12. Juli 2017

Fahrbericht Zwischen Tiguan und Touareg VW Tiguan Allspace: Auf den Spuren des Alaska-Bären

Der VW Tiguan wächst um knapp 22 Zentimeter zum Allspace
Der VW Tiguan wächst um knapp 22 Zentimeter zum Allspace © VW

VW hat den Tiguan um knapp 22 Zentimeter verlängert. Als Tiguan Allspace avanciert das gewachsene Kompakt-SUV fast schon zum Kleintransporter mit dynamischen Fähigkeiten.




Der Tiguan wandelt auf den Spuren des nach einem Alaska-Bären benannten Skoda Kodiaq. Als Allspace mit einem gegenüber dem normalen Tiguan um fast elf Zentimeter verlängerten Radstand spricht das ab November für mindestens 30.000 Euro erhältliche Fahrzeug die gleichen Kunden an, wie das Modell der tschechischen Konzerntochter.

Das Wachstum macht sich vor allem im Platzangebot für Passagiere und Gepäck bemerkbar. In der zweiten Sitzreihe dürfen sich die Mitfahrer etwa über fast sechs Zentimeter mehr Kniefreiheit freuen. Auch der Ein- und Ausstieg ist komfortabler, da die hinteren Türen deutlich größer geworden sind. Wenig Komfort hingegen gibt es auf den beiden im Ladeboden versenkbaren Sitzen in der dritten Reihe (750 Euro). Mehr als eine Körpergröße von 1,50 Metern sollte man nicht aufweisen, um dort Platz zu nehmen. Sonst wird’s richtig ungemütlich.


Variables Laderaumvolumen im VW Tiguan Allspace

Erheblich gestiegen ist das Laderaumvolumen. Statt 615 Liter beim Tiguan stehen im Allspace mindestens 760 und maximal 1920 Liter zur Verfügung. Als 5+2-Sitzer können hinter den beiden Stühlen in Reihe drei noch immer 230 Liter (bis zur Lehnenoberkante) als Stauraum genutzt werden.

Und das sehr variabel. Denn die beiden Teile der asymmetrisch geteilten Rückbank lassen sich in der Länge um bis zu 18 Zentimeter verschieben. Das Umklappen der Lehnen erfolgt bei Bedarf über eine Fernentriegelung im Kofferraum. Dann entsteht eine ebene - allerdings von einem ziemlich breiten Spalt unterbrochene - Fläche mit einer Gesamtlänge von 1,92 Meter. Damit wird der Allspace fast zu einem Kleintransporter.

VW fertigt Tiguan Allspace in Puebla

Das gilt allerdings nicht für seine Fahreigenschaften. Zwar stand für die ersten Touren mit dem verlängerten Tiguan lediglich die US-Version mit entsprechend weicherer Fahrwerksabstimmung und noch indifferenterem Lenkverhalten zur Verfügung. Denn in Nordamerika kommt der auch für den europäischen Markt im mexikanischen Puebla produzierte Wagen bereits im Sommer in den Handel.

Doch schon diese Variante deutet an, dass der Allspace auch durchaus dynamisch zu fahren sein wird. Selbst wenn die in diesem Fall aufgezogenen Pirelli-Ganzjahresreifen mit wenig Grip den guten Gesamteindruck trüben. Die für Europa zu erwartenden anderen Pneus und die dann straffere Federung und Dämpfung dürften dem Allspace ähnliche Fahreigenschaften verleihen, wie sie der im vergangenen Jahr in die zweite Generation gegangene Tiguan auf die Straße bringt.

Sechs Motoren für den VW Tiguan Allspace

Dynamisch ist der Tiguan Allspace unterwegs
Dynamisch ist der Tiguan Allspace unterwegs © VW

Für den Einsatz in Deutschland wird Volkswagen den Allspace, dem 20 Prozent der Tiguan-Verkäufe zugetraut werden, mit sechs Motoren anbieten. Einstiegsversion ist der 1,4-Liter-TSI mit 110 kW/150 PS. Der Zweiliter-TSI steht mit 132 kW/180 PS oder 162 kW/220 PS zur Wahl. Dieselseitig gibt es den Zweiliter-TDI in den drei Leistungsstufen mit 110 kW/150 PS, 140 kW/190 PS und 176 kW/240 PS. Alle Selbstzünder sind mit einem SCR-Katalysator und einem zwölf Liter großen AdBlue-Tank ausgestattet, um mit der Harnstoffeinspritzung die Stickoxid-Emissionen zu reduzieren.

Während der 150 PS starke Benziner mit temporärer Zylinderabschaltung (Durchschnittsverbrauch laut VW 6,0 Liter/CO2-Ausstoß 135 Gramm) ausschließlich mit Vorderradantrieb zu haben ist, kann beim 150 PS starken Einstiegsdiesel Allradantrieb optional bestellt werden. Der Motor benötigt laut Norm dann 6,9 Liter (157 Gramm CO2).

Sämtliche anderen Triebwerke sind generell mit Allradantrieb und einem Doppelkupplungsgetriebe (DSG) kombiniert. Eine Besonderheit aller allradgetrieben Tiguan Allspace ist die Active Control mit Fahrprofilauswahl. Bedient wird das System über einen Multifunktionsschalter in der Mittelkonsole. Mit ihm aktiviert der Fahrer vier übergeordnete Modi und unterschiedliche Popup-Menüs.

Kein Platz für den Atlas in Europa

Der Tiguan Allspace kostet knapp 30.000 Euro
Der Tiguan Allspace kostet knapp 30.000 Euro © VW

Passend zum Zuwachs an Radstand und Platzangebot hat VW auch die Serienausstattung des Allspace angepasst. Außer Klimaanlage, Lederlenkrad, Front Assist samt City-Notbremsfunktion und Fußgängererkennung, Spurhalteassistent und 17-Zoll-Alurädern sind bei der verlängerten Tiguan-Version unter anderem die Dachreling, ein Unterfahrschutz, das Infotainmentsystem Composition Colour mit acht Lautsprechern, das Connectivity Paket mit Telefon- und USB-Schnittstelle sowie ein variabler Ladeboden in der Basisausstattung vorhanden. Die wird für knapp unter 30.000 Euro angeboten. Das sind etwa 1800 Euro mehr als für den normalen Tiguan mit vergleichbarer Motorisierung. Aber auch 1000 Euro weniger als für einen Skoda Kodiaq aufgerufen wird, der dann allerdings bereits mit einem Allradantrieb ausgerüstet ist.

Die Idee, statt eines langen Tiguan den ausschließlich in den USA angebotenen echten Siebensitzer Atlas nach Europa zu holen, hatte VW aufgrund der Abmessungen des Autos verworfen. Das 5,04 Meter lange SUV sei vor allem wegen seiner Breite von fast 2,20 Metern (inklusive Außenspiegeln) nicht für unsere Straßen geeignet. Sowohl die meist zu engen Parkhäuser als auch die oft nur zwei Meter breiten Überholspuren in Baustellen hatten gegen einen Import gesprochen. (SP-X)

VW fährt ins Gelände






Mehr zur Marke VW

Verpflichtende UmrüstungVW-Kunden sollten auf Gewährleistungsansprüche achten

Kunden von VW sollten sich mit Blick auf die verpflichtenden Umrüstungen im Abgasskandal ihre Gewährleistungsansprüche sichern. Darauf macht die Verbraucherzentrale Sachsen aufmerksam.


Topmodell des Kleinwagens Sportliche Weihnachten mit dem VW Polo GTI

VW bringt nach dem neuen Polo auch die sportliche Variante noch in diesem Jahr auf den Markt. Der GTI wird mit den modernen Techniksystemen bestückt, behält aber auch noch die traditionellen Werte an Bord.


Streit eskaliertHändler fühlen sich von VW im Stich gelassen

Die VW- und Audi-Händler liegen mit dem Autobauer im Streit. Sie fühlen sich wegen der Dieselkrise im Stich gelassen.



Mehr aus dem Ressort

Neues SUV der RüsselsheimerOpel Grandland X: Der Aufsteiger

Das SUV-Segment wächst und wächst. Daran will auch Opel teilhaben. Deshalb setzen die Rüsselsheimer ihre SUV-Offensive fort und bringen nach dem Mokka X, dem Crossland X nun den Grandland X auf dem Markt.


Kia steigt mit dem Stonic in das Segment der Mini-SUV ein
Neues Mini-SUVKia Stonic: Tonangebend durch die trendige Harmonielehre

Kia steigt mit dem Stonic in das Segment der kleinen SUV ein. Auf dem optisch geländefähigen Ableger des Rio setzen die Koreaner ganz hohe Erwartungen.


VW vergrößert das Einsatzgebiet des Crafter
69 verschiedene Kombinationen des NutzfahrzeugsVW Crafter: Den Mount Everest ausgetrickst

Die Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen hat dem Crafter neue Derivate zukommen lassen. Der im vergangenen Jahr zum Van of the Year gewählte Transporter wird beim Angebot trotzdem weiter nachlegen.