13. Oktober 2015

Fahrbericht Luxus-SUV aus Schweden Volvo XC90: Fort Knox auf Rädern

Der Volvo XC90 sieht mächtig aus - auch von vorn. Fotos ▶
Der Volvo XC90 sieht mächtig aus - auch von vorn. © AG/Mertens

Der Volvo XC90 ist eine Ansage. So, wie dieses SUV vor einem steht, kann man es getrost als Haus auf vier Rädern bezeichnen. Was das Flaggschiff der Schweden alles zu bieten hat, lesen Sie in unserem Fahrbericht.




Von Frank Mertens

Das ist er nun, der neue Volvo XC90. Es ist das Auto, das „für das neue Volvo steht“, wie Entwicklungsvorstand Peter Mertens bei der Vorstellung des Luxus-SUV im Februar selbstbewusst im Gespräch mit der Autogazette gesagt hatte.

Nun, sieben Monate später, kann man sagen, dass die Kunden auf den XC90 scheinbar gewartet haben. Bereits Mitte August gingen 57.000 Bestellungen für das Luxus-SUV ein – und damit hatte man sein Jahresziel von 50.000 Einheiten bereits vier Monate vor Ablauf des Jahres erreicht. Dieses gewartet zu haben ist übrigens wortwörtlich zu nehmen: Sage und schreibe 13 Jahre hat es gedauert, bis Volvo den neuen XC90 präsentiert.


Mut bei Motoren

Wer sich so viel Zeit nimmt, der muss dann auch etwas Besonderes liefern – und das haben die Schweden getan. So stellten sie ihr neues Flaggschiff gleich auf eine neue Plattform, die sogenannte skalierbare Produkt-Architektur (SPA). Sie wird dann auch bei anderen Modellen vom S60 bis hinauf zum XC90 zum Einsatz kommen und ermöglicht den Einsatz der neusten Technologien.

Mutig muss man übrigens auch die Entscheidung der Schweden nennen, im XC90 ausschließlich Vierzylindermotoren zum Einsatz zu bringen. Mutig deshalb, weil die Konkurrenz von Audi, BMW und Mercedes selbstredend ihre SUVs nach wie vor mit Sechs- oder sogar Achtzylindern ausrüsten. Doch auch hier zeigte sich Mertens gelassen, sagt, dass die reine Zylinderzählerei ein Anachronismus sei.

Der XC90 wird von einem Vierzylinder angetrieben
Der XC90 wird von einem Vierzylinder angetrieben © AG/Mertens

Wirklich? Reicht ein Zweiliter großer Vierzylinder aus, dieses 2,1 Tonnen schwere Trumm von Auto wirklich anständig bewegen zu können? Wir haben deshalb den XC90 als D5 und Allradantrieb getestet. Er hat 225 PS und stellt ein maximales Drehmoment von satten 470 Nm zur Verfügung. Hört sich erst einmal vielversprechend an, nicht wahr? Doch allzu große sportliche Ansprüche sollte man trotz dieser Leistung nicht haben - sie sind von Volvo auch für dieses Modell überhaupt nicht gewollt. Gut, der XC90 beschleunigt in flotten 7,8 Sekunden auf Tempo 100 und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 220 km/h, doch gefühlt und damit also rein subjektiv (Zahlen lügen schließlich nicht) dauert das dann länger.

Schaut man sich den Verbrauch an, dann soll der bei 5,8 Litern liegen, tut er indes in der Realität nicht. Hier standen 8,7 Liter für 100 Kilometer auf dem Bordcomputer. Das ist zwar deutlich mehr als angegeben, für ein Auto dieser Größe und Gewichts ein akzeptabler Wert.

Kaum Wankbewegungen

Blick in den Innenraum
Blick in den Innenraum © AG/Mertens

Doch man muss dem XC90 zu Gute halten, dass er sich trotz seiner hochbauenden Karosserieform durchaus souverän durch Kurven bewegen lässt. Wankbewegungen sind kaum feststellbar. Das macht dieses Dickschiff wirklich ganz ausgezeichnet. Die Fahrwerksspezialisten von Volvo haben hier ganze Arbeit geleistet. Insbesondere sorgt das adaptive Luftfahrwerk (Aufpreis 2560 Euro) dafür, dass das Fahren selbst auf schlechten Straßenverhältnissen nicht zu einer Tortour wird.

Aber seien wir ehrlich: Wer seinen Hang nach Sportlichkeit ausleben will, der kauft sich keinen SUV, schon gar nicht einen XC90. Denn der hat ganz andere Qualitäten: Er bietet nicht nur viel, viel Komfort, sondern vor allem ein Höchstmaß an Sicherheit. Also genau das, wofür die Schweden seit Jahrzehnten stehen. Doch bleiben wir beim Komfort: Steigt man ein in das Flaggschiff der Schweden, dann heißt es einem mit Wohlfühlatmosphäre willkommen. Feine Ledersitze, schöne Hölzer und weiche Kunststoffe im Innenraum sprechen optisch und taktil an.

Doch so etwas kann man von einem Auto auch erwarten, das wie unser Testwagen mit der Ausstattungsvariante Inscription bei 64.530 Euro beginnt, wohlgemerkt nicht endet. Ausgesprochen gelungen ist der große Touchscreen-Monitor in der Mittelkonsole, der an ein hochkantiges Tablet erinnert, über den sich alle Funktionen in diesem Volvo ansteuern lassen. Die Bedienung erfolgt intuitiv per Druck beziehungsweise Wischbewegungen. Das ist eine feine Sache, vor allem besser als Knöpfe zu drücken, die in diesem Volvo damit auch mehr oder minder der Vergangenheit angehören. Über den Touchscreen sind übrigens auch die Fahrassistenzsysteme anzuwählen, womit wir beim Thema Sicherheit wären – und womit sich dieser Volvo Bestnoten verdient.

Top EuroNCAP-Wertung

Das Heck des XC90
Das Heck des XC90 © AG/Mertens

Natürlich kommt er beim EuroNCAP auf die Höchstwertung von fünf Punkten, aber nicht nur das: beim Punkt Sicherheitsunterstützung heimst er 100 Prozent ein. Schließlich bietet er alles, was die Schweden an Sicherheitstechnologien zu bieten haben. Sei es nun beispielsweise eine adaptive Geschwindigkeitsregelung inklusive Stau- und Lenkassistent , ein Head-up-Display, ein Totwinkelwarner oder Abbiegeassistent. Das sind alles Bestandteile des Fahrassistenzpakets, für das Volvo 1650 Euro aufruft. Geld, was man investieren sollte, denn nicht nur, dass man dadurch sicherer unterwegs ist, sondern man wird beispielsweise auch durch den Staupiloten signifikant beim Stop-and-Go-Verkehr entlastet, weil das System das nervige Anfahren und Abbremsen übernimmt. Das ist ebenso eine feine Sache wie die Parkkamera mit 360 Grad Rundumblick (600 Euro). Sie erleichtert das Einparken mit diesem Dickschiff enorm – und man will diesem System ebenso wenig missen wie den automatischen Parkassistenten, der einen unproblematisch in Längs- und Querlücken bringt.

Das alles macht viel Spaß. Indes: Es führt auch zu ungeahnten Erwartungshaltungen. In meinem Fall bei der Ehefrau. Sie war zwar vom Fahren in diesem Volvo XC90 ebenso angetan, aber ob der schieren Größe dieses SUV sagte sie, dass wir jetzt auch noch ein Haus mit Auffahrt benötigen würden. Leider ist das aus finanziellen Gründen ebenso wenig möglich, wie der Kauf des Volvo XC90. Unser Testwagen steht mit seiner Vielzahl von Sonderausstattung mit 88.640 Euro in der Preisliste.






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