21. September 2016

Fahrbericht Pickup ohne Starrachse Nissan Navara: Nicht nur für unbekannte Stuntmänner

Die Ladefläche des Nissan Navara NP300 ist vielseitig nutzbar
Die Ladefläche des Nissan Navara NP300 ist vielseitig nutzbar © AG/Flehmer

Nissan hat den Navara ganz im Trend immer mehr Pkw-Atmosphäre zukommen lassen. Allerdings sollten Käufer, die nicht aus romantischen Gefühlen einen Pickup kaufen, regelmäßig die Ladefläche zu nutzen wissen.




Von Thomas Flehmer

Den berühmtesten Pickup der Vorabendserien-Geschichte fuhr sicherlich Colt Seavers. In der Fernsehserie „Ein Colt für alle Fälle“ wurde der Unknown Stuntmann dabei zumeist von seiner hübschen Assistentin Jody Banks begleitet, während sein trotteliger Cousin Howie Munson zumeist auf der Rückbank des GMC Sierra Grande Platz nehmen musste.

Für das Trio bedeuteten die Aufnahmen Anfang der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts eher eine Tortur. Denn selbst die amerikanischen Lademeister, die in Amerika einen sehr hohen Stellenwert besitzen, waren spartanisch eingerichtet. Und die Ersatzfahrzeuge, die GMC aufgrund der vielen Schäden bei den Stunts liefern musste, waren nicht besser ausgestattet.

Heute würden sich Colt, Jody und Howie zumeist besser fühlen, denn die Pickups haben eine starke Wandlung in Richtung SUV- und Pkw-Atmosphäre hingelegt, wie nicht nur der neue Nissan Navara unterstreicht.


Nissan Navara mit Mehrlenkerachse für hinten

Wichtigste Eigenschaft des neuen Pickups aus japanischer Schmiede ist der Verzicht auf die Starrachse und der Zugriff auf eine Mehrlenkerachse hinten – allerdings nur in der höchsten Variante Tekna mit dem von uns gefahrenen 2.3 dCi mit 140 kW/190 PS und Double Cab. Zwar ist der Einbau einer Konstruktion mit Längs- und Querlenkern aufwendiger und teurer, doch der Komfort macht sich deutlich bei den Insassen bemerkbar. Denn auch unbeladen fährt der Navara ruhig und weich über den Asphalt und sorgt für ein Wohlbefinden.

Und das auch in hohen Geschwindigkeiten. Bis 180 km/h schafft es der Vierzylinder, ohne dabei dank eines bei 1500 Umdrehungen anliegenden Drehmomentes von 450 Newtonmetern großartig aufzumucken. Die Siebengang-Automatik arbeitet dabei sehr solide und die erhöhte Sitzposition verschafft Fahrer und Beifahrern ein gewisses Plus an gefühlter Sicherheit.

Der Verbrauch pendelte sich bei Tempo 120 bis 130 nah an den nach dem Neuen Europäischen Fahrzyklus ermittelten Werte von glatten sechs Litern ein, ist man schneller unterwegs, zeigte sich eine Neun auf dem Bordcomputer. In der Stadt lag der Wert bei für den zwei Tonnen schweren Pickup guten 7,4 Litern bei allerdings vielen Stadtautobahnkilometern. Dank zuschaltbarem Vorderradantrieb und Differenzialsperre können auch Gewerbetreibende oder Förster den Navara gut abseits asphaltierter Wege pilotieren.

Abstriche bei den Rücksitzen

Nur beim Start trötet der Nissan Navara wie ein Nutzfahrzeug
Nur beim Start trötet der Nissan Navara wie ein Nutzfahrzeug © AG/Flehmer

Zuvor aber heult der 2,3 Liter große Diesel beim Starten und Anfahren mit den größeren Lkw-Brüdern um die Wette, beruhigt sich der 2.3 dCi sehr schnell. Auf der folgenden Fahrt dringen keine weiteren Motorengeräusche in die Doppelkabine, sodass die Pkw-Atmosphäre schnell hergestellt wird. Auch bedingt durch den wertig gestalteten Innenraum, der sich an den Nissan-Pkw orientiert.

Highlight ist auch im Navara das Nissan Connect Navigationssystem mit dem Around View Monitor, der 360 Grad Rundumsicht bietet und das Einparken des 5,30 Meter langen Riesen zum Kinderspiel werden lässt.

Abstriche müssen allerdings bei den Sitzen gemacht werden. Die Sitzflächen sind etwas zu klein ausgefallen, was vorne nicht allzu stark stört. Doch die Personen in der zweiten Reihe müssen mit einer unbequemeren Sitzposition vorlieb nehmen, bei denen die Knie höher als das Becken angesiedelt ist. Auch Howie müsste in der heutigen Zeit leiden. Auf längeren Reisen sollte dann öfters eine Pause eingelegt werden.

Regelmäßige Nutzung der Ladefläche empfohlen

Auf die Ladefläche des Nissan Navara findet auch eine Europalette Platz
Auf die Ladefläche des Nissan Navara findet auch eine Europalette Platz © AG/Flehmer

Das bietet sich auch an, damit immer wieder das verstaute Gepäck kontrolliert werden kann, das auf der offenen Ladefläche verstaut wurde, falls das Geld für ein Hardtop aus der Aufpreisliste fehlt. Eine Plane und ein paar Verzurrbänder halten Koffer und Taschen auf der fast quadratischen Ladefläche mit einer Größe von rund 2,40 Quadratmetern. Ein Kombi lässt sich sicher komfortabler packen, bietet aber nicht so viel Platz.

Auch im Alltag sollte die Ladefläche häufiger genutzt werden, da sonst der Sinn und Zweck eines Pickups verfehlt wird – es sei denn, man ist absoluter Fan oder liebt Abenteuerromantik. Ansonsten bietet die Ladefläche toten Raum, der je nach Wetterlage auch nicht immer genutzt werden kann – und bei einem Preis von 33.030 Euro in der Basisversion der Doppelkabine oder den 43.625 Euro des Testwagens müsste Colt Seavers einige Stunts absolvieren, ehe er zum neuen Navara greifen kann.






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