6. September 2013

Fahrbericht Auf Basis des Clio Renault Captur: Design statt Allrad

Der Renault Captur ist nicht für die Geländefahrt geschaffen.
Der Renault Captur ist nicht für die Geländefahrt geschaffen. © Renault

Mit dem Captur ist Renault ins Segment der Mini-SUV eingezogen. Die Franzosen setzen wie fast allgemein üblich auf Lifestyle als auf Geländegängigkeit.




Nissan Juke und Opel Mokka haben es vorgemacht, jetzt ziehen mehr und mehr Hersteller nach. SUVs auf Kleinwagenbasis im Längenbereich um vier Meter scheinen das nächste Boom-Segment zu werden. Derzeit sind die Wettbewerber noch an einer Hand abzählbar, mit dem Renault Captur steht das nächste Modell aber bereits in den Startlöchern - zum Basispreis von 15.290 Euro.


Drei Motoren für den Renault Captur

Drei Motoren sind für den kleinen Franzosen verfügbar. Der 1,5-Liter-Diesel bringt mit 66 kW/90 PS genauso viel Leistung wie der kleinere der beiden Turbo-Benziner. Dieser Ottomotor verfügt als Einstiegsaggregat über drei Zylinder und 0,9 Liter Hubraum. Der größere Turbo-Benziner ist ein Vierzylinder mit 88 kW/120 PS.

Beim Antrieb serviert Renault also eher Hausmannskost, dafür will der Captur mit Vielseitigkeit, kecken Zweifarblackierungen und einem gefälligen Design punkten. Auf einen Allradantrieb muss man dagegen auf jeden Fall verzichten. So viel SUV wollte Renault dann in das auf dem Clio basierende Fahrzeug doch nicht reinstecken.

Renault Captur lediglich mit Frontantrieb

Solange man auf trockenem Asphalt unterwegs ist, reicht der der Frontantrieb auch völlig aus. Der 4,12 Meter lange Captur ist wohltuend komfortabel abgestimmt, dazu kommt überraschend viel Platz - zumindest vorne. Schon im Grundmodell gibt es eine verschiebbare Rücksitzbank, so dass man selbst entscheiden kann, ob man lieber den Fondpassagieren oder dem Gepäck mehr Freiheit einräumen will. Bei zurückgeschobenem Mobiliar können auch höher gewachsene Personen ohne Probleme längere Zeit in der zweiten Reihe verbringen. Eine etwas erhöhte Sitzposition vorn sichert Übersichtlichkeit und die Schulterfreiheit geht ebenfalls in Ordnung. Schön, dass die Sitze komfortabel mit straffen, nicht aber zu harten Polstern abgestimmt wurden. Allein etwas mehr Seitenhalt wäre wünschenswert gewesen.

Pfiffige Detaillösungen im Innenraum ersparen Verdruss beim Ablegen von Kleinkram. Allerdings ist das wie eine Schublade öffnende Handschuhfach auch nicht zwingend praktischer als konventionelle Fächer – aber es sieht immerhin schicker aus. Nett gestaltet sind auch die abziehbaren Sitzbezüge in frechem Design (400 Euro extra), die zum Säubern einfach in die Waschmaschine gesteckt werden können. Ein verschließbares Fach auf dem Armaturenbrett sowie die mobile Box zwischen den Sitzen (ab Dynamique) unterstreichen die durchdachte Praktikabilität.

Gute 1235 Liter Kofferraumvolumen im Renault Captur

Auch das Cockpit des Renault Captur verströmt Lifestyle-Gefühle
Auch das Cockpit des Renault Captur verströmt Lifestyle-Gefühle © Renault

Mit einem maximalen Ladevolumen von 1235 Litern bei umgeklappten Rücksitzen ist der Captur als Mini-Lastesel durchaus brauchbar, wenngleich er den Wettbewerb damit nicht anführt. Für Augen und Ohren gibt es einen griffgünstig platzierten TFT-Touchscreen sowie eine leistungsstarke Musikanlage mit Streaming-Funktion, die zumindest für diese Fahrzeugkategorie ordentliche Dienste leistet.

Gegen faire 990 Euro Aufpreis ist darüber hinaus eine Bluetooth-Freisprechanlage und ein Navigationssystem samt den üblichen Anschlüssen inkludiert. Typisch Renault: Bei der Bedienung des erstmals im Clio neu eingeführten Menüsystems ist etwas Eingewöhnung erforderlich – danach aber kommt man mit dem auf möglichst wenig Knöpfchen getrimmten Layout ganz gut zurecht.

Hohe Laufkultur bei den Motoren

Zweifarbigkeit ist Trumpf beim Renault Captur
Zweifarbigkeit ist Trumpf beim Renault Captur © Renault

Und die Motoren? Empfehlenswert ist natürlich der 66 kW/90 PS starke Diesel mit seinen 220 Nm Drehmoment schon ab 1750 Umdrehungen; allerdings ist es nicht der Punch, der in Erinnerung bleibt, sondern die Laufkultur. Sogar bei genauem Hinhorchen bereitet es Mühe, den 1,5-Liter als Selbstzünder zu identifizieren.

Auch der große Benziner mit dem obligatorischen Doppelkupplungsgetriebe mutet sehr kultiviert an. Er hebt seine Stimme selbst bei höheren Drehzahlen nicht, so dass während der Fahrt Unterhaltungen in Zimmerlautstärke geführt werden können. Ein wirklicher Temperamentbolzen ist der 1,2 Liter große Ottomotor aber nicht, was in der Praxis auf ein hohes Drehzahlniveau und deutlich mehr als die angegebenen 5,4 Liter Verbrauch hindeutet.

Während ein Tempomat immer an Bord ist, müssen Klimaanlage und Radio für 1200 Euro dazu gekauft werden. Die sind spätestens dann eine gute Investition gewesen, wenn das Fahrzeug irgendwann wieder verkauft werden soll. Auf ein Mindestmaß an Komfort wollen schließlich auch genügsamste Autofahrer nur ungern Fall verzichten. (SP-X)






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