10. November 2016

Fahrbericht Pickup auf Komfortkurs Nissan Navara: Die Wüste lebt

Der Nissan Navara wirbelt viel Sand auf
Der Nissan Navara wirbelt viel Sand auf © Nissan

Nissan richtet den eigentlichen Lastesel Navara in Richtung Komfort aus. Der japanische Pickup bringt aber dank seiner Geländeeigenschaften immer noch kräftige Gene für unwegsame Untergründe mit sich.




Mit dem neuen Navara will Nissan seine 80-jährige Erfahrung im Bau von Pick-ups zumindest vorläufig krönen. Vor allem die Fahreigenschaften des ab 26.470 Euro erhältlichen Japaners auf Asphalt wie auch die abseits befestigter Wege sind in der jetzt zwölften Generation verbessert worden. Das gilt vor allem für die Versionen mit Doppelkabine (Double Cab), die nun statt der bisherigen Lösung mit Blattfedern mit einer um 20 Kilogramm leichteren Mehrlenker-Hinterradaufhängung mit Schraubenfedern ausgerüstet sind, was laut Produktmanager Frederic Delmotte dem Nissan ein Alleinstellungsmerkmal im Segment verschafft.

Im Fahrbetrieb macht sich dies mit einem deutlich höheren Fahrkomfort bemerkbar. Der Pick-up überzeugt zudem mit einem guten Handling. Das gilt auch für die King-Cab-Varianten (Einzelkabine). Hier kommt allerdings weiterhin eine Blattfeder-Aufhängung zum Einsatz. Die wurde grundlegend überarbeitet, was unter anderem zu einer Gewichtseinsparung von sieben Kilogramm geführt hat. Vor allem aber aufgrund der Reduzierung des Radstands um 5 Zentimeter auf jetzt 3,15 Meter lässt sich der Wagen mit einem Wendekreis von 12,4 Metern einfacher im engen Stadtverkehr bewegen. Ein klares Komfortplus.


Navara-Sitze auf Ergonomie getrimmt

Den hat auch der Innenraum im Vergleich zum bisherigen Modell zu bieten. Der Instrumententräger ist übersichtlicher gestaltet und die verwendeten Materialien wirken wertiger. Richtig gut sogar sind die auf Ergonomie getrimmten vorderen Sitze. Hier wird auch die längere Fahrt oder die Tour durchs wilde Gelände nicht zur Strapaze. Der Platz für die Mitfahrer auf der Rückbank im Double Cab ist noch gerade so, dass keine Platzangst aufkommt. Die hinteren Lehnen lassen sich zudem jetzt ein wenig weiter verstellen. Und es gibt für den Fond eine separate Belüftung.

Schon die Einstiegsversion hat jede Menge Dinge serienmäßig an Bord, die man bei einem Nutzfahrzeug kaum erwarten würde. CD-Radio mit Bluetooth-Schnittstelle, Sitzheizung vorn, elektrisch einstell- und beheizbare Spiegel, elektrisch bedienbare Fensterheber, Tempomat, Multifunktionslenkrad zählen ebenso zur Ausstattung wie das elektronische Hinterachsdifferenzial und sieben Airbags. Bei den Modellen mit zuschaltbarem Allradantrieb ist zudem auch immer eine Bergan- und Bergabfahrthilfe an Bord. Und die ist bis auf die King-Cab-Einstiegsversion bei allen Navara-Modellen Standard.

Nissan Navara ohne Probleme ins Gelände

Warten auf den Marlboro-Man
Warten auf den Marlboro-Man © Nissan

Hier kann über einen Drehregler im Armaturenträger leicht von Heck- auf Vierradantrieb gewechselt werden. Im Lock-Modus wird die Kraft des Motors generell an beide Achsen geleitet. Im anspruchsvollen Terrain kann noch ein mechanisches Sperrdifferenzial zugeschaltet werden. Mit einer Watttiefe von 60 Zentimetern und einer Bodenfreiheit von 20,8 Zentimetern ist der Navara gewappnet, Fahrer und Last (bis zu einer Tonne/Anhängelast 3,5 Tonnen) auch durch schweres Gelände zu bringen. Die Länge der Ladefläche konnte beim Double Cab im Vergleich zum Vorgänger um 6,7 Zentimeter auf jetzt knapp 1,58 Meter verlängert werden (King Cab 1,79 Meter).

Um auch bei voller Beladung kraftvoll voran zu kommen, reicht schon der kleinere der beiden 2,3-Liter-Dieselmotoren mit einer Leistung von 120 kW/163 PS aus. Immerhin wuchtet der Selbstzünder ein Drehmoment von 403 Newtonmetern (Nm) bei 1.500 Umdrehungen auf die Achsen. Und kommt dabei bei der heckgetriebenen Version mit einem Normverbrauch von 6,1 Litern aus. Das sind laut Nissan 0,2 Liter weniger als beim bisher eingesetzten Euro-5-Motor. Zur Verbrauchsreduzierung trägt auch das Start-Stopp-System bei, das in Kombination mit der Sechsgang-Schaltung immer an Bord ist.

Mercedes X-Klasse basiert auf Nissan Navara

Der Navara wühlt sich durch den Sand
Der Navara wühlt sich durch den Sand © Nissan

Als stärkere Alternative für den Double Cab bietet Nissan den Diesel mit 140 kW/190 PS und 450 Nm bei 1500 Touren an, den es auf Wunsch auch mit einer Siebengang-Automatik (1650 Euro) gibt. Beide Triebwerke haben serienmäßig ein SCR-Abgasreinigungssystem, um die Stickstoffemissionen zu reduzieren. Der Tank mit 17 Litern AdBlue-Harnstofflösung (Einfüllstutzen auf der anderen Seite des Dieseltanks) soll für etwa 10.000 Kilometer ausreichen.

Sowohl verbrauchs- als auch geräuschreduzierend macht sich der Feinschliff an der Aerodynamik des Pick-ups bemerkbar. So reißt der Luftstrom jetzt im Gegensatz zum Vorgänger-Modell nicht mehr zwischen Fahrerkabine und Ladefläche ab. Zudem erhielt die Motorhaube eine spezielle Dichtung, Spoiler an der Frontschürze und auf der Ladeklappe optimieren die Luftführung.

Auf die lange Erfahrung der Japaner beim Bau von Pick-ups greift im Übrigen nun auch Mercedes zurück. Der erste Pick-up der Marke, die gerade vorgestellt X-Klasse, kommt Ende 2017 auf den Markt. (SP-X)






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