9. Dezember 2015

Fahrbericht Als Sondermodell Generation Six VW T6 Multivan: Kulturgut für die lange Reise

Kein günstiges Vergnügen ist der VW T6 als Sondermodell Generation Six
Kein günstiges Vergnügen ist der VW T6 als Sondermodell Generation Six © AG/Flehmer

Bulli bleibt Bulli: Auch die sechste Generation des VW Multivan ist als legendäres Familienmitglied erkennbar. Zwar macht der Neue noch mehr auf Pkw, kann aber seine Nutzfahrzeug-Gene nicht verleugnen.




Ziemlich bekannt kommt er einem vor, der VW T6 Multivan; auch als Sondermodell Generation Six. Das liegt zum einen daran, dass die Nutzfahrzeugentwickler von VW die fünfte Generation des Transporters als Blaupause nahmen und kräftig überarbeitet, aber eben kein ganz neues Auto entwickelt haben. Zum anderen daran, dass der VW-Bus, gerne auch Bulli genannt , mit seiner kastig-praktischen Form ein Stück deutsches Kulturgut ist und uns tatsächlich in seinen vielen Generation schon ein Leben lang begleitet hat.


Schicke Zweifarb-Lackierung für den VW T6 Multivan

Der durchaus geschmackvoll zweifarbig lackierte Multivan (Aufpreis: 2142 Euro) ist ein Reiseauto. Zwar passt er mit seinen gut fünf Metern Länge gerade so auch in die Stadt, wenn auch nicht in jedes Parkhaus, aber als Gefährt für die tägliche Pendelei zur Arbeit und nach Hause wäre er einfach unterfordert. Zumal in der Version mit dem kräftigen 150 kW/204 PS-starken Diesel samt Siebengang-DSG-Getriebe.

Ganz klar, Generation Six, also das Sondermodell zielt auf die reiselustige Familie oder die jungen Großeltern, die mit oder ohne Enkel auf Tour gehen. Ein Handwerker würde seine Mitarbeiter eher nicht derart opulent auf Achse schicken. Dafür hat VW in der gleichen Hülle artgerechtere Gefährte im Angebot, für die nicht ohne Extras 55.484 Euro den Besitzer wechseln müssen.

Bekanntes Interieur aus der Pkw-Sparte von VW
Bekanntes Interieur aus der Pkw-Sparte von VW © VW

Im Interieur macht unser T6 auf Pkw. Handschmeichelndes Leder oder Kunststoffe der edleren Art zieren die Flächen. Das Infotainment-Paket entspricht dem aktuellen Stand und könnte so auch in einem Passat seinen Dienst verrichten. Die Sitze sind bequem und natürlich langstreckentauglich. Wer aus einem herkömmlichen Pkw kommt, muss sich nur an die etwas andere Sitzposition gewöhnen. An der Stelle kann auch ein nobel tapezierter Bulli seine Transporter-Gene nicht verleugnen. Man sitzt eben eher wie auf einem Stuhl denn in einem Sessel und das Lenkrad steht relativ flach.

Als kleine Reminiszenz an die gute alte Transporterzeit sitzt die Handbremse ganz klassisch mit langem Hebel und brav mechanisch ausgelegt am Bodenblech, während alle andere Bedienelemente fahrerorientiert am Armaturenbrett Platz gefunden haben. Das heißt zwar nicht, dass sich alles logisch erschließt, aber T5-Fahrer werden sich auskennen, ohne in die Tiefen der Bedienungsanleitung zu versinken. Was die hinteren Reihen angeht, ist Platz reichlich im Angebot. Die beiden mittleren Sitze, also die in der zweiten Reihe, sind mit einem Handgriff dreh- und verschiebbar. Sehr praktisch. Man kann sie auch ausbauen, allerdings ist das eine Übung, die der Orthopäde nicht empfiehlt.

Bänke avancieren zu Betten

Die Sitzbank in Reihe drei ist ebenfalls verschiebbar, zudem lässt sich die Lehne so flach umlegen, dass man, kippt man zudem noch die Lehnen der beiden Einzelsitze, sogar eine Art Bett erhält. Die mögliche Schlafqualität haben wir nicht getestet, uns aber gewundert, dass VW den Verschiebemechanismus in Reihe drei gut versteckt unter einer Klappe hinten an der Bank platziert hat und das ein ziemlich Gewicht geschoben werden muss. Das macht man auch zu Gunsten eines größeren Kofferraumvolumens nicht alle Tage. Für das Gepäck bleiben immer mindestens 660 Liter Platz, man kann maximal 4300 Liter unterbringen.

Der Zugang zu den hinteren Sitzen erfolgt über große Schiebetüren. (Aufpreis zweite Schiebetür: 637 Euro). Das ist einerseits sehr praktisch, weil es Platz in engen Parkbuchten spart. Andererseits müssen die im unseren Fall mechanisch arbeitenden Portale mit ordentlich Kraftaufwand geöffnet beziehungsweise geschlossen werden.

Spurtstarker Diesel des VW T6 Multivan

Der VW T6 Multivan benötigt nicht viele Tankstopps
Der VW T6 Multivan benötigt nicht viele Tankstopps © AG/Flehmer

Der Zweiliter-Diesel - als Euro6–Motor sollte er nicht vom Abgaspfusch betroffen sein – macht seine Sache gut. Auf der Autobahn belegt man wie selbstverständlich die linke Spur und flitzt mit 160 km/h dem Ziel entgegen. Wenn es sein muss, sind 203 km/h möglich. Auch die bringen den T6 fahrwerksmäßig nicht aus der Ruhe. Die Federung schluckt die meisten Boshaftigkeiten deutschen Straßenbaus, zumal wenn die im Sondermodell serienmäßige adaptive Fahrwerksabstimmung DCC auf Komfortmodus gestellt war.

Kurven sind naturgemäß nicht das Metier eines Transporters, wenngleich man sie sicher und leicht untersteuernd auch etwas schneller umrunden kann. Aber, wie bereits erwähnt, der Multivan ist ein Auto für die lange Reise, die nicht einmal allzu oft durch Tankstopps unterbrochen werden muss. Im Schnitt kamen wir mit 8,6 Litern aus, VW gibt einen Normwert von 6,3 Litern an. 80 Liter fasst der Tank, man kommt also schon in Deutschland ziemlich weit. (SP-X)






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