31. August 2015

Fahrbericht Nicht nur dienstlich mit Erdgas unterwegs VW Golf TGI BM: Der unterschätzte Golf

Mit dem VW Golf TGI Bluemotion ist man sparsam und umweltschonend unterwegs.
Mit dem VW Golf TGI Bluemotion ist man sparsam und umweltschonend unterwegs. © AG/Flehmer

Der VW Golf TGI Bluemotion spart dem Fuhrpark dank des Einsatzes von Erdgas und steuerlichen Vergünstigungen Kosten. Der Viertürer eignet sich aber ebenso als Familienkutsche – trotz eingeschränktem Kofferraumvolumens.




Von Thomas Flehmer

Man mag es gar nicht glauben, doch selbst in der Golf-Baureihe stehen Mauerblümchen. Dem Erdgas-Modell des kompakten Klassikers aus Wolfsburg wird in den Schauräumen zumeist nur die hinterste Reihe eingeräumt. Damit bewegt sich der Golf TGI Bluemotion ebenso unauffällig wie das Feld der Erdgasfahrzeuge an sich. Gerade mal 3460 Pkw mit Erdgasantrieb wurden im ersten Halbjahr in Deutschland verkauft. Dabei eignet sich gerade ein Erdgasauto zum Sparen, wie auch die Testfahrten mit dem Golf TGI BM bewiesen.


3,47 Euro für 100 Kilometer

In der Stadt wurden bei einem überwiegenden Anteil von Stadtautobahnkilometern 3,5 Kilogramm pro 100 Kilometer benötigt. Bei einem Preis von 0,99 bis 1,15 Euro pro Kilogramm sind das Ausgaben zwischen 3,47 und 4,03 Euro. Auf der Langstrecke wurden nach 480 Kilometern zwischen Berlin und Münster 4,2 Kilogramm nach einer Fahrt mit allen Geschwindigkeitsbereichen notiert und somit Ausgaben zwischen 3,99 und 4,83 Euro - und Sparpotenzial hinsichtlich der Fahrweise ist immer vorhanden, ohne den anderen Verkehrsteilnehmern ein Hindernis zu sein. Angesichts der fallenden Ölpreise befindet sich Erdgas damit auf Augenhöhe mit dem Diesel und hat große Vorteile gegenüber dem Benziner.

Denn der Golf TGI kann nicht nur 15 Kilogramm Erdgas unterbringen, sondern hat auch noch den regulären 50 Liter großen Benzintank mit an Bord, sodass im Prinzip über 1300 Kilometer möglich wären, ehe die nächste Tanke angesteuert werden müsste.

Kein Angst vor fehlender Reichweite mit dem VW Golf TGI

Doch wer mit Erdgas unterwegs sein möchte, der hat sich vorher auch schon über die Infrastruktur informiert und möchte so oft wie möglich den alternativen Kraftstoff nutzen. Und auch wenn das Netz mit etwa 920 Erdgas-Tankstellen in Deutschland übersichtlich gestaltet ist, liegt ein Kaufhindernis nur dann vor, wenn man wirklich Umwege fahren muss, um wieder eine Erdgas-Tanke zu entdecken. Das kann in ländlichen Regionen der Fall sein, in Städten und auch über Land sollten keine Probleme bestehen.

In den urbanen Ballungsräumen ist das Netz recht flächendeckend, über Land bieten viele Autohöfe CNG an. Die Fuhrparkmanager werden jedem Außendienstmitarbeiter einen CNG-Atlas mit ins Auto legen. Ansonsten helfen spezielle Apps oder Angebote im Internet, um alle 350 bis 400 Kilometer den nächsten Zapfhahn anzusteuern. Und dass der Zapfschlauch fest mit dem Tank verbunden werden und anschließend ein Knopf gerückt werden muss, erschließt sich jedem, der die Führerscheinprüfung geschafft hat. Und auch der Gewöhnungseffekt setzt schnell ein.

Leise im VW Golf TGI unterwegs

Die CNG-Anzeige befindet sich im Drehzahlmesser
Die CNG-Anzeige befindet sich im Drehzahlmesser © AG/Flehmer

Ist keine CNG-Tankstelle in Reichweite schaltet der Golf TGI fast unmerklich auf Benzin um. Fast nur deshalb, weil die CNG-Tankanzeige im Drehzahlmesser sich verdunkelt, dafür die Benzinanzeige im Geschwindigkeitsanzeiger aufleuchtet und zudem ein gelbes „Achtung-Schild“ darauf hinweist, dass der Erdgastank leer ist.

Nach der Umstellung agiert der Golf TGI dabei nicht etwa schneller oder langsamer, der 81 kW / 110 PS starke Motor stellt weiter seine Leistung zur Verfügung. 10,9 Sekunden benötigt der alternative Golf für den Sprint, mit 194 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht. Man merkt kaum, dass man mit Erdgas unterwegs ist, lediglich der Geräuschpegel ist noch etwas leiser als beim Benziner. Fahrwerk, Lenkung und Schaltung haben die typische Wolfsburger Qualität, die das Fahren so angenehm macht.

Günstige CO2-Bilanz des VW Golf TGI

Das Kofferraumvolumen des VW Golf TGI ist eingeschränkt
Das Kofferraumvolumen des VW Golf TGI ist eingeschränkt © AG/Flehmer

Da der Kompakte genügend Platz für die Insassen anbietet, können Personentransporte in der Stadt oder auch über Land wie gewohnt stattfinden. Beim Gepäck müssen auf 89 Liter verzichtet werden, die für den Erdgastank draufgehen. Da erreicht der Golf dann eher Polo-Niveau.

Wer auf die 89 Liter verzichten kann, muss dann noch die zunächst sehr hoch wirkende Hürde der Anschaffung überwinden. 25.850 Euro müssen für den Erdgas-Golf in der Comfortline-Version angelegt werden. Das sind 4450 Euro mehr im Vergleich zum gleichstarken TSI, der mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,9 Litern angegeben wird. Bei einem Preis von 1,36 Euro pro Liter liegen die Kraftstoffkosten bei 6,64 auf 100 Kilometern, also zwischen 1,80 bis 2,65 Euro höher als beim Erdgas - und das ist der angegebene und nicht tatsächliche Verbrauch, der in der Regel sich noch etwas höher ansiedelt.

Der TDI startet bei 24.575 Euro. Hier zieht sich die Amortisierung im Vergleich zum TGI allein von den Kraftstoffkosten länger hin. Dafür fällt die Steuer für den TGI mit lediglich 28 Euro Steuer pro Jahr sehr günstig aus. Hinzu kommt die günstige CO2-Bilanz, die durch das Tanken von Biogas (leider noch nicht weit verbreitet) weiter gedrückt werden kann. Der unterschätzte Golf ist ein Außenseiter mit hohem Überholpotenzial und sollte auch in den Showrooms der Händler ein paar Reihen vorher ausgestellt werden – egal, ob für den gewerblichen oder privaten Gebrauch.






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