27. November 2015

Fahrbericht Ergänzung in Mittelklasse Subaru Levorg: Keiner für Dynamiker

Der Subaru Levorg bietet wenig Wahlmöglichkeiten
Der Subaru Levorg bietet wenig Wahlmöglichkeiten © Subaru

Es gibt mal wieder einen neuen Subaru. Das Levorg genannte Modell stellt sich in der Mittelklasse vor allem Importmodellen wie dem Toyota Avensis oder dem Opel Insignia.




Ein neues Fahrzeug von Subaru gibt es hierzulande nicht alle Tage. Seit Ende September ist es mal wieder soweit: Die Japaner haben das bei uns ohnehin üppige Angebot an Mittelklasse-Fahrzeugen mit dem Subaru Levorg ergänzt. Das ausschließlich als Kombi erhältliche Fahrzeug dürfte vor allem gegen andere Importmodelle wie die Kombi-Versionen des Mazda6, Toyota Avensis oder Citroen C5, sicher aber auch gegen deutsche Volumenmodelle wie Ford Mondeo oder Opel Insignia antreten.

Man mag es zunächst erfreulich finden, dass es beim Levorg keiner zeitlich aufwendigen Konfiguration bedarf: Es gibt genau einen Motor, der in Verbindung mit drei Ausstattungslinien zu haben ist. Da aber das Navigationssystem nur in Verbindung mit der höchsten Stufe „Sport“ erwerbbar ist, gibt es auch hier keine Wahl-Qual. So steht dann der Levorg in genau dieser Kombination vor unserer Türe. Auch die vor allem bei deutschen Angeboten manchmal quälende Berechnung des Testwagenpreises fällt hier weg: 34.900 Euro plus 560 Euro für Metallic-Lack macht summa summarum 35.460 Euro. Mehr geht nicht.


Geringe Auswahl

Ein wenig mehr Auswahl hätten wir uns allerdings dann doch gewünscht. Zum Beispiel gibt es für den Levorg keinen Diesel, obwohl Subaru doch sogar einen mehr oder weniger extra für Europa entwickelten Boxer-Selbstzünder im Angebot hat. Das Fehlen dürfte ein Hinweis darauf sein, dass man sich im Flottengeschäft keine großen Hoffnungen macht und wohl eher auf die Privatkundschaft setzt. Und auch, dass dieses Fahrzeug sicher nicht in erster Linie mit Blick auf Europa entwickelt wurde: Die Japaner verkaufen rund die Hälfte ihrer rund eine Million jährlich produzierten Fahrzeuge in den USA.

Zurück zum Antrieb: Der Turbobenziner ist an sich ein prima Aggregat, agiert drehfreudig und leise. Dass im Levorg – anders als es die auch zum Gesamtdesign des Fahrzeugs wenig passende Lufthutze auf der Motorhaube suggeriert – letztlich keine sportlichen Gefühle aufkommen, liegt weniger am Motor als am Getriebe. Man kann das Lineartronic genannte CVT-Getriebe von Subaru mit einigem Recht als vielleicht bestes seiner Art bezeichnen.

Wenig Dynamik

Das Cockpit des Subaru
Das Cockpit des Subaru © Subaru

Aber vollkommen überzeugend ist es eben auch nicht. Bei geringen Geschwindigkeiten passen Motor und Getriebe noch ganz gut zusammen, will man den Levorg jedoch auch nur ein wenig dynamischer fahren, kommt es – wenn auch nur in abgeschwächter Form – zu einem leichten „Aufheuleffekt“, wenn Drehzahl des Motors und die Umsetzung in Vortrieb nicht zusammenpassen. Vor allem aber hat man dann keinesfalls das Gefühl mit immerhin 170 PS unterwegs zu sein, es wirkt dann eher so, als hätte man nur 120 Pferde unter Haube. Wie üblich verpassten wir auch in diesem Fahrzeug den angegebenen Normwert beim Verbrauch deutlich. 9,8 Liter genehmigte sich der Allradler im Mittel, theoretisch wären es 7,1 Liter.

Dafür stimmten die Platzverhältnisse. Hinten geht es zwar etwas enger zu, vorne hat man jedoch genügend Platz. Allerdings lassen sich der elektrische Fahrersitz und erst recht der Beifahrersitz schon für europäische Durchschnittsgrößen nicht weit genug herunterfahren. Das alte Leid vieler japanischer Autos: Man thront mehr auf dem Gestühl, als in ihm zu sitzen. Als Kombi positioniert sich dieser Subaru eher in Richtung Lifestyle, verzichtet also auf maximales Ladevolumen zugunsten einer dynamischen Linie, bietet aber mit Volumina zwischen 522 bis 1.446 Liter durchaus Klassenübliches. Die Verarbeitung ist routiniert, die Materialien sind nicht Premium, aber gegenüber anderen Modellen der Marke ist hier ein klarer Fortschritt erkennbar.

Gewöhnungsbedürftige Bedienung

Die Front des Levorg
Die Front des Levorg © Subaru

Der in der Sport-Version wirklich komplett ausgestattete Levorg überzeugt leider nicht bei der Bedienung. Wie so alles funktioniert, muss man sich erst erarbeiten. Das ist kein Beinbruch. Viel schlimmer: Das Navi war eines der am wenigsten überzeugenden im bisherigen Testjahr. So wollte es uns zum Beispiel auf einer Landstraße ohne jeden Grund auf die ca. 300 Meter Luftlinie entfernte Autobahn lenken, wohlgemerkt ohne, dass es eine Auffahrt in direkter Nähe gegeben hätte. Es fällt uns immer wieder auf, dass gerade bei kleineren Importeuren die Navis ein Schwachpunkt sind. Wird hier zu wenig investiert? Wir wissen es nicht, ärgern uns aber trotzdem immer wieder aufs Neue.

Sonst noch was zu meckern? Nee, das war es im Großen und Ganzen. Wer den Levorg kauft, bekommt in diesem Trim ein vollausgestattetes Auto mit genügend Platz, einem seidigen Boxer-Benziner und eher gewöhnungsbedürftigem Getriebe zu einem guten Preis. Nur die von Subaru verwendeten Formulierung „Sports Tourer“ sollte man nicht allzu ernst nehmen (so wie die genau dies suggerierende Lufthutze). Der Levorg mag es eher gemütlich, was ja gar nicht mal so schlecht sein muss. Warum er unbedingt als Sportler durchgehen will, wissen wir auch nicht.

Ach ja, fast vergessen: Ein Allradantrieb ist natürlich immer mit drin, auch wenn wir ihn im warmen November nicht wirklich gebraucht hätten. Und fünf Jahre Garantie geben die Japaner auch. Zwei weitere Gründe, die für diesen Subaru sprechen. (SP-X)






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