9. Juni 2016

Fahrbericht Erstes SUV der Spanier Seat Ateca: Mit Mainstream zum Erfolg

Der Seat Ateca polarisiert mit seinem Design nicht. Fotos ▶
Der Seat Ateca polarisiert mit seinem Design nicht. © Seat

Wer bislang auf die Modellpalette von Seat schaute, hat vergeblich nach einem SUV gesucht. Das wird nun anders. Ab dem 2. Juli wird es das Kompakt-SUV Ateca geben. Es sorgt bereits vor dem Marktstart bei den Verantwortlichen für freudige Überraschungen - trotz oder gerade wegen seines biederen Designs.




Von Frank Mertens

Kein Segment ist in den zurückliegenden Jahren so stark gewachsen wie das der SUVs. So stiegen die Verkäufe von 2010 bis 2015 um satte 65 Prozent an. Von diesem Wachstum konnte Seat indes nicht profitieren. Bislang, denn die Spanier hatten schlicht keinen Geländewagen im Angebot. Doch das ist jetzt anders. Ab dem 2. Juli schickt die VW-Tochter den Ateca für einen Preis von 19.990 Euro auf den Markt.

Dass das Auto entsprechend bei den Kunden auf Zuspruch treffen wird, hatten die Verantwortlichen erwartet. Dass er aber so einschlägt, hat Deutschlandchef Bernhard Bauer doch überrascht. Ihm liegen bereits 5000 Bestellungen vor - darunter 3000 von Kunden, der Rest verteilt sich auf die Händler. Was Bauer besonders freuen wird. Das Gros der Kunden hat sich für die höchste Ausstattungsvariante Excellence entschieden. "Eine derartige Nachfrage nach einem neuen Modell habe ich bislang noch nicht erlebt." Bauer spricht dem neuen Ateca ein Potenzial von 20.000 Fahrzeugen pro Jahr zu, vielleicht sogar etwas mehr. Für das zweite Halbjahr jedenfalls wird der Ateca den Absatz auf dem deutschen Markt den Spaniern also mindestens 10.000 neue Kunden bescheren und neben dem Leon und Ibiza eine dritte wichtige Absatzsäule bescheren.


Ateca polarisiert nicht

Dass der neue Seat Ateca so gut beim Kunden ankommt, mag unter anderem daran liegen, dass dieses Auto nicht polarisiert. Sein Design ist Mainstream. Der Ateca reiht sich in die Reihe der vielen Mitbewerber im Segment ein, die eher die rationale als die emotionale Seite der Kunden ansprechen. Damit bringt er alles mit, dass er sich gut verkauft. Vor allem auch deshalb, weil die Spanier dem neuen Ateca alles mitgegeben haben, was das Konzernregal an Nettigkeiten zu bieten hat. Dazu gehört beispielsweise nicht nur eine Adaptive Geschwindigkeitskontrolle (ACC), ein Notbremsassistent (das sogar als Serie) oder auch ein Traffic Jam Assist.



Dahinter verbirgt sich ein Fahrassistenzsystem, das im Stau den Fahrer entlastet, da er für ihn das Anfahren und Abbremsen teilautonom übernimmt. Da Seat seinen Kunden ein Höchstmaß an Komfort bieten will, gehört zu dem optionalen Ausstattungspaket auch ein 360 Grad Kamerasystem. So kann man das Auto aus fast jeder Perspektive auf dem 8 Zoll Bildschirm beispielsweise beim Einparken in enge Parklücken beobachten. Da Seat mit dem Ateca auch auf Lifestyle setzt, offeriert der Hersteller für den Innenraum gleich acht verschiedene Lichteffekte. "Bei uns kann die Stimmung konfiguriert werden", sagt Sven Schawe aus der technischen Entwicklung.

Der Innenraum des 4,36 Meter langen Ateca gibt sich so, wie man es auch von anderen Seat-Modellen kennt. Die Instrumente sind übersichtlich gestaltet, entsprechend inuitiv zu bedienen. Die Materialien machen einen wertigen Eindruck. Da gibt es überhaupt nichts zu meckern. Das trifft auch auf den Platz im Fond zu, wo auch Erwachsene gut sitzen können. Der Radstand von 2,64 Meter zahlt sich aus. Im Kofferraum mit Frontantrieb findet Gepäck Platz auf 510 Litern, mit Allradantrieb sind es 485 Liter.

Bekannter 150 PS-Diesel im Angebot

Die Seitenlinie des Seat Ateca
Die Seitenlinie des Seat Ateca © Seat

Natürlich kann man den Ateca auch mit Allradantrieb bestellen, auch wenn dies wohl nur ein Drittel der Kunden tun werden, wie Bauer glaubt. Dieses SUV ist halt eher etwas für das Schaulaufen in der Stadt als für den Ausflug ins Gelände. Doch die Minderheit, die das doch mal vorhat, kann sich auf einen leistungsfähigen Geländewagen freuen. Sein Allradantrieb, dessen Fahrmodi sich über einen Drehknopf hinter dem Schalthebel ansteuern lassen, bietet ausreichend Offroad-Performance, um auch steile Ansteige und unterschiedliche Fahrbahnverhältnisse wie beispielsweise auf Schnee zu meistern. Natürlich gibt es für den Ausflug ins Gelände auch einen Bergabfahrassistenten.

Bei der Wahl der Motoren stehen Benziner und Diesel mit einer Leistung von 115 PS bis 190 PS zur Auswahl. Von uns getestet wurde der 2.0 TDI mit 150 PS und Allradantrieb (ab 29.410 Euro). Es ist ein bekanntes und zuverlässiges Aggregat mit anständigen Fahrleistungen. So offeriert der Vierzylinder nicht nur ein maximales Drehmoment von 340 Newtonmetern (1750 bis 3000 Touren), sondern beschleunigt auch in akzeptablen 8,3 Sekunden auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 202 km/h erreicht. In Kombination mit dem manuellen Sechsganggetriebe (optional steht auch ein 7-DSG zur Verfügung) macht der Ateca seine Sache anständig - oder unauffällig, je nach Sichtweise. Der Zweiliter-Diesel ist zwar, wie bekannt, ein präsentes aber letztlich auch nicht zu lautes und damit nerviges Aggregat. Laut Hersteller soll sich der Ateca mit einem Durchschnittsverbrauch von 4,3 Litern begnügen.

Aber allzu viel Sportlichkeit sollte man sich von ihm im Alltag auch nicht erwarten. Er fährt sich gut und komfortabel. Halt genau so, wie man es von einem Auto dieser Klasse erwartet. Mit großen Überraschungen in die ein oder andere Richtung wartet dieser Ateca im Wettbewerbsumfeld nicht auf. Aber das ist vielleicht die große Stärke des Ateca. Der Seat-Kunde jedenfalls scheint auf ihn gewartet zu haben. Und dem Ateca werden weitere Modelle folgen - im kommenden Jahr ein kleinerer SUV auf Basis des Ibiza. Doch jetzt steht der Ateca im Focus - und der wird den Absatz der Marke deutlich befördern.






Mehr zur Marke Seat

Kompaktsportler mit 310 PSSeat bringt stärksten Serien-Leon Cupra R

Seat präsentiert auf der IAA mit dem Leon Cupra R das stärkste Serienfahrzeug in der Geschichte der spanischen VW-Tochter. Allerdings ist der um weitere zehn PS verstärkte Kompaktsportler nur eine gewisse Zeit erwerbbar.


Besser als der SharanSeat Alhambra: Gebeutelter Lastesel

Der Seat Alhambra lässt bei der HU seinen Genspender hinter sich. Und doch ist der Familienvan als Gebrauchter anfällig für gewissen Macken – angesichts seiner intensiven Nutzung auch kein Wunder.


Spanische Schwester des VW GolfSeat Leon: Jünger ist besser

Der Seat Leon fristet in Deutschland ein Nischendasein im Schatten des Golfs. Dabei entpuppt sich die aktuelle Generation als lohnenswerte Alternative zum Klassiker aus Wolfsburg.



Mehr aus dem Ressort

Neues SUV der RüsselsheimerOpel Grandland X: Der Aufsteiger

Das SUV-Segment wächst und wächst. Daran will auch Opel teilhaben. Deshalb setzen die Rüsselsheimer ihre SUV-Offensive fort und bringen nach dem Mokka X, dem Crossland X nun den Grandland X auf dem Markt.


Kia steigt mit dem Stonic in das Segment der Mini-SUV ein
Neues Mini-SUVKia Stonic: Tonangebend durch die trendige Harmonielehre

Kia steigt mit dem Stonic in das Segment der kleinen SUV ein. Auf dem optisch geländefähigen Ableger des Rio setzen die Koreaner ganz hohe Erwartungen.


VW vergrößert das Einsatzgebiet des Crafter
69 verschiedene Kombinationen des NutzfahrzeugsVW Crafter: Den Mount Everest ausgetrickst

Die Nutzfahrzeugsparte von Volkswagen hat dem Crafter neue Derivate zukommen lassen. Der im vergangenen Jahr zum Van of the Year gewählte Transporter wird beim Angebot trotzdem weiter nachlegen.