11. März 2014

Fahrbericht Reichweite zwischen 130 bis 190 km VW E-Golf: Ein Golf bleibt ein Golf

Auch der E-Golf sieht wie ein Golf aus. Fotos ▶
Auch der E-Golf sieht wie ein Golf aus. © VW

VW präsentiert nach dem Up mit dem Golf nun sein zweites Elektroauto. Der Bestseller der Wolfsburger kann bei Testfahrten in Berlin überzeugen – doch revolutionär ist er nicht.




Von Frank Mertens

Vor 40 Jahren ist der erste VW Golf vom Band gelaufen. Mittlerweile gibt es die siebte Generation des Bestsellers aus Wolfsburg. Weltweit wurden vom Golf bis heute mehr als 30 Millionen Einheiten verkauft. Pünktlich zum Jubiläum schickt Europas größter Autobauer nun den Elektro-Golf an den Start, der im Mai zu einem Basispreis von 34.900 Euro zu den Händlern rollt. Damit startet nun auch VW mit seinem wichtigsten Modell ins Abenteuer Elektromobilität, nachdem man bereits im Vorjahr den VW E-Up auf den Markt gebracht hatte.


VW umwirbt E-Mobilität

Ob der E-Golf angesichts der nach wie vor hohen Preise für E-Autos und der noch überschaubaren Reichweite von 190 Kilometern ein Erfolg wird, bleibt abzuwarten. Derzeit führt die Elektromobilität in Deutschland auch aufgrund der nicht vorhandenen Förderungen seitens des Staates ein Schattendasein. Damit sich das ändert, zumindest beim Golf und dem bereits auf dem Markt befindlichen E-Up, hat VW nun kräftig die Werbemaschinerie angeschmissen.

Seit dem vergangenen Wochenende laufen auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof die E-Mobilitätswochen. Hier soll den Kunden bis zum 21. März die Gelegenheit gegeben werden, Elektromobilität kennenzulernen. Dazu gibt es nicht nur eine Ausstellung im Hangar 2, sondern es stehen auch 150 Elektro-Autos für Probefahrten zur Verfügung – darunter ist neben dem E-Up auch der E-Golf.

Auch ein E-Golf bleibt ein Golf

190 km maximale Reichweire im E-Golf
190 km maximale Reichweire im E-Golf © VW

Wer meint, hier vom Aussehen Überraschungen zu erleben, der wird enttäuscht. Während BMW mit seinem i3 extra ein komplett neues Auto für die E-Mobilität entwickelt hat und es vor allem in Innenraum durchaus futuristisch gestaltet hat, ist beim Golf alles so geblieben wie man es auch von Generation 7 kennt. Nur unter der Karosserie finden die Veränderungen statt: hier werkelt statt eines Verbrennungsmotors ein 115 PS starker Elektromotor – und er bringt es auf ein sattes Drehmoment von 270 Nm.

Das liegt, wie man es von anderen E-Autos kennt, sofort an und ermöglicht einen ausgesprochen flotten Antrieb – so man diesen denn auf den zumeist verstopften Straßen der Hauptstadt erleben kann. Hat man doch einmal freie Fahrt, dann beschleunigt der 1,5 Tonnen (318 Kilogramm entfallen davon übrigens auf die Lithium-Ionen-Batterie) schwere E-Golf in 10,4 Sekunden auf Tempo 100. Wer will, der kann im neuen E-Golf sogar eine Spitzengeschwindigkeit von 140 km/h erreichen, wenn er denn die Batterie schnell leerfahren möchte. Offiziell liegt die Reichweite nach dem NEFZ bei 190 Kilometer. Doch im Realbetrieb sollte man sich wohl eher auf 130 bis 140 Kilometer einstellen.

Sparen im Eco+-Modus

Doch der Verbrauch hängt, wie beim Verbrenner, entscheidend vom Fahrstil ab. Und den kann der Fahrer im E-Golf mit der Wahl der drei Fahrmodi Normal, Eco und Eco+ zusätzlich beeinflussen. Wer besonders weit kommen will, der wählt Eco+. So unterwegs stehen statt der Maximalleistung von 85 kW nur noch 55 kW und statt eines Drehmoments von 270 Nm nur noch 175 Nm zur Verfügung. Zugleich wird in diesem Modus die Klimaanlage deaktiviert und nur noch eine Geschwindigkeit von 90 km/h ermöglicht. Ein Sicherheitsrisiko, vor allem auf der Autobahn? Aber nein, denn mit einem Kickdown des Gaspedals lässt sich wieder das maximale Drehmoment und Höchstgeschwindigkeit erzielen.

Pfiffig gemacht und für die Erzielung einer Reichweitenverlängerung konzipiert, lassen sich die Stufen der Bremsenergierückgewinnung (Rekuperation) durch ein leichtes Tippen des Schaltknaufs von D1, D2, D3 bis B ansteuern, sodass dadurch möglichst viel Energie in die Batterie zurückgeleitet wird. Den Erfolg seiner umsichtigen und damit energiesparenden Fahrweise kann der Fahrer nicht nur daran ablesen, dass die Nadel im linken Bereich des Cockpits in das Feld Charge kommt, sondern auch auf dem Bildschirm des Navigationsgerätes ablesen: hier kann nicht nur die Gesamtreichweite und der Energiefluss abgelesen werden, sondern auch die Zusatzkilometer, die man durch seine Fahrweise erzielt hat. Auf der Umgebungskarte des Navis kann der unbedarfte Fahrer zugleich sehen, welchen Ort er mit seiner Batterieleistung noch erreichen kann.

100 Kilometer für 3,30 Euro

Das Heck des VW E-Golf
Das Heck des VW E-Golf © VW

Und, wenn der E-Golf dann trotz umsichtiger Fahrweise doch irgendwann an die Steckdose muss, dauert die komplette Aufladung mit einem herkömmlichen Schukostecker 13 Stunden. An einer Wallbox sind acht Stunden fällig und an einer Schnellladestation lassen sich 80 Prozent der Batterie in 30 Minuten aufladen. Nicht schlecht, leider gibt es solche Schnellladestationen im öffentlichen Raum so gut wie nicht. Doch was nicht ist, kann ja noch werden. Und wie fährt sich der neue E-Golf? Wie ein ganz normaler Golf: und das ist als Kompliment zu verstehen. Denn bis auf die überschaubare Reichweite bietet der E-Golf keine Einschränkungen beim Platz oder Komfort. Dafür schont man mit ihm die Umwelt, da man zumindest lokal emissionsfrei unterwegs ist. Wie üblich, wenn ein Hersteller ein E-Auto auf den Markt bringt, dann wird dazu auch Ökostrom angeboten. Im Falle von VW kommt er von Lichtblick und wird aus Wasserkraft gewonnen.

Doch wer ein Auto wie den E-Golf zum Erfolg führen will, der muss mehr tun, als nur das Auto an sich anzubieten: er muss seinen Kunden eine Mobilitätslösung offerieren – und das tun die Wolfsburger. So kann der Käufer eines E-Golf für 30 Tage im Jahr ein VW-Modell für die Fahrt in den Urlaub kostenlos ausleihen. Und wie es sich gehört, gibt es natürlich auch eine App, mit der mit dem Smartphone beispielsweise Daten wie Batterieladestand, Nutzung der Rekuperation, Programierung der Abfahrtszeit oder auch die Parkposition von unterwegs abgefragt werden können.

Mit dem E-Golf gelingt den Wolfsburger jetzt zwar keine Revolution bei der E-Mobilität, doch sie offerieren mit ihrem nun elektrisch angetriebenen Bestseller ein grundsolides Auto, dass jedem empfohlen werden kann; so er denn bereit ist, tief für ein grünes Gewissen in die Tasche zu greifen. Dafür kann er dann auch für 3,30 Euro 100 Kilometer zurücklegen.






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