27. Mai 2014

Fahrbericht Mit 300 PS auf Kurvenhatz Subaru WRX STI: Kultfaktor inklusive

Neuaflage des Subaru WRX STI
Neuaflage des Subaru WRX STI © Subaru

Der Subaru WRX STI gehört ohne Frage in die Kategorie von kultigen Autos. Nun kommt ein Nachfolger auf den Markt: er verfügt ebenso über 300 PS ist dafür aber 5000 Euro günstiger als der Vorgänger.




Bezahlbare Kompakte mit richtig Leistung jenseits von 300 PS sind heutzutage nun wirklich nichts Besonderes mehr. Doch Kultautos sterben offenbar aus. Solche beispielsweise wie der Mitsubishi Lancer Evo, einer der letzten Rallye-Urgesteine für die Straße, die in den Neunzigern als Virtuose der World Rally Championchip gefeiert und den Kunden in milderer Form zum Kauf angeboten wurden.

Oder Subaru, mit dem WRX STI (ehemals Impreza) im gleichen Fahrwasser unterwegs, legt die Rallye-Legende hingegen in einer Zeit neu auf, da der Hersteller das WRC-Engagement längst aufgegeben hat und allein Privatfahrern das Volant überlässt. Der umfangreich überarbeitete Viertürer – die Schrägheck-Version entfällt – aus den heiligen Hallen der 1988 gegründeten Fuji Heavy-Tochter Subaru Tecnica International (STI), zuständig für die ganz Schnellen im Hause, ist mit nun 41.900 Euro rund 5000 Euro günstiger geworden als das ebenfalls 221 kW/300 PS starke Vorgängermodell.


Spoiler kann weggelassen werden

Damit bekommen motorsportbegeisterte Familienväter den Athleten zwar immer noch nicht so günstig wie ähnlich konzipierte Wettbewerber, doch ihnen fehlt eben der Kultfaktor. Um diesen zu unterstreichen, benötigt der Subaru ohne Frage den ausladenden Heckflügel sowie die markante Hutze auf der Motorhaube.

Wem der Japaner speziell mit dem Spoiler zu dick aufträgt, möge diesen einfach weglassen, das ist möglich. Nun steht der Neuling zu ersten Ausfahrten bereit, und man muss wirklich genau hinschauen, um ihn vom Vorgänger zu unterscheiden. Doch keine Sorge, unter dem behutsam angefassten Blech steckt geballte Entwicklung.
So wurde das Fahrwerk geschärft und soll noch präziser durch Windungen führen. Schon das alte Modell klebte förmlich auf der Bahn. Eine verkürzte Lenkübersetzung lässt den Wilderer zackiger um die Ecke wetzen, verstärkte Aufhängungen sollen ihn dagegen stoischer machen, erklärt Manfred Schmidt vom Ingelheimer Testzentrum – einem zu Fuji Heavy Industries gehörenden Betrieb.

Das Cockpit des Subaru
Das Cockpit des Subaru © Subaru

In dem beschaulichen Pfalz-Städtchen werden die Abstimmungen für verschiedene Märkte auf der ganzen Welt durchgeführt. In der Tat läuft der mit potenten 245er Pneus ausgestattete Japaner keiner Spurrille nach und lässt sich wie am Schnürchen gezogen auch mit höheren Tempi durch langgezogene Autobahnkurven dirigieren – hier hilft der Spoiler übrigens mit 35 Kilogramm Anpressdruck bei 180 km/h. Doch die Heimat des WRX ist die Landstraße oder natürlich abgesperrtes Terrain.

Keine übertriebenen Technik-Einlagen

Und weil der Traditionalist sich treu bleiben sollte, verzichteten die Macher auf übertriebene Technik-Einlagen im Inneren. Okay, ohne TFT-Schirme geht es nicht mehr, aber entmündigende Assistenzsysteme verbitten sich Kunden und Techniker. ESP (abschaltbar) muss natürlich sein. Aber Dinge wie eine aktive Lenkung oder bimmelnde Multifunktionswarner will man hier nicht haben. Auch keine preisgekrönte Architektur, über die ein Designer stundenlange Vorträge halten könnte. Schlichte Rundskalen mit ordentlicher Ablesbarkeit tun es auch.

Doch eine klitzekleine Spielerei konnte man sich dann doch nicht verkneifen: Ein kompakteres, hoch oben auf dem Armaturenträger platziertes TFT-Feld (dient auch für die Rückfahrkamera) gibt den Ladedruck mittels bunter Skala an und speichert den höchsten Wert – bis er gelöscht wird. Über den Drehregler und das Tastenfeld in der Mittelkonsole kann der Fahrer Einfluss auf die Allradkomponenten nehmen und festlegen, wie das Mitteldifferenzial agieren soll. Im Normalfall gelangen 59 Prozent des Antriebsmoments an die Hinterräder, wodurch unangenehmes Zerren im Lenkrad eingedämmt wird.

407 Nm Drehmoment

Subaru
Subaru © Subaru

Apropos Antrieb. Unter der Motorhaube werkelt noch immer der 2,5 Liter große Boxer mit schnaubender Tonkulisse. Bullig trällernd reißt der Drehmoment-Brocken (407 Nm bei 4.000 Touren) die jetzt mit steiferer Karosserie versehene Fuhre in die Vertikale – erst ab 255 Sachen ist Schluss mit der Beschleunigung. Das obligatorische Sechsgang-Getriebe arbeitet präzise und knackig; doch selbst für energische Zwischenspurts muss nicht zwingend heruntergeschaltet werden, denn es ist zwar richtig: Manche Turbomaschine bläst schon deutlich früher zum Angriff als der Subaru-Boxer, aber die kurze Gesamtauslegung macht niedrige Drehzahlen zur Mangelware.

Das ist neben der einprägsamen Optik auch ein Grund, warum die nun geräumigere Limousine – vor allem die Kniefreiheit im Fond hat dank eines Radstand-Plus von 2,5 Zentimetern hinzugewonnen – immer noch nicht die erste Wahl als Langstrecken-Kandidat sein dürfte. Die Ohren bekommen hier was geboten, das ist schier eindrucksvoll. Doch im Alltag soll es möglichst leise sein, das wiederum kann (und soll) der exzentrische Japaner nicht. Rund 130 Exemplare WRX STI möchte Volker Dannath, Geschäftsführer Subaru Deutschland, dieses Jahr gerne noch verkaufen. Mit der Preissenkung verspricht man sich höhere Stückzahlen dieses zweifellos als Image-Booster durchgehenden Modells. Doch auch andere Mitglieder der Subaru-Familie sind günstiger geworden und sollen die Wettbewerbsfähigkeit des größten Allradherstellers stärken. Den Brot- und Butter-Kunden soll es recht sein, den Fans ebenso, vor allem wenn ein WRX STI das Portfolio krönt. (SP-X)






Mehr zur Marke Subaru

Zweite Generation des CrossoversSubaru XV übt Verzicht auf Dieselmotor

Im November führt Subaru die zweite Generation des XV in den deutschen Markt ein. Die Allrad-Spezialisten aus Japan beschreiten dabei neue Wege.


Weiterhin 300 PS LeistungSubaru WRX STi: Auffrischung für den Kultsportler

Subaru hat den WRX STi einem Facelift unterzogen. Der Kultsportler kommt nun mit einem frischeren Layout daher. Auch im Innenraum wurde Hand angelegt.


Marktstart 2018Neuer Subaru Impreza feiert Europapremiere auf IAA

In den USA und Japan ist der Subaru Impreza bereits zu haben. In Europa feiert das Modell seine Premiere auf der IAA im September. Der Markstart des Allradsportlers wird für kommendes Jahr erwartet.



Mehr aus dem Ressort

Der Fiat Fullback Cross fühlt sich abseits der Straßen sehr wohl
Baugleich mit dem Mitsubishi L200Fiat Fullback Cross: Das Problem mit der Verwandtschaft

Das Segment der Pickups bildet noch eine kleine Community in Europa. Der Fiat Fullback Cross trifft dabei auf eine große multikulturelle Verwandtschaft der Lastenträger.


Ssangyong hat den Rexton komplett neu gestaltet
Vierte Generation des FlaggschiffsSsangyong Rexton: Neue Proportionen

Ssangyong fährt den Rexton in die vierte Auflage. Dabei hat das Flaggschiff eine komplette Umwandlung erhalten, bei der nur noch der Name übrig blieb.


Der Opel Insignia Country Tourer mag die rustikale Art
Dritte Variante des FlaggschiffsOpel Insignia Country Tourer: Ein wenig Freiheit und Abenteuer

Trotz des Booms bei den SUV gibt es auch noch Anhänger rustikaler Kombis. Opel schickt erneut die Offroad-Variante Country Tourer in den Schnee und Matsch.