1. Juni 2015

Fahrbericht Französischer Bruder des Qashqai Renault Kadjar: Erfahrener Neustarter

Renault steigt mit dem Kadjar ins Crossover-Segment ein. Fotos ▶
Renault steigt mit dem Kadjar ins Crossover-Segment ein. © Renault

Bei Nissan ist der Qashqai mit über zwei Millionen Verkäufen ein Bestseller. Allianzpartner Renault zieht mit dem Kadjar nun sehr verspätet in das trendige Crossover-Segment ein.




Von Thomas Flehmer

Eigentlich ist es ja der Volkswagen-Weg. Die Wolfsburger lassen zunächst die Mitbewerber etwas Neues ausprobieren und überholen dieselben dann auf der linken Spur. Nun probiert Renault diese Strategie mit dem Kadjar aus. Der Crossover ist zu 60 Prozent technisch baugleich mit dem bereits sehr erfolgreichen Qashqai vom Allianzpartner Nissan, der über zwei Millionen Mal verkauft wurde und bereits in der zweiten Generation vorfährt. Renault hofft darauf, ähnlich erfolgreich auftreten zu können – doch der Weg wird kein leichter sein.


Renault Kadjar sieben Zentimeter länger als Nissan Qashqai

Denn der Qashqai, der sieben Zentimeter kürzer als der 4,45 Meter lange Kadjar ist, hat natürlich Vorteile besonders durch seinen Bekanntheitsgrad, den sich der ab dem 21. Juni erhältlich Kadjar erst noch erstreiten muss. Trotz der gemeinsamen CMF-Plattform steht der Kadjar nicht nur äußerlich auf eigenen Füßen.

Die Front trägt die neue Designsprache mit dem großen Renault-Rhombus, der mittig auf dem breiten Kühlergrill platziert wurde. Die Scheinwerfer, die es optional auch als LED gibt, sind ebenso breit gezogen. Die Motorhaube ist an den Seiten deutlich höher als in der Mitte, sodass die Sicht zur Seite etwas behindert wird. Die Seitenlinie ist vor allem wegen der wuchtigen Kotflügel markant gestaltet, das Heck reiht sich dagegen ohne große Auffälligkeiten ein.

Schwerfälliges Navi im Renault Kadjar

Das Cockpit des Renault Kadjar ist sehr wertig ausgefallen
Das Cockpit des Renault Kadjar ist sehr wertig ausgefallen © Renault

Der Innenraum ist wertig gestaltet, die Sitze bequem und konturiert zugleich. Platz ist genug vorhanden – auch auf den hinteren Sitzen und 527 Liter Kofferraumvolumen sowie eine Ladelänge von bis zu 2,5 Metern wird den Nutzern zumeist genügen.

Die Instrumente sind gut ablesbar und die Knöpfe und Schalter sind übersichtlich gestaltet, auch weil einige Funktionen über das R-Link 2-System, das bereits im neue Espace Premiere feierte, bedient werden. An die Langsamkeit des ebenfalls dort untergebrachten Navis gewöhnt man sich, nachdem man das erste Mal falsch abgebogen ist.

Diesel für Renault Kadjar bevorzugt

Der Diesel des Renault Kadjar fährt sich spritziger als der Benziner
Der Diesel des Renault Kadjar fährt sich spritziger als der Benziner © Renault

Dabei ist man mit dem Kadjar gar nicht so schnell unterwegs, auch wenn die Namensableitung etwas anderes suggeriert. Die Bausteine Quad, „agile“ und „jaillir“ stehen für Wendigkeit und Agilität. In der Realität aber ist der Kadjar eher ein Cruiser, was dem Segment aber auch nicht so fremd ist. Der Benziner TCe 130, der bei den kleineren Fahrzeugen wie dem Clio oder dem kleinen Bruder Captur gute Arbeit verrichtet, wirkt bei dem 1,4 Tonner mit seinen 130 PS fast schon schwächlich, auch wenn die Beschleunigung von 10,1 Sekunden nicht zu beanstanden ist. Gefühlt aber dauert es länger.

Das Fahrwerk könnte dabei sportliche Leistungen vertragen und seine Souveränität unter Beweis stellen, demonstriert die gute Mischung aus Straffheit und Komfort auf Schotterstraßen abseits des Asphalts, die mit dem 130 PS starken dCi 130 und dem 2000 Euro teuren Allradantrieb von Nissan gut absolviert werden. Dieser wirkt auch auf befestigten Straßen agiler als der Benziner, da er bereits ab 1750 Umdrehungen 320 Newtonmeter Drehmoment zur Verfügung stellt. Dass 0,2 Sekunden weniger für den Sprint benötigt werden, ist dagegen ebenso wenig spürbar wie die Differenz bei der Höchstgeschwindigkeit, die beim Selbstzünder nach 190 Stundenkilometern erreicht ist, der Benziner hält zwei Stundenkilometer länger durch. Dafür benötigt der Ottomotor 5,6 Liter auf 100 Kilometern, während sich der Allradler mit 4,9 und ohne Allrad mit 4,3 Liter begnügen soll.

Renault Kadjar ab 19.990 Euro

Den Renault Kadjar gibt es auch mit Allradantrieb
Den Renault Kadjar gibt es auch mit Allradantrieb © Renault

Während sich rund 25 Prozent der Kunden für den starken Diesel mit Allrad entscheiden werden, wird der 110 PS starke Diesel wohl zum Volumenmodell anwachsen, das zudem mit dem Doppelkupplungsgetriebe EDC angeboten wird und mit 3,8 Litern der sparsamste Kadjar ist. Wie bei den anderen beiden Varianten kann auch diese Version mit Notbremsassistenten, Toter-Winkel-Warner, Lane-Assist oder Verkehrszeichenerkennung und Easy Park-System ausgestattet werden. Ein adaptiver Abstandstempomat oder eine Multikollisionsbremse fehlt allerdings noch im Konzernregal, hier gibt sich Renault auch als Spätstarter.

Dafür sind zum Einstiegspreis von 19.990 Euro – übrigens identisch mit dem Einstieg des Qashqai - bereits eine manuelle Klimaanlage, ein Radio mit Bluetooth-Funktion sowie ein Tempopilot an Bord. 3700 Euro später beginnt allerdings erst die nächste Ausstattungslinie „Experience“. Mit dieser Version starten auch erst die beiden Diesel ab 25.290 Euro. Damit bleibt der Kadjar preislich unterhalb des VW Tiguan – ob der Spätstarter deshalb den VW-Weg einschlägt und die Mitbewerber links überholt, wird sich zeigen.






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