5. Juli 2013

Fahrbericht Ab 18.950 Euro VW Golf Variant: Auf der Spur des Passat

Der VW Golf Variant reicht vom Ladevolumen fast an den Passat Variant heran.
Der VW Golf Variant reicht vom Ladevolumen fast an den Passat Variant heran. © VW

VW schickt die fünfte Auflage des Golf Variant ins Rennen. Der Kombi gleicht sich immer mehr dem Schrägheck-Modell an und bietet zudem deutlich mehr Platz.




Deutschland ist ein Kombimarkt, dessen sind sich die Marketingstrategen sämtlicher Autofirmen bewusst. Daher ist es keine Überraschung, dass Volkswagen sein absatzstärkstes Modell jetzt wieder als Kombi anbietet. Der Golf Variant kostet ab 18.950 Euro und hat in seiner fünften Auflage so viel Ähnlichkeit wie noch nie mit dem Schrägheckmodell.


VW Golf Variant ähnelt immer mehr Schrägheckmodell

Während die Heckpartien der vorangegangenen Generationen immer markant von der Limousine abwichen, hat sich VW jetzt für mehr Familien-Charakter entschieden und dem Allrounder die fast gleichen Rückleuchten spendiert wie dem Schrägheck. Für die Vorderansicht gilt das ohnehin, und auch der Innenraum birgt keine Überraschungen. Erste Testrunden mit dem taufrischen Wolfsburger bestätigen die Eindrücke, die seit dem ersten Messeauftritt in Genf im Frühjahr dieses Jahres gesammelt werden konnten. So empfängt die aufgeräumt wirkende Architektur den Insassen mit einer betont sachlichen Note.

Die Verarbeitungsqualität entspricht dem typischen VW-Standard. Verschiedene Oberflächenmaterialien für Armaturen und Konsole wahlweise in matter oder glänzender Ausführung je nach Version und Kaufpreis differenzieren die verschiedenen Niveaus, ohne dass sich Käufer der Basisvarianten wirklich Sorgen machen müssen. Nichts klappert oder knarzt, alle Tasten klicken satt und die Drehregler rasten so präzise, wie man es von der Marke aus dem Norden Deutschlands erwartet. Nur spannend ist das natürlich alles nicht. Muss es aber bei einem solchen Fahrzeug auch nicht sein.

Kofferraum erreicht fast Passat-Größe

Die Instrumente sind dafür schnörkellos und perfekt ablesbar, alles scheint an der exakt richtigen Stelle zu sitzen; allein mehr Ablagemöglichkeiten würde man sich wünschen. Immerhin gibt es ab sofort mehr Kofferraumvolumen (1620 statt 1495 Liter bei umgeklappten Rücksitzen) und eine Ladefläche, die selbst 2,70 Meter lange Gegenstände ohne Probleme aufnimmt. Damit hat sich der Golf-Kombi bis auf gut 100 Liter an den Passat Variant angenähert.

Dass der Variant wie die Limousine in Deutschland die Nummer Eins in seinem Segment werden wird, da ist man sich in Wolfsburg sicher. Obgleich bisher nur jeder fünfte Golf ein Kombi war. Aber ein reichhaltiges Angebot an modernen Motoren dürfte die Entscheidung pro Variant erleichtern. Nur auf die leistungsstarken Antriebe á la GTI verzichtet der Hersteller.

Sparsamer Diesel als Favorit für den VW Golf Variant

1620 Liter schluckt der Kofferraum des VW Golf Variant
1620 Liter schluckt der Kofferraum des VW Golf Variant © VW

Die auf Praktikabilität getrimmten Golf-Interessenten schwören auf sparsame Dieselmotoren. Daher wird der 1,6-TDI vermutlich das meistverkaufte Familienmitglied werden. Mit einer Leistung von 77 kW/105 PS und einem moderaten Verbrauch (3,9 l je 100 km) ist der Lademeister kein Überflieger, kann aber durchaus mehr als nur im Verkehr mitschwimmen. Dank seines kräftigen Drehmoments von 250 Nm schon ab 1500 Touren legt der Selbstzünder sanfte Gewalt an den Tag und schiebt den 1,4-Tonner ordentlich voran.

Noch immer offeriert Volkswagen eine üppige Auswahl an Getrieben und verkneift sich den sechsten Gang für den Basisdiesel. Gegen 1825 Euro Aufpreis gibt es aber immerhin das Doppelkupplungsgetriebe DSG mit sogar sieben Gängen. Der kleinste Benziner mit 63 kW/85 PS muss dagegen stets mit fünf Vorwärtsgängen auskommen.

Straffe Fahrwerksabstimmung für den VW Golf Variant

Das Cockpit unterscheidet sich nicht vom normalen Serien-Golf
Das Cockpit unterscheidet sich nicht vom normalen Serien-Golf © VW

Die Doppelkupplung lässt keine Wünsche offen weder in Sachen Schaltstrategie noch bei der Geschwindigkeit, mit der sich die Übersetzungswechsel vollziehen. Eine durch die Bank straffe Fahrwerkabstimmung schmälert aber den Komfort beim Überfahren aggressiver Verwerfungen, hier hat man offenbar die sportlich angehauchte Klientel im Visier oder schlicht den Zeitgeist. Ein doch vorwiegend nützlich orientierter Kombi könnte jedoch einen Tick sanfter über Bodenwellen rollen, wie die Kollegen aus Rüsselsheim beim Astra beweisen.

Dafür glänzt die elektrische Servolenkung mit hoher Präzision, und der Geradeauslauf auf schneller Piste kann sich sehen lassen. Wenig Fahrgeräusche selbst bei Autobahntempo machen den unteren Mittelklässler zum angenehmen Tourer mit ausgewiesenen Langstrecken-Qualitäten. Straffe Sitze vorn wie hinten muten kommod an und beugen frühzeitiger Ermüdung vor. Und mit dem vergrößerten Kofferraum ist man dem französischen Wettbewerb aus dem Hause Peugeot auf der Spur und somit auf dem richtigen Weg. (AG/SP-X)






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