31. Januar 2014

Fahrbericht Erste Ausfahrt auf Schnee und Eis VW Golf R: Potenzierter Fahrspaß

Der neue VW Golf R hat 30 PS mehr erhalten.
Der neue VW Golf R hat 30 PS mehr erhalten. © VW

Die vierte Generation des VW Golf R demütigt den Vorgänger nicht nur um eine 15-sekündigere schnellere Nordschleifen-Runde. Die meisten Freunde sportlicher Kompaktfahrzeuge müssen sich allerdings wohl mit dem GTI zufrieden geben.




Die Kälte knistert, beißt durch die dicken Handschuhe wie ein Bullterrier. 26 Grad minus zeigt das Thermometer, die Seenlandschaft rund um das nordschwedische Kaff Arvidsjaur ist von Eis und Schnee bedeckt. Röhrend jagt die jüngste und bislang stärkste Ausgabe des Golf R über die zugefrorenen Seen, wirft mit Schneefontänen um sich und dreht im Rahmen des Winterfahrprogramms der Volkswagen Driving Experience seine ersten Runden in der Öffentlichkeit. 38.386 Euro kostet die Basisversion des Golf R, dafür bietet VW einen stramm aufgeladenen Vierzylinderturbo, dessen zwei Liter Hubraum für 221 kW/300 PS gut sind, ein manuelles Sechsganggetriebe und den Allradantrieb 4motion. Jede Menge Fahrspaß also.


VW Golf R 30 PS stärker als Vorgängerversion

Besser als der Vorgänger zu sein ist gerade dann eher schwierig, wenn der bereits auf hohem Niveau siedelte. Doch die Nürburgring-Nordschleife umrundet der Neue um satte 15 Sekunden schneller als der bisherige Golf R. Was nicht nur an der um 30 PS höheren Leistung liegt. 1476 Kilogramm und damit 45 Kilogramm weniger Gewicht bringt die vierte Generation des VW-Athleten auf die Waage. Außerdem strafft der neue Race-Modus, der die früheren Fahrprogramm-Einstellungen Eco und Normal erweitert, das Fahrwerk und das Ansprechverhalten des Antriebsstrangs. Die um zwei Zentimeter tiefergelegte Karosserie sorgt für weitere Zehntel bei der Tempojagd.

Überraschend sanftmütig setzt sich das Kraftwerk in Bewegung. Von Anfahrschwächen keine Spur, der Motor zeigt seine zarteste Schokoladenseite. Dazu den Eco-Fahrmodus gewählt, der PS-Protz würde sich nur marginal vom Komfortangebot der Einstiegsversionen seiner Baureihen-Brüder unterscheiden. Allein die Geräuschentwicklung gaukelt Rabaukentum vor. Die künstliche Klang-Architektur beschallt auf Wunsch vor allem den Innenraum und bereitet dem Fahrer und seinen Passagieren ein eindringliches akustisches Vergnügen. Der Golf R johlt und sprozelt wie es sonst nur Hochleistungs-Triebwerken mit wenigstens einem Zylinder mehr gelingt. Die zweiflutige Auspuffanlage mit ihren eher aufdringlichen vier Endrohren bereichert das Klangerlebnis dabei kraftvoll.

VW Golf R optisch als Wolf im Schafspelz

Optisch dagegen gibt der Golf R den Wolf im Schafspelz. Unauffällig eilt er seiner Wege, nur mit kleinen Details gibt er sich zu erkennen. Ein Diffusor in Mitten des Rohr-Quartetts gehört ebenso dazu wie mächtige Leichtmetallräder im 18-Zoll-Format und die mit dem R-Symbol gekennzeichneten Bremssätteln dahinter. Innen gibt es kombinierte Leder-Stoff-Bezüge, ein wenig Karbon- und Klavierlackoptik sowie blaue Zeiger in den Rundinstrumenten.

Um einen Looping bereichert der R-Pilot das Sportflieger-Programm jedoch per Tastendruck. Schon der normale Modus schärft das Profil aller beteiligten Systeme erheblich, die Race-Stellung macht den Golf R fit für den Wettbewerb und verspricht so manchen Rundenrekord. Nicht nur in der Eifel. Scharf reagiert die Progressivlenkung auf den knappen Einschlag des lederbezogenen Dreispeichen-Volants, die Bremsen schnappen zu wie der Hai auf Jagd. Das vereinfacht die Kurskontrolle und garantiert sicheres Abbremsen in Notsituationen. In die gerät der Golf R jedoch lange nicht, denn das Antischleuderprogramm ESC hilft in brenzligen Lagen zuverlässig. Es lässt sich an sportlichere und ultimativ sportliche Fahrweisen anpassen.

VW Golf R im kontrolliertem Drift

Der VW Golf R sieht eigentlich ganz harmlos aus
Der VW Golf R sieht eigentlich ganz harmlos aus © VW

Es erlaubt den begrenzten Drift, dank der souveränen Leistung und dem stets im Überfluss anliegenden Drehmoments lässt der sich fein kontrollieren. In der nächsten Stufe geht das ESC in den Schlafmodus und gibt die Fahrt frei, empfehlenswert allerdings nur für wirklich geübte Piloten am Golf-R-Lenkrad. Jeder dagegen kommt straffrei in den Genuss der elektronischen XDS+-Differenzialsperre, die mit neuer Konfiguration das kurveninnere Rad in vorausschauendem Gehorsam beim Einlenken sanft abbremst und so die Kurvenwilligkeit deutlich verbessert. Der Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung unterstützt das äußerst agile Fahrverhalten zusätzlich.

Die Maschine dreht mit größter Freude in beachtliche Höhen. Die Durchzugskraft will gar nicht abreißen, und schon bei weniger als 1200 Umdrehungen setzt der Schub sanft ein. 380 Newtonmeter Drehmoment stemmt der Vierzylinder bei 1800/min, bis 5500 /min bleibt es konstant.

50.000 Euro bei VW Golf R schnell erreicht

Der VW Golf R ist kein günstiges Vergnügen
Der VW Golf R ist kein günstiges Vergnügen © VW

Die Kombination mit der sechsgängigen Doppelkupplungsautomatik (1925 Euro Aufpreis) steigert nicht nur den Komfort und die Bequemlichkeit des Fahrers, sie verbessert obendrein die Fahrleistungen. Statt 5,1 braucht der Golf R dann nur 4,9 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h. Der Verbrauch sinkt von 7,1 auf 6,9 Liter Benzin für 100 Kilometer, das Spitzentempo wird einheitlich bei 250 km/h abgeregelt. Mit einem Leistungsgewicht von 4,95 Kilogramm je PS stößt der Golf R klar ins Sportwagenregiment vor und gibt dort keineswegs die Rolle eines unerfahrenen Debütanten.

Der beste Golf im Stall ist allerdings auch der teuerste. Schnell ist er zwar in allen Fahrsituationen, nicht minder flink sprintet aber auch sein Gesamtpreis nach oben. Schon mit DSG und Lederausstattung, Sonderlack und Soundanlage oder Navigationssystem springt er in bedrohliche Nähe der 50.000-Euro-Marke. Und damit ist die Liste der Begehrlichkeiten im Ausstattungskatalog noch lange nicht erschöpft. Es bedarf schon einiger Promille an Benzin im Blut, um vom Interessenten zum Käufer eines Golf R zu werden. Schließlich hat VW noch einige andere nette Sportsfreunde im Programm. Viele werden sich auch in Zukunft mit einem 10.000 Euro billigeren Golf GTI oder gar dem Polo GT begnügen. (SP-X)






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