23. Oktober 2014

Fahrbericht Ziviles Rallyeauto Subaru WRX STI: Aus der Zeit gefallen

Kultiges Rallyeauto: der Subaru WRX STI
Kultiges Rallyeauto: der Subaru WRX STI © Subaru

Wäre das Auto noch die ungehobelte Kraftentfaltung von einst, der Subaru WRX STI wäre purer Spaß. Doch weil die Dinge längst anders liegen, empfiehlt er sich heute eher Zeitgenossen, die dem Zeitgeist gern die Kante geben.




Zugegeben, im ersten Moment ist er mir etwas peinlich. Das Blau glänzt etwas zu metallisch im Sonnenlicht und der aufdringliche Heckflügel – was sollen denn da die Nachbarn denken? Und dann ist ja da auch noch die Lufthutze auf der Motorhaube. Der Subaru WRX STI ist wirklich nichts für zurückhaltende Naturen. Aber was soll´s. Tun wir einfach mal so, als wären wir noch (oder besser gesagt wieder) „unschuldige 25“.


Gründlich überarbeitet

Der WRX STI soll ja eigentlich die zivile Version des Rallyefahrzeugs sein. In den letzten Jahren hatte Subaru das Auto allerdings kaum weiterentwickelt. Seit Frühjahr gibt es eine neue Variante, nicht im Sinne eines völlig neuen Autos, der Japaner wurde vielmehr gründlich überarbeitet. So wuchs der Radstand immerhin um 2,5 Zentimeter, was für mehr Platz auf den hinteren Plätzen sorgt.

Knackiges Sechsganggetriebe

Eigener Charakter
Eigener Charakter © Subaru

Aber darum geht es bei diesem Auto letztlich ja nicht. Der WRX versteht sich als Fahrmaschine. Probieren wir es aus. Wir nehmen also in den Sportsitzen Platz und schauen auf ein etwas altbacken wirkendes Interieur. Startknopf gedrückt: Der 2,5-Liter-Boxer grummelt vernehmlich vor sich hin. Los geh´s. Der erste Eindruck: Der Subaru entwickelt seine Leistung nicht wie erwartet schubweise, sondern überraschend linear. Das mag manche Fans enttäuschen, ist aber für den Alltag eher angenehm.

Die kurzen Übersetzungen sorgen sowieso für energischen Antritt, allerdings ist das Drehzahlniveau dadurch auch immer recht hoch. Das knackige und sehr präzise geführte Sechsganggetriebe kann voll überzeugen. Die zu bewältigenden Lenkkräfte sind hingegen hoch, man könnte hier die Floskel von der „ehrlichen Arbeit hinter dem Volant“ bemühen.

Bretthartes Fahrwerk

Der Heckspoiler ist optional
Der Heckspoiler ist optional © Subaru

Das brettharte Fahrwerk hat auf jeden Fall mit den 300 Pferdestärken keinerlei Probleme. Es ist allerdings auch nicht gerade fein abgestimmt. Der permanente Allradantrieb tut ein Übriges, dass man sich im WRX mit jedem km/h mehr auf dem Tacho eigentlich immer wohler und sicherer fühlt. Über einen Drehregler und das Tastenfeld in der Mittelkonsole kann man sogar das Mittendifferenzial einstellen. Die meisten Fahrer werden darauf verzichten und mit der Basiseinstellung – 59 Prozent der Kraft auf die Hinter- und 41 Prozent auf die Vorderachse – zufrieden sein.

Ein Preis – ein Wort

Cockpit mit Rallye-Rot
Cockpit mit Rallye-Rot © Subaru

Ist das jetzt eine gelungene oder nur eine „ehrliche“ Antriebskombination? Nun, es kommt auf den Standpunkt an. Ein VW Golf R mit gleicher Leistung spurtet schneller und ist dem Subaru auch auf der Handlingstrecke klar überlegen. Zudem verfügt der Wolfsburger über das wesentlich harmonischere und stimmigere Fahrwerk. Der Golf wäre also – einmal mehr – sozusagen das bessere Auto. Überraschenderweise auch, was die Preise angeht. Angesichts der in der Hochleistungsklasse zunehmenden Konkurrenz hat Subaru zwar das Preisniveau des überarbeiteten WRX um 5000 Euro gesenkt, 41.900 Euro Grundpreis sind aber immer noch ein Wort. Unser Testwagen mit der besseren Ausstattung „Sport“ steht sogar mit 45.200 Euro in der Liste.

Durchflussstarke Benzinleitungen

Der Subaru ist aber nicht nur bei der Anschaffung ein teures Vergnügen. Die Versicherungsprämien sind hoch, der Verbrauch ebenso. Schon der offizielle Durchschnittskonsum von 10,4 Litern lässt Böses ahnen, tatsächlich flossen während unseres Tests im Schnitt 13,2 Liter durch die Leitungen. Und das bei einem erheblichen Anteil relativ drehzahlarm gefahrener Strecken. Auf der Autobahn dürfen es gerne auch mal 16 oder 17 Liter sein.

Der Weg ist das Ziel

Am Ende steht ein zwiespältiges Ergebnis: Der Subaru macht Spaß, wirkt aber in vielerlei Hinsicht auch wie aus der Zeit gefallen. Wer ein potentes Alltagsauto in dieser Leistungsklasse will, wäre mit einem Golf R besser bedient. Der WRX ist das richtige Fahrzeug, wenn kein festes Ziel ins umständliche Navi programmiert wird, sondern die Fahrt selbst das Ziel ist. Ein Fahrzeug für Fans, die die nicht wenigen Schwächen des Subaru klaglos, vielleicht auch gerne hinnehmen, die in ihnen vielleicht sogar Individualität erkennen mögen. Ach ja: Den Heckflügel kann man übrigens abbestellen. (SP-X)






Mehr zur Marke Subaru

Zweite Generation des CrossoversSubaru XV übt Verzicht auf Dieselmotor

Im November führt Subaru die zweite Generation des XV in den deutschen Markt ein. Die Allrad-Spezialisten aus Japan beschreiten dabei neue Wege.


Weiterhin 300 PS LeistungSubaru WRX STi: Auffrischung für den Kultsportler

Subaru hat den WRX STi einem Facelift unterzogen. Der Kultsportler kommt nun mit einem frischeren Layout daher. Auch im Innenraum wurde Hand angelegt.


Marktstart 2018Neuer Subaru Impreza feiert Europapremiere auf IAA

In den USA und Japan ist der Subaru Impreza bereits zu haben. In Europa feiert das Modell seine Premiere auf der IAA im September. Der Markstart des Allradsportlers wird für kommendes Jahr erwartet.



Mehr aus dem Ressort

Renault feiert Pickup-Premiere mit dem Alaskan
Abkömmling des Nissan NavaraRenault Alaskan: Klonereien im Gelände

Renault steigt mit dem Alaskan ins Pickup-Segment ein. Der Lastenesel beschreitet dabei den Weg, der beim Volkswagen-Konzern seit Jahren an der Tagesordnung ist.


Neues SUV der RüsselsheimerOpel Grandland X: Der Aufsteiger

Das SUV-Segment wächst und wächst. Daran will auch Opel teilhaben. Deshalb setzen die Rüsselsheimer ihre SUV-Offensive fort und bringen nach dem Mokka X, dem Crossland X nun den Grandland X auf dem Markt.


Kia steigt mit dem Stonic in das Segment der Mini-SUV ein
Neues Mini-SUVKia Stonic: Tonangebend durch die trendige Harmonielehre

Kia steigt mit dem Stonic in das Segment der kleinen SUV ein. Auf dem optisch geländefähigen Ableger des Rio setzen die Koreaner ganz hohe Erwartungen.