25. September 2017

Fahrbericht Abkömmling des Nissan Navara Renault Alaskan: Klonereien im Gelände

Renault feiert Pickup-Premiere mit dem Alaskan Fotos ▶
Renault feiert Pickup-Premiere mit dem Alaskan © AG/Flehmer

Renault steigt mit dem Alaskan ins Pickup-Segment ein. Der Lastenesel beschreitet dabei den Weg, der beim Volkswagen-Konzern seit Jahren an der Tagesordnung ist.




Von Thomas Flehmer

Das Segment ist noch sehr klein, doch immer mehr Hersteller bringen Pickups in Europa auf den Markt. Auch Renault folgt dem Weg der kantigen Lastenesel mit der offenen Ladefläche. Dank der seit 18-jährigen bestehenden Allianz mit Nissan, konnten es sich die Franzosen recht einfach machen. Seit über 30 Jahren haben die Japaner Pickup-Erfahrungen mit dem Navara gemacht, der vor zwei Jahren bereits in vierter Generation aufgelegt wurde.

Und Renault hat es sich sehr einfach gemacht und den Weg beschritten, der im Volkswagen-Konzern seit Jahren an der Tagesordnung ist. Ein paar optische Retuschen – selbst der Schlüssel ist von Nissan - und fertig ist das neue Auto, das Renault nur als Double Cab-Variante anbietet.


Renault Alaskan mit martialischer Front

Von vorn betrachtet unterscheidet sich der Alaskan dabei schon recht deutlich vom Navara. Der Grill wirkt sehr martialisch, die Scheinwerfer sind markant in die Frontschürze eingegliedert, der Unterfahrschutz deutlich hervorgehoben. Die 18 Zoll großen Reifen sehen zwar auch passend aus, 20er würden den Charakter von Arbeit und Schweiß noch mehr unterstreichen – selbst der Scenic greift auf die größeren Schlappen zurück.

Die Seitenlinie fällt dagegen ebenso identisch aus wie auch das Heck. Dass die Maße von 5,40 Metern Länge sowie einem Radstand von 3,15 Metern zugleich auf Navara wie Alaskan passen und die Ladefläche 2,46 Quadratmeter fasst, sollte nicht überraschen.

Übertriebene Synergien im Renault Alaskan

Der Innenraum gleicht dem Navara
Der Innenraum gleicht dem Navara © Renault

Die Überraschung folgt beim Einstieg in den Innenraum. Auch hier hat Renault den VW-Weg beschritten und lediglich das Logo auf dem Lenkrad ausgetauscht. Zum einen sind die Synergien in diesem kleinen Segment verständlich, zum anderen ist es doch schon enttäuschend. Denn Renault bietet seit dem neuen Espace auch eine neue Cockpit-DNA an, die auch gut zum Alaskan gepasst hätte und im Konzernregal ebenso verfügbar gewesen wäre – auch wenn ein paar kleine Änderungen angestanden hätten.

So aber empfängt die Insassen statt eines großen quer in der Mitte angebrachten Displays mit verschiedenen Funktionen nur der sieben Zoll kleine Bildschirm, den Nissan in seinen Fahrzeugen installiert. Und auch sonst bleibt der lifestylige Charakter der französischen Inneneinrichtung außen vor – schade. Mercedes geht mit der X-Klasse da innovativer vor und hat dem ebenfalls vom Navara abstammenden Pickup seine eigene Innenraum-DNA zukommen lassen.

Renault steuert Motor bei

So teilt sich der Alaskan die Stärken und Schwächen der Einrichtung. Dazu gehören gut konturierte Vordersitze ebenso dazu wie die nur suboptimale Sitzposition hinten, bei der die Knie erhöht bleiben und somit auf längeren Fahrten schneller Ermüdungserscheinungen auftreten. Und natürlich bleibt die Ladefläche der Knackpunkt. Wer sie zu nutzen weiß, erhält ein gutes Angebot. Wer mit dem offenen Platz, der für rund 4500 Euro auch mit einer Haube geschlossen werden kann, nichts anzufangen weiß, fährt mit totem Raum herum. Manche mögen das ja.

Doch Renault steuert auch selbst etwas bei, was auch dem Navara zu gute kommt – die 2,3 Liter großen Dieselmotoren mit 160 und 190 PS. Angesichts von 2,1 Tonnen Leergewicht sollte die stärkere Variante bevorzugt werden, deren Leistung selbst im unbeladenen Zustand sich nicht nach 190 PS anfühlt, auch wenn der Sprint schon nach 10,8 Sekunden beendet und die Höchstgeschwindigkeit von 184 Stundenkilometern nicht zu bemängeln ist.

Gute Figur im Matsch

Und natürlich glänzt auch der Alaskan, wenn die schweißtreibenden Arbeiten gefragt sind. Eine Tonne Zuladung passt auf die fast quadratische Ladefläche mit jeweils eineinhalb Metern Länge. 3,5 Tonnen kann der Allradler an den Haken nehmen. Und dank Allradantrieb gibt der Pickup im Matsch, Schlamm oder Wasser immer eine gute Figur ab.

Wer lieber den Colt Sievers auf dem Boulevard gibt, kann in die Nähe von 6,5 Litern auf 100 Kilometern kommen, die für den Alaskan gemessen wurden. Dann darf man allerdings nicht allzu stark den Gasfuß herunterdrücken und den rauen und zugleich coolen Sound des Vierzylinders in die Umgebung zu posaunen. Ein wenig Sportlichkeit entsteht, wenn sich das Getüm in die Kurven legt, was er bis zu einem gewissen Grad hervorragend hinbekommt, ohne dass die Insassen – besonders die hinten sitzenden – zur Tüte greifen müssen.

Renault Alaskan ab 36.900 Euro

Im Matsch gibt es keine Probleme für den Alaskan
Im Matsch gibt es keine Probleme für den Alaskan © AG/Flehmer

Ohne sportliche Ansprüche ist der Alaskan ein guter Cruiser mit gemütlicher Lenkung und genügend Fahrstabilität. Die Automatik werkelt vor sich hin wie eine Automatik werkelt, ein Cowboyhut stände dem Fahrer gut zu Gesicht. Denn das Arbeitstier kann auch lässig als gutmütiger Bär auf den Straßen.

Bevor der Bär anfängt zu brüllen, müssen allerdings 36.900 Euro für den Basis-Alaskan investiert werden. Das sind rund 5000 Euro mehr als für den Navara. Dafür ist der Renault besser ausgestattet. Wer den stärkeren Motor wählt, ist mit mindestens41.500 Euro dabei. Dann sollte die Ladefläche für einen selbst aber Sinn ergeben.






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