4. November 2015

Fahrbericht Durstiger Dreizylinder Renault Twingo: Knuffig durch die Großstadt

Der Renault Twingo passt ideal in die Großstadt. Fotos ▶
Der Renault Twingo passt ideal in die Großstadt. © Renault

Der Renault Twingo ist ein ideales Auto für die Stadt. Er ist wendig, agil und bietet seinen Insassen ausreichend Platz. Doch leider ist er auch etwas durstig und teuer, was ihm etwas seinen Charme nimmt.




Von Frank Mertens und Susanne Dröge

Knuffig der Kleine! Das ist der erste Gedanke beim Anblick des neuen Renault Twingo. So knuffig, wie beispielsweise ein Fiat 500. An den Kleinstwagen der Italiener muss man unweigerlich denken, wenn man den doch ziemlich ähnlich ausschauenden Twingo betrachtet. Der ist zwar in Kooperation mit der Daimler-Tochter Smart entstanden, hat aber rein optisch eher etwas mit dem italienischen Lifestyle-Flitzer zu tun.

Aber das ist ja keine Seltenheit, dass die Autos der verschiedenen Hersteller sich immer ähnlicher sehen. So erinnert einen der BMW 2er Active Tourer unweigerlich auch an die Mercedes B-Klasse. Doch was zählt sind schließlich die Fahreigenschaften und die inneren Werte, auch wenn als Kaufgrund das Design immer noch eine maßgebliche Rolle spielt.


Ideales Stadtauto

So oder so - der Twingo braucht sich nicht verstecken: Mit seiner Länge von gerade einmal 3,59 Metern und seines Heckantriebs ist er ein ideales Stadtauto - wie die Testfahrten in Berlin zeigten. In der Millionenstadt ist das Autofahren angesichts eigentlich ständig voller Straßen tagsüber längst kein Spaß mehr - und die Parkplatzsuche sowieso nicht.

Gut, auch mit einem Twingo steht man im Stau, aber mit dem kleinen Franzosen kann man sich doch recht kommod durch den zumeist nervigen Großstadtverkehr bewegen. Schnell mal in die Lücke gehuscht, dann in die andere. Es macht Spaß, wie wendig sich der Twingo bewegen und wenden lässt. Ein Wendekreis von 8,60 Metern ist eine Ansage und ermöglicht einen den Richtungswechsel ohne mehrmaliges Vor- und Zurücksetzen. Und mit seiner Länge findet der Kleine auch schnell Platz in Lücken, in die man sich mit einem Auto um die vier Meter nicht hineintrauen würde.

71 PS sind ausreichend

Der Renault Twingo agiert äußerst agil
Der Renault Twingo agiert äußerst agil © Renault

Der von uns gefahrene Renault Twingo Energy SCe 70 Stop & Start (an derart langen Modellbezeichnungen sollte man noch einmal arbeiten) ist mit einem 71 PS starken Reihendreizylinder unterwegs. Nur 71 PS und dann noch ein Dreizylinder, kann das gut gehen? Es kann. Der Dreizylinder ist zwar ein sehr präsenter Begleiter, aber er macht seine Sache in der Stadt recht gut. Wer ehrlich ist, der wird zugeben, dass man für das Kurven in der Stadt nicht wirklich mehr Leistung braucht.

Das maximale Drehmoment des Twingo liegt bei überschaubaren 91 Nm, die bei 2850 Umdrehungen in der Minute anliegen. Wer etwas flotter unterwegs sein will, muss den Kleinen schon mächtig hochdrehen - und entsprechend dafür an der Tankstelle Tribut zollen. Versprochen wird ein Verbrauch im Drittelmix von 4,2 Litern, doch das ist wie so oft ein Wert, der mit der Realität wenig gemein hat. Der Bordcomputer zeigte nach unseren Testfahrten 6,1 Liter an - trotz Start-Stopp-Systems und einer doch eher umsichtigen Fahrweise. Das ist für ein Auto in dieser Klasse schlicht zu viel.

Auch das Smartphone lässt sich im Renault Twingo integrieren
Auch das Smartphone lässt sich im Renault Twingo integrieren © Renault

Wer unbedingt auf die Autobahn mit dem Twingo will, der kann dort bis Tempo 151 km/hn schnell sein und in gemächlichen 14,5 Sekunden Tempo 100 erreichen. Wer überholen will, sollte dann auch immer den rückwärtigen Verkehr im Blick haben – denn beim Zwischensprint benötigt der Twingo doch ein Luftholen. Aber wie gesagt: seine Stärken spielt der Franzose ohnedies in der Stadt aus. Hier fühlt er sich wohl, hierfür ist er gemacht.

Gutes Raumgefühl im Renault Twingo

Das Raumkonzept im Twingo ist übrigens nicht zu beanstanden. Vorne können selbst große Menschen jenseits der 1,90 Meter recht bequem sitzen - und für ausreichend Kopffreiheit ist auch gesorgt. Die Sitze im Twingo sind dabei straff, aber nicht unbequem und bieten einen guten Seitenhalt. Wenn es denn etwas zu kritisieren gibt, dann sind es die in den Sitz integrierten Kopfstützen. Sitzriesen haben hier nicht die Möglichkeit, sie separat zu verstellen. Das kann durchaus für Risiken sorgen, wenn der Kopf nach einen Crash zurückprallt.

Unser Testwagen mit der Ausstattungsvariante Luxe (Basispreis 12.590 Euro) bietet dann bereits auch schon einige Annehmlichkeiten wie beispielsweise das Sicherheitspaket mit Spurwarnassistent, einen Tempomaten, elektrisch anklappbare Außenspiegel, eine Berganfahrhilfe oder auch schicke 15 Zoll-Leichtmetallfelgen. So lässt es sich bereits recht angenehm reisen.

Bis zu 980 Liter packt der Kofferraum des Renault Twingo
Bis zu 980 Liter packt der Kofferraum des Renault Twingo © Renault

Wer dann auch noch das Technopaket (990 Euro) mit dem empfehlenswerten, weil intuitiv zu bedienendem Navigationsgerät R-Link Evolution ordert (damit lässt sich das Smartphone einfach koppeln), erhält dazu auch noch eine Rückfahrkamera mit akustischer Einparkhilfe. Damit ist das Rangieren in noch so enge Parklücken dann schon gar kein Problem mehr.

Doch Nettigkeiten wie diese summieren sich zusammen mit dem Komfortpaket (490 Euro/Klimaautomatik und Licht- und Regensensor) oder der Metallic-Lackierung (ebenfalls 490 Euro) zu einem Endpreis von 14.560 Euro. Im Zusammenspiel mit dem hohen Verbrauch und selbstbewusstem Preis büßt dieser Kleinstwagen doch leider viel von seinem Charme ein. Irgendwie schade.






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