27. Februar 2013

Fahrbericht Abschied vom Sauger Renault Clio R.S.: Schnuppern an der Formel 1

Der Renault Clio R.S. beherbergt 200 PS unter der Motorhaube. Fotos ▶
Der Renault Clio R.S. beherbergt 200 PS unter der Motorhaube. © Renault

Auch die vierte Generation des Clio wurde von der sportlichen Renault-Tochter zur Rennsemmel umgewandelt. Eingefleischte Anhänger trauern dem nunmehr überholten Motorenkonzept hinterher.




Von Thomas Flehmer

Mit Sebastian Vettel auf Augenhöhe – wer träumt nicht davon? Renault Sport bietet mit dem neuen Clio R.S. nun wenigstens Ansätze, um Geschwindigkeitsräusche wie der dreimalige Formel 1-Weltmeister ausleben zu können. Denn die sportliche Abteilung der Franzosen, die dem Red Bull-Team die Motoren liefert, hat nun den Transfer zum sportlichen Kleinwagen hergestellt.


Renault setzt auf Turbo-Kraft

Gleich 147 kW / 200 PS treiben den knapp 1,3 Tonnen leichten Clio an, mehr als beim VW Polo GTI oder dem Seat Ibiza Cupra. Dabei rümpfen allerdings die eingefleischten Anhänger des sportlichen Exemplares die Nase. Werden die Pferdestärken nicht mehr über einen Saugmotor bereitgestellt, sondern über einen 1,6 Liter großen Turbo mit Benzin-Direkteinspritzung, der immerhin bis zu 23 Prozent weniger Kraftstoff als das Vorgängermodell verbrauchen soll.

Der Sportlichkeit tut die vermeintliche Verbrauchssenkung keinen Abbruch. Innerhalb von 6,7 Sekunden sind die 100 km/h erreicht, das Drehmoment von 240 Newtonmetern liegt bereits bei 1750 Kurbelwellenumdrehungen an, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 230 km/h erreicht. Das Schalten übernimmt dabei erstmals ein Doppelkupplungsgetriebe, der Fahrer kann allerdings über Paddeln am Lenkrad aktiv eingreifen.

Renault Clio R.S erstmals mit Launch Control

Ganz klar wurde auch das Cockpit auf sportlich getrimmt
Ganz klar wurde auch das Cockpit auf sportlich getrimmt © Renault

Dabei gibt sich der Renault trotz seiner Sportlichkeit sehr komfortabel. Die sportliche Härte des von den Ingenieuren im französischen Dieppe optimierten Fahrwerks ist gegeben, trotzdem kann der Aufenthalt in den Sportsitzen länger andauern, denn hydraulische Stoßdämpfer sorgen dafür, dass nicht mit irgendwelchen körperlichen Deformierungen gerechnet werden muss.

Wer es härter möchte, aktiviert den R.S. Drive-Modus, mit dem die Elektronik Motor, Getriebe und Fahrwerk nachschärft. Drei verschiedene Modi stehen dann zur Auswahl. Im Modus "Race" kommt dabei zum ersten Mal eine Launch Control zum Einsatz, mit der der Kavalierstart ohne Durchdrehen der Reifen ablaufen soll. Auf nassen Straßen allerdings hatte der Clio bei den Tests allerdings Schwierigkeiten, dem Anspruch gerecht zu werden.

Renault Clio R.S. als reine Rennsemmel

Auch die Streckenprofile können im Renault Clio R.S. angeschaut werden
Auch die Streckenprofile können im Renault Clio R.S. angeschaut werden © Renault

Ansonsten allerdings zeigte sich der Clio R.S. als reine Rennsemmel. Dank eines Sperrdifferenzials geht es aus den Kurven ebenso präzise wieder heraus wie hinein, der Sound ist dabei einen Tacken zu prollig ausgefallen, aber das ist auch Geschmackssache. Mit dem optionalen neuen R-Link-System mit Online-Anbindung und den speziellen R.S. Monitor 2.0 können die Motorengeräusche aber auch verändert werden und laden ein in eine Reise in die Vergangenheit, wenn statt des Clio-Motors zum Beispiel ein legendärer Renault Alpine zu vernehmen ist.

Besonders für die Rennstrecke fungiert R-Link als Helfer oder Spielkamerad, je nach Blickwinkel betrachtet. Hier können die Leistungsdaten des Clio R.S. ebenso abgerufen werden wie die jeweiligen Rundenzeiten samt Streckenübersicht. Per USB-Stick gespeichert kann die Fahrt am heimischen Computer noch einmal nacherlebt werden, falls das Fernsehprogramm daheim mal zu dröge ausfällt.

Renault Clio R.S. ab 23.950 Euro

Zehn Liter Verbrauch sollten für den Renault Clio R.S. einkalkuliert werden
Zehn Liter Verbrauch sollten für den Renault Clio R.S. einkalkuliert werden © Renault

Nicht nur auf der Rennstrecke sollte der Blick auf das Verbrauchsergebnis gewagt werden. Denn die angegebenen 6,5 Liter können selbst bei zurückhaltender Fahrweise nicht gehalten werden. Und der Clio bietet so viel Spaß, dass die zurückhaltende Fahrweise lediglich im urbanen Umfeld praktiziert werden wird. An zweistellige Verbrauchswerte sollte sich der Fahrer gewöhnen, um für den nächsten Tankstellenbesuch gewappnet zu sein.

Zuvor müssen mindestens 23.950 Euro investiert werden – ein Preis, der sich auf Augenhöhe der bereits genannten Mitbewerber befindet, aber mehr Leistung mitbringt – und zum Teil auch mehr Fahrspaß samt Komfort. Und den Fahrer an der Formel 1 zumindest schnuppern lässt.






Mehr zur Marke Renault

Unterschiede unter RealbedingungenBehörde wirft Renault Betrug bei Abgastests vor

Nach übereinstimmenden Medienberichten wirft die französische Anti-Betrugsbehörde dem Autobauer Renault „betrügerische Strategien“ bei Abgastests vor. Der Hersteller weist dies entschieden zurück.


Variabler KompaktvanRenault Scenic: Reife Jahrgänge

Der Renault Scenic hat sich im Laufe der Jahre zu einem pannensicheren Auto entwickelt. Besonders die jüngeren Jahrgänge der dritten Generation werden auch als Gebrauchte Freude bereiten.


In 3,2 Sekunden auf 100Renault Zoe E-Sport Concept: Auf den Spuren des Weltmeisters

Mit dem e.dams-Team gewann Renault im letzten Jahr die Formel E. Die Studie des Zoe übernimmt Anleihen aus der elektrischen Motorsportklasse – leider ohne Chance auf Verwirklichung.



Mehr aus dem Ressort

Der Kia Sorento Masterpiece kostet über 60.000 Euro
Auf 200 Exemplare limitiertes SUVKia Sorento Masterpiece: Das Meisterstück als Krönung

Mit dem Sorento nahm Kia in Europa Fahrt auf. Ganz klar, dass die Koreaner dem zum Imageträger avancierten Geländegänger ein besonderes Meisterstück widmen.


Mazda hat den CX-5 nur äußerlich scheinbar unverändert gelassen
Erstmals Zylinderabschaltung beim SUVMazda CX-5: Bestseller auf Golf-Wegen

Die zweite Generation des Mazda CX-5 hat sich auf den ersten Blick im Vergleich zur ersten Auflage nicht großartig verändert. Doch der unternehmenseigene Bestseller hat sich grundlegend gewandelt.


Suzuki schickt den Swift in die sechste Generation
Sechste Generation des KleinwagensSuzuki Swift: Beschwingt in Richtung Vierziger

Suzuki offeriert ab dem 13. Mai die sechste Generation des Swift. Dank einer Plattformdiät lässt sich der Kleinwagen nun viel agiler und sicherer über die Straßen bewegen.