufdrehzahl bis 1750 U/min (Maximaldrehmoment) ist so urgewaltig, dass sie nicht im Ansatz kaschiert werden kann.

VW verkneift sich luxuriöses Flair

Fein konturiert ist das Gestühl im VW Tiguan
Fein konturiert ist das Gestühl im VW Tiguan © VW

Fein konturierte Stühle laden ein zum Abspulen vieler Kilometer, hier passt der Antrieb zur Aufenthalts-Qualität. Beim Interieur freilich bleibt der Tiguan in sachlichen Sphären und seiner Klasse somit treu. So sind die Materialien zwar ordentlich verarbeitet, aber luxuriöses Flair verkneift sich der Volkswagen.

Sein größter Luxus steckt ja schon unter der Motorhaube. Und der wird vermutlich noch einmal rund 2000 Euro Mehrkosten im Vergleich zur knapp 40.000 Euro teuren 190 PS-Version nach sich ziehen. (SP-X)






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