4. Februar 2015

Fahrbericht Top-Benziner mit 306 PS Volvo S60 T6: Unaufgeregte Kraftentfaltung

Volvo verbaut 306 PS im S60.
Volvo verbaut 306 PS im S60. © Volvo

Seit über einem Jahr setzt Volvo konsequent auf Vierzylinder mit zwei Litern Hubraum. Jetzt haben die Schweden gleich 306 PS aus dem Aggregat gekitzelt.




Für manchen mag die Frage geradezu philosophisch sein: Darf ein Auto aus der Premium-Mittelklasse seine gut 300 PS aus nur vier Zylindern holen? Ist das nicht zu profan? Im Gegenteil, das ist Ingenieurskunst findet Volvo und hat seine 60er-Familie mit S60 (Limousine), V60 (Kombi) und XC60 (SUV) jetzt mit neuem, leistungsstarken Benziner auf den Markt gebracht. Mindestens 45.500 Euro muss man für den S60 T6 anlegen, dann ist die mittlere Ausstattung „Momentum“ automatisch inklusive (V60: 47.200 Euro, XC60: 47.400 Euro).


Volvo mit neuem Weg beim Downsizing

Während die Premium-Konkurrenz aus München, Ingolstadt und Stuttgart rund um die 300-PS-Marke auf 3,0-Liter-Sechszylinder setzt, hat das Aggregat der Schweden einen Liter Hubraum und zwei Zylinder weniger. Downsizing heißt die bekannte Idee, angewandt um Sprit zu sparen. Volvo setzt seit gut einem Jahr eine darauf ausgelegte neue Motorenfamilie ein. Sowohl Diesel als auch Benziner haben stets zwei Liter Hubraum und vier Zylinder, durch Zwangsbeatmung auf verschiedene Leistungsstufen gebracht.

Das neue, T6 genannte Top-Aggregat ersetzt den alten Reihen-Sechszylinder mit 224 kW/304 PS. Sowohl Kompressor als auch Turbolader sorgen im 2,0-Liter-Vierzylinder für extra viel Luft, nach dem Motto: Je mehr Sauerstoff, desto besser die Verbrennung, desto mehr Leistung bei weniger Verbrauch. Die daraus resultierenden 225 kW/306 PS leitet die serienmäßige Achtgang-Automatik an die Vorderräder.

Entspannt unterwegs im Volvo S60 T6

Und macht dabei ihren Job schon fast irritierend unaufdringlich. Bei einer Testfahrt im Alpenvorland ist man - entspannt unterwegs - flugs spritsparend in Gang acht. Tut sich eine Lücke zum Überholen auf, reagiert der Automat zackig und berechenbar auf Gasbefehle, ohne nervös hin und her zu schalten.

Sowieso hängt der getestete S60 gut am Gas. Ein Turboloch lässt der Kompressor gar nicht erst aufkommen, bis 3500 Touren versorgt er den Lader mit Luft, bevor der selbst übernimmt. In 5,9 Sekunden sprintet der S60 aus dem Stand auf 100 km/h (V60: 6,0; XC60: 6,9).

Volvo T6 und XC60 nicht auf einer Wellenlänge

Der neue T6 passt hervorragend zum volvo S60
Der neue T6 passt hervorragend zum volvo S60 © Volvo

Beim Kickdown kommt die Motor-Antriebs-Kombination allerdings an ihre Grenzen: Dann zerren bis zu 400 Newtonmeter an der Vorderachse, was sich in der Lenkung bemerkbar macht, beispielsweise beim Beschleunigen aus der Kurve heraus. Der Allradantrieb, den Volvo ab Herbst für den T6 anbietet, dürfte zumindest für sportliche Kurvenräuber die bessere Wahl sein.

Die sollten sich für die strafferen S60/V60 entscheiden. Während diese mit dem Kraftmeier an Bord souverän wirken, will das drehfreudige Triebwerk zum hochbeinigen XC60 nicht optimal passen, zu groß fällt hier der Kontrast zwischen Family und Furie aus.

Deutliche Verbrauchseinsparung beim Volvo S60 T6

Der Volvo S60 T6 kann auch sparsam
Der Volvo S60 T6 kann auch sparsam © Volvo

Aber ganz gleich unter welcher Haube das Zweiliter-Aggregat werkelt – akustisch und vibrationstechnisch gibt sich der Vierzylinder keine Blöße. Unterschiede zur legendären Laufruhe der Sechsender erkennt vielleicht der Hardcore-Fan, jeder andere nicht. Allerdings dürfte es fast noch etwas kerniger aus dem Endrohr klingen. Schwedisches Understatement eben.

Zurück zu den avisierten Kerntugenden des neuen Triebwerks. Rund 3,5 Liter weniger als beim Vorgänger-Motor verspricht Volvo. Die 6,4 Liter Super pro 100 km (S60) auf dem Rollenprüfstand klingen vielversprechend und sind etwa ein Liter weniger als das Wettbewerbsumfeld an Normverbrauch angibt. Bei unserer kurzen Ausfahrt waren es zwar unter Test-Bedingungen mehr, mit aktivierter Eco+-Funktion (Serie) und vorsichtigem Gasfuß (wie immer optional) zeigte das Aggregat aber durchaus Sparpotenzial.

Eine mutige Strategie der Schweden, alles auf die selbstentwickelten Vierzylinder zu setzen. Innerhalb der nächsten Jahre wird die komplette Motorenpalette auf Vierzylinder umgestellt. Zunächst kommt der T6 auch im Oberklasse-SUV XC90 und bildet dort mit E-Motor-Unterstützung die Spitzenmotorisierung mit mehr als 400 PS. Angst vor Autoquartett-Vergleichen (Hubraum! Zylinder!) hat man bei Volvo offiziell nicht. Müssen sie auch nicht, wenn das Leistungs- und Sparversprechen in der Praxis eingehalten wird.






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