16. April 2015

Fahrbericht Kombi mit 300 PS VW Golf R Variant: Alltagssportler

Der VW Golf R Variant auf der Rennstrecke Fotos ▶
Der VW Golf R Variant auf der Rennstrecke © VW

Braucht man das? Einen Kombi mit 300 PS? Nein, braucht man natürlich nicht, aber der neue VW Golf R Variant sieht nicht nur gut aus, sondern sorgt auch für hervorragende Fahrleistungen.




Von Frank Mertens

"Das Produkt steht bei uns an erster Stelle." Ein wenig musste man über diesen Satz des VW-Sprechers bei der Vorstellung von gleich drei neuen Golf-Modellen am Dienstagabend in Malaga schon schmunzeln. Schließlich stehen in diesen Tagen bei Europas größtem Autobauer weniger die Autos im Mittelpunkt des Interesses als vielmehr die von VW-Patriarch Ferdinand Piech ("Ich bin auf Distanz zu Winterkorn") ausgelöste Führungskrise bei den Wolfsburgern.

Doch was gibt es dazu schon Neues zu vermelden als die Spekulationen und Wasserstandsmeldungen der zurückliegenden Tage? Sie drehen sich alle um die Frage, ob Konzernchef Martin Winterkorn nach diesem Vertrauensentzug seitens seines mächtigen Aufsichtsratsvorsitzenden überhaupt noch zu halten ist und wie der Machtkampf ausgeht. Da weder der eine (Piech) noch der andere (Winterkorn) in Malaga anwesend waren, kann man also doch zur Tagesordnung übergehen - und den Versuch unternehmen, dass Interesse dahin zu lenken, wo es bei einem Autobauer eigentlich hingehört: auf die Produkte nämlich.


Drei Autos, ein Slogan

Selbst bei Volkswagen kommt es nicht allzu häufig vor, dass man gleich drei Premieren feiert: die des Golf R Variant, des Golf Alltrack und des Golf GTD Variant. Drei Autos, ein Slogan: Faster, Higher, Further (schneller, höher, weiter). Wir haben uns für das Faster entschieden - und damit für den Golf R. Während die Limousine schon seit geraumer Zeit auf dem Markt ist, schicken die Niedersachsen nun also den Kombi hinterher, der bei ihnen Variant heißt. Unterwegs ist der Golf R wie die Limousine mit einem 300 PS starken Vierzylinder-Benziner mit Turbolader.

Dieses Aggregat verfügt nicht nur nur über ein maximales Drehmoment von satten 380 Nm, sondern stellt es auch noch über das breite Drehzahlband von 1800 bis 5500 Touren zur Verfügung. Damit lässt sich der sportliche Variant in Kombination mit dem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe nicht nur in 5,1 Sekunden auf Tempo 100 hochjagen, sondern bietet damit aus (fast) jeder Fahrsituation für einen kraftvollen Antrieb. Elektronisch abgeregelt endet er dann bei 250 km/h. Doch Topspeed ist das eine, seine Fahreigenschaften das andere - und auch viel wichtigere.

Fahrerisches Können im Blick haben

Das Cockpit des VW Golf R
Das Cockpit des VW Golf R © VW

Denn dank des Allradantriebes und eines Sperrfifferenzials erweist sich dieser Golf R selbst auf der Rennstrecke von Ascari in der Nähe von Marbella als souveräner Begleiter. Er liegt satt auf der Straße, zieht unaufgeregt seine Bahn, auch wenn er in Kurven doch dazu neigt, sein Heck leicht nach vorn zu schieben. Aber das ist nicht wirklich ein Problem. Wenn es denn einmal doch zu sehr abseits der Ideallinie geht, regelt einen das ESP gefühlvoll ein. Das alles geschieht so unaufgeregt, dass man schnell meint, doch ein recht guter Fahrer zu sein.



Doch alle technischen Helferlein an Bord des Golf R können natürlich die Physik auch nicht umkehren - entsprechend sollte man sich immer seiner persönlichen fahrerischen Möglichkeiten bewusst sein. Zu leicht wird man von diesem Fahrzeug dazu verleitet, sich zu überschätzen. Also wer sich für einen Golf R entscheidet, der sollte gleich auch ein Fahrtraining mitbuchen. Schaden kann es nicht. Und wer mindestens 42.925 Euro für dieses Auto ausgibt, der wird die paar Hundert Euro dafür auch noch übrig haben.

605 Liter Kofferraum-Volumen

Heckansicht des Golf R Variant
Heckansicht des Golf R Variant © VW

Auch wenn man den Golf R recht sportlich und souverän über die Strecke in Ascari jagen kann - hier wünscht man sich beim Herausbeschleunigen aus den Kurven dann doch noch ein paar PS mehr - ist er durchaus ein sehr alltagstaugliches Auto. Dafür sorgt nicht nur sein Kofferraumvolumen von mindestens 605 Litern, sondern auch die optionale Fahrwerksregelung DCC (Aufpreis 1050 Euro). Sie ermöglicht neben dem Race Mode auch die Einstellung auf die Fahrprofile Komfort, Normal, Eco und Individual.

Damit kann man sich das Fahrwerk ganz seinen persönlichen Vorlieben einstellen. Wenn es interessiert: es wird ein Verbrauch von sieben Litern in Aussicht gestellt. Theoretisch. Bei den Testfahrten im Hinterland von Malaga zeigte der Bordcomputer 9,1 Liter an - dennoch ein guter Wert für ein Auto mit dieser Leistung.

Nach den Testfahrten mit dem Golf R Variant ist man geneigt, dem VW-Sprecher zuzustimmen, dass in Wolfsburg das Produkt an erster Stelle steht. Zumindest solange, bis der nächste knappe Satz aus Salzburg all die schönen neuen Modelle wieder zweitrangig macht.






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